Der Niedergang der Musikindustrie setzt sich fort

In der Schweiz ist der Umsatz im Jahr 2013 unter 100 Millionen Franken gefallen.

Die Musikindustrie setzt auf einheimische Musiker: Schlagerstar Beatrice Egli.

Die Musikindustrie setzt auf einheimische Musiker: Schlagerstar Beatrice Egli.

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Digitale Streaming-Angebote wie Deezer oder Spotify legten zwar zu. Insgesamt fiel der Umsatz der 31 Musiklabels im Branchenverband IFPI Schweiz aber um weitere 12 Prozent auf 92,3 Millionen Franken.

Damit ist der Umsatz in den letzten zehn Jahren um 63 Prozent eingebrochen. 1995 waren noch rekordhohe 317 Millionen Franken umgesetzt worden. Massgebend geprägt wird dieser Trend durch den anhaltenden Umsatzrückgang im traditionellen CD-Geschäft, wie IFPI Schweiz in der am Donnerstag veröffentlichten Jahresbilanz schreibt. 2013 nahm der Branchenumsatz zu Handelspreisen im CD-Geschäft um 20 Prozent auf 53,7 Millionen Franken ab. Das Händlersterben gehe weiter und auch die Verkaufsflächen in den verbleibenden Geschäften schrumpften, hiess es.

Zudem bewirke die Frankenstärke, dass die Händler und Endverbraucher internationales Repertoire zunehmend aus dem Ausland direkt importieren respektive einkaufen, schreibt IFPI. Der Anteil solcher direktimportierter CDs betrage schätzungsweise 25 bis 30 Prozent der Verkäufe in der Schweiz. Daher setzen die Schweizer Anbieter auf heimisches Schaffen: So erreichten mit Beatrice Egli, DJ Antoine und Bligg drei Schweizer Künstler die Jahres-Top-10 der meistverkauften Alben.

Vom Download zum Streaming

Insgesamt ging die Abwärtsspirale aber weiter. Auch das Digitalgeschäft im Internet vermag die Einbussen nicht wettzumachen, obwohl sich der Umsatz mit Streaming-Angeboten verfünffacht hat. In diesem noch jungen Geschäft erreichte der Umsatz 6,3 Millionen Franken.

Der Erfolg beim Streaming wird durch den Rückgang des Geschäfts mit dem Herunterladen von Musik gebremst. Erstmals nahmen die Umsätze hier ab, und zwar um 11 Prozent auf 32,3 Millionen Franken. Für IFPI bleibt abzuwarten, wie die Download-Portale - allen voran Marktführer Apple mit iTunes - auf diese Herausforderung reagieren.

Wegen der Verschiebung weg vom Download hin zu Streaming expandierte der Digitalmarkt als Ganzes nur um 2 Prozent. Laut dem Musiklabel-Verband wird die Entwicklung zu sehr durch illegale Angebote und einen ungenügenden Rechtsrahmen gehemmt. Dies bestätige sich beim Vergleich mit anderen Ländern. So habe der europäische Markt dank eines digitalen Wachstums von über 13 Prozent insgesamt sogar leicht zulegen können.

Piraterieportale blockieren

Die Schweiz entwickle sich deutlich langsamer als Länder wie Schweden, Norwegen, Finnland oder die Niederlande, die über gesetzliche Instrumentarien verfügten, um die legalen Musikangebote vor konkurrierenden illegalen Angeboten zu schützen. Dazu zähle die Möglichkeit, den Zugriff auf die schwerwiegendsten Piraterieportale wie «The Pirate Bay» zu blockieren, heisst es weiter.

Einzig Österreich befinde sich bei der Umsetzung der einschlägigen EU-Richtlinien in Verzug, und es sei wohl kein Zufall sein, dass sich dort der Digitalmarkt ähnlich schwach wie in der Schweiz entwickle. Lorenz Haas, Geschäftsführer von IFPI Schweiz, forderte denn auch einen «modernen Urheberrechtsschutz».

«Nur legale Angebote verhelfen den Künstlern und Labels zu ihrem verdienten Einkommen, weshalb sie in den Vordergrund gestellt und vor illegaler Konkurrenz geschützt werden müssen», wird Haas im Communiqué zitiert. Die Rechtsbehelfe des Vor-Internetzeitalters seien dafür untauglich und müssten modernisiert werden.

Entsprechende Ansätze haben jüngst Vertreterinnen und Vertreter der Kulturschaffenden, Produzenten, Verwertungsgesellschaften, Konsumenten und Nutzerverbände im Rahmen der Arbeitsgruppe Urheberrecht des Bundesamtes für Justiz (BJ) gemeinsam vorgelegt. Ziel ist, den Fokus weg von der Repression gegen Nutzer hin zur Ausdünnung illegaler Angebote zu verschieben. (phz/sda)

Erstellt: 27.03.2014, 15:25 Uhr

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