Was einen guten WM-Song ausmacht

Nachdem DJ Antoine den offiziellen Schweizer WM-Song präsentiert hat, stellt sich eine grundsätzliche Frage: Gibt es überhaupt gute WM-Songs?

Shakira im Videoclip zu «Waka Waka - This time for Africa».

Shakira im Videoclip zu «Waka Waka - This time for Africa».

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Die Reaktionen waren gnadenlos. Als «Retortengeschepper» oder «Der lästigste Song des Sommers» wurde DJ Antoines WM-Song «Ole Ole» bezeichnet, den er im Auftrag des Schweizer Fussballverbands komponiert hat. Handkehrum: Wann bekam ein Fussballlied von der Popkritik schon einmal Lob? Und gibt es überhaupt gute WM-Songs?

Kurze Antwort: Sehr selten. Die offiziellen WM-Songs sind fast immer lieblose Auftragsarbeiten. Ein Rhythmus aus dem Land des Turnier-Gastgebers, unterlegt mit Bass-Gestampfe. Dazu peppige Phrasen über den Weltfrieden («Waka Waka - This time for Africa») oder plumpe zur Magie des Moments («Put your flags in the sky!»). Die Unoriginalität des Genres zeigt nur schon die Tatsache, dass DJ Bobo 2006 ebenfalls einen WM-Song mit dem Titel «Olé Olé» beigesteuert hat.

Weil Sportgrossanlässe auch Fernsehgrossanlässe mit einem Millionenpublikum sind, versuchen stets auch Trittbrettfahrer mit einem Song zur raschen Berühmtheit zu kommen. Bei ihnen liegen Himmel und Hölle ganz nahe nebeneinander. Junkie XL feat. Elvis lieferten mit «A Little Less Conversation» 2002 einen tollen Song, der auf Schmalz und Mitgröl-Chor verzichtete. Schlimm dagegen waren Jürgen & Libero 5, die die Betrunkenen in den Fanmeilen zur Melodie von «Glory, Glory, Hallelujah» den Satz «Poldi, Poldi, Hallelujah» krakeelen liessen.

Natürlich sind dies subjektive Bewertungen. Als objektives Kriterium für einen gelungenen WM-Song könnte man die Definition eines Sommerhits bemühen: Ein Lied, das im kollektiven Bewusstsein Einzug hält und dort festklebt. Ein Lied, das einen auf nervige Art glücklich macht. «Chumm bring en hei» von Baschi ist ein Beispiel dafür. Der Song schaffte ausserdem, was gute Turnier-Songs auch leisten müssen: Die Momente der Gemeinsamkeit, die Fussballspiele kreieren, musikalisch zu verstärken und zu bewahren.

Vielleicht wollte ja auch DJ Antoine diesen Effekt erzielen, als er im neuen Schweizer WM-Song dichtete: «Ich besauf mich auf Erden und wache auf dem Mond mit dir an der Seite auf.»

Die im Text erwähnten Songs:

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.05.2018, 13:01 Uhr

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