Hatz auf Rothaarige

In M.I.A's neuem Videoclip jagen und liquidieren US-Soldaten Rothaarige. Der Clip wurde von der amerikanischen Youtube-Plattform verbannt - zu brutal, hiess es.

Still aus dem Videoclip «Born Free» von M.I.A.

Still aus dem Videoclip «Born Free» von M.I.A.

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«Born Free» ist der erste Release des auf Juni terminierten neuen Albums der Londoner Künstlerin M.I.A. Kaum erschienen, sorgt der Videoclip für Aufsehen. Tatsächlich ist er einigermassen verstörend. Zu brachialem Elektropunk sehen wir eine amerikanische Spezialeinheit, die ein Mietshaus aufmischt, die Mieter aus den Betten reisst und verprügelt, offensichtlich auf der Suche nach einer Person. Diese stellt sich als rothaariger junger Mann heraus, der abgeführt und in einen Kastenwagen mit andern Rothaarigen gesperrt wird. Die Männer werden in die Wüste gefahren und dort über ein Feld von Landminen gejagt. Dabei liquidieren die Uniformierten auch einen rothaarigen Knaben. MTV sieht im Clip einen Protestsong und wird ihn zeigen. Die Videoplattform Youtube verbannte den Clip hingegen wegen exzessiver Gewalt - zumindest in den USA.

Willkür des Hasses

Dass der Clip so schockiert, liegt nicht in erster Linie an besonders brutalen Einzelszenen – es fliesst nur wenig Blut. Erschreckend ist vielmehr der offene Rassismus, die Willkür des Hasses, die Unmittelbarkeit der Gewalt und die realitätsnahe Darstellung. Er führt unmittelbar vor Augen, was in vielen Teilen dieser Welt Alltag ist: Dass Soldaten ethnische Minderheiten terrorisieren, ihre Bürgerrechte mit Füssen treten, sie schikanieren, töten - und zwar auch Soldaten der vermeintlich Guten.

Verantwortlich für den Clip war Romain Gavras. Der Sohn des Regisseurs Costa Garvas sorgte schon mit seinem letzten Clip «Stress» für die Elektroclash-Band Justice für Aufsehen – damals ging es um Jugendliche in Frankreichs Vorstädten, die wahllos Passanten verprügelten. Im «Born Free»-Clip dürfte allerdings nicht nur die Gewalt zu reden geben, sondern die eindeutige Anklage an die Adresse Amerikas. In Internet-Foren wird bereits heftig diskutiert, ob dies die Rückkehr des politischen Raps oder nur billiger Antiamerikanismus im Dienste von möglichst viel Publicity ist. Immerhin hätte die aus Sri Lanka stammende und in London ansässige M.I.A ihren Clip auch in England spielen lassen können.

Maya Arulpragasam, wie M.I.A (für Missing in Action) mit bürgerlichem Namen heisst, wurde in London geboren und zog mit ihren Eltern bald nach Sri Lanka, wo der Vater als Widerstandskämpfer im Bürgerkrieg aktiv war. Mit elf Jahren kehrte sie nach London zurück, wo sie bald eine Musikkarriere zu verfolgen begann. Politische Gewalt war von Beginn weg ein dominierendes Thema in ihren Texten. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.04.2010, 15:06 Uhr

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