Sid Bernstein ist tot

Der Musikmanager und Produzent Sid Bernstein ist tot. Er hatte unter anderen Frank Sinatra und die Rolling Stones betreut.

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Eigentlich gehörte das William A. Shea Municipal Stadium, den Baseballern der New York Mets. Doch seit dem 15. August 1965 gehört das Shea, wie die Einheimischen die Anlage im Flushing Meadows Sportpark in Queens nennen, mindestens so sehr der Popkultur. Denn an diesem Tag spielten die Beatles das erste Stadionkonzert der Geschichte. Eingeladen hatte sie der lokale Impresario Sid Bernstein. Am Mittwoch ist er kurz nach seinem 95. Geburtstag gestorben, wie die «New York Times» berichtete.

Er handle mit Träumen, stellte sich Bernstein auf seiner Homepage selber vor. In eigener Sache debütierte er tatsächlich erst mit 93 Jahren, als er eine CD mit ein paar seiner Lieblingslieder einsang und über Downloadseiten verkaufte – was in der Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen wurde. Für den grössten Teil seines Lebens war er ein Businessmensch. 1943 war Sidney Bernstein in die US-Army eingetreten und hatte in Frankreich gegen die Nazis gekämpft. Nach dem Krieg blieb er dort stationiert und betrieb einen Nachtklub. Zurück in den USA organisierte er Tanzabende für Singles, bevor er im Boom der Latinmusik zur Grösse des New Yorker Nachtlebens wurde: Er hatte den legendären Club Trocadero eröffnet.

Ab den 60er-Jahren buchte er die besten Künstler seiner Zeit in die Carnegie Hall und ins Paramount Theatre: Frank Sinatra, Nina Simone, James Brown oder Miles Davis. Der schönste Traum aber, den Bernstein der amerikanischen Jugend verkaufte, der kam aus England. Drei Tage, nachdem die Beatles in der «Ed Sullivan Show» erstmals im amerikanischen Fernsehen aufgetreten waren, begrüsste sie Bernstein am 12. Februar 1964 auf der Bühne der Carnegie Hall. Es war der Beginn der «British Invasion», des Sturmlaufs englischer Bands durch die Hitparade der USA, und Bernstein holte auch die Rolling Stones, die Kinks oder die Animals nach New York. Der Höhepunkt kam mit dem Konzert der Beatles im Shea vor 55 600 Leuten und gegen eine Gage von 180 000 Dollar: ein Triumphzug, der mit «Twist and Shout» begann – ironischerweise einem amerikanischen Song – und eine Stunde später mit «A Hard Day’s Night», «Help!» und «I’m Down» endete.

Allerdings war der Triumph eher symbolischer als künstlerischer Natur. Zwar sagte John Lennon einmal, er habe im Shea «den Gipfel der Berges» gesehen. Ringo Starr aber meinte später, der Auftritt sei «sehr gross und sehr seltsam» gewesen, und Sid Bernstein selber nannte ihn «unhörbar»: Das Schreien der Fans war musikbetäubend. Trotzdem soll er 1967 den Beatles für einen weiteren Auftritt im Shea Stadium rund eine Million Dollar geboten haben, aber die Band spielte keine Konzerte mehr. (phz/sda)

Erstellt: 22.08.2013, 10:34 Uhr

Sid Bernstein.

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