Song Contest

Die Stimmbänder der Nation

Anna Rossinelli vertrat gestern die Schweiz am Finale des Eurovision Song Contest. Die ausländischen Medien ziehen bereits Vergleiche mit Céline Dion, die 1988 für die Schweiz gewann.

Schöne Stimme, gute Siegchancen: Die Baslerin Anna Rossinelli bei der Probe für die Finalshow.

Schöne Stimme, gute Siegchancen: Die Baslerin Anna Rossinelli bei der Probe für die Finalshow. Bild: Keystone

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Die Frage musste natürlich kommen: «Are you Switzerland’s next Celine Dion?» Gestellt hat sie der Reporter eines australischen Radiosenders bei der Auslosung der Startreihenfolge für den Final des European Song Contest in Düsseldorf. Doch die Befragte enthielt sich einer expliziten Antwort.

Eine solche würde auch gar nicht zu Anna Rossinelli passen, denn die Basler Sängerin ist trotz des um sie herum tobenden Medienrummels bescheiden und zurückhaltend geblieben. Wird sie um eine Einschätzung ihrer Siegchancen beim europäischen Wettsingen gebeten, antwortet sie zwar selbstbewusst, gleichzeitig aber eben auch kleinspurig: «Ich weiss, dass ich mich auf meine Stimme verlassen kann. Und ich weiss, ich werde mein Bestes geben. Den Rest blende ich einfach aus.»

Das ist natürlich Tiefstapelei auf hohem Niveau, steht jedoch für die herzerfrischend coole Swissness, mit der sich unsere Frau in Düsseldorf den Respekt der Öffentlichkeit und der Fachleute sichert. «Ganz schön heisser Feger . . .», analysierte beispielsweise ein Experte im deutschen Frühstücksfernsehen – und liess dabei offen, ob damit nun der Song «In Love for a While» oder dessen Interpretin gemeint sei.

Strassenmusikerin in diversen Städten

Sein Urteil ist natürlich in jeglicher Hinsicht präzise. Denn das Lied aus der Feder des Jazzmusikers David Klein ist clever konstruiert, stimmig arrangiert und absolut eingängig. Und Frau Rossinelli sieht so gut aus, dass sie in ihren späten Teenagerjahren auch mal als Model für Unterwäsche des Labels Tarzan vor der Fotokamera stand. Darüber spricht die 24-Jährige allerdings nicht so gerne.Viel lieber spricht sie über ihre Zeit als Strassenmusikerin. Als sie und ihre beiden Begleiter, die auch heute Abend mit ihr das Rampenlicht teilen werden, in diversen europäischen Metropolen auf dem harten Kopfsteinpflaster der Innenstädte herumstanden und die Passanten unterhielten.

Dort hat die ehemalige Jazzschülerin ihrer beeindruckenden Stimme den letzten Schliff verpasst, und dort wurde sie auch von Komponist Klein entdeckt. Er schrieb das Lied, sie sang es ein – und setzte sich damit erst bei der Schweizer Vorausscheidung Mitte Dezember in Kreuzlingen und am vergangenen Dienstag schliesslich beim europäischen Halbfinal in Düsseldorf durch.

Eine würdige Nachfolgerin für Céline Dion

Auf dem Weg dorthin sah sich die gelernte Pflegefachfrau für Behindertenbetreuung auch immer wieder mit dem Lena-Vergleich konfrontiert, auf den sie sich freilich nie einlassen mochte, den sie in Fachkreisen jedoch längst für sich entschieden hat – nicht zuletzt deshalb, da sie im Gegensatz zur mürrischen Titelverteidigerin äusserst sympathisch ist, tatsächlich singen kann und überdies auch noch den Umgang mit der englischen Phonetik beherrscht. Den hat sich die begeisterte Jasserin in New York draufgeschafft, wo sie mit ihrem Freund, dem Bassisten Georg, ein halbes Jahr verbrachte.

Wenn Anna Rossinelli also heute Abend mit der Startnummer 13 erneut in ihrem roten Glitzerkostüm – so schreibt es das Reglement vor – die Bühne der Düsseldorf-Arena betritt, hat sie alles, was sich ein Mädchen wünschen kann: ein Millionenpublikum an den Bildschirmen in ganz Europa, ihren Liebsten an ihrer Seite und eine zurückhaltend stolze Nation, die hinter ihr steht wie eine Zwei. Um endlich Celine Dions würdige Nachfolgerin bejubeln zu dürfen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.05.2011, 11:23 Uhr

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