Delnon übernimmt Oper selbst

Theaterdirektor Georges Delnon hat noch keine fixen Nachfolger für Elias Perrig und Dietmar Schwarz benannt. Stattdessen will er die Oper interimistisch selber führen. Fürs Schauspiel hauptverantwortlich wird Chefdramaturg Martin Wigger.

Theaterdirektor Georges Delnon sucht weiter nach geeigneten Spartenleitern für Schauspiel und Oper.

Theaterdirektor Georges Delnon sucht weiter nach geeigneten Spartenleitern für Schauspiel und Oper. Bild: Henry Muchenberger

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Wenige Wochen vor Beginn der Spielzeit 2011/2012 lud der Direktor des Theaters Basel, Georges Delnon, zur Medienkonferenz: Es würden die Spartenleitungen des Schauspiels und der Oper bekanntgegeben werden, hiess es. Entgegen der Erwartungen benannte Delnon jedoch keine Verantwortlichen für die kommenden Jahre. Stattdessen überraschte er mit der Mitteilung, dass er selber für die Spielzeit 2012/2013 interimistisch als Leiter der Oper fungieren werde. In derselben Spielzeit soll Chefdramaturg Martin Wigger gemeinsam mit den Regisseuren Simon Solberg und Tomas Schweigen das Schauspiel leiten. Beide werden als Hausregisseure fest an das Theater Basel engagiert.

Über Erfahrung im Bereich der Oper verfügt Delnon genug: Vor seinem Engagement beim Theater Basel war er an verschiedenen nationalen und internationalen Opernhäusern als Regisseur tätig und inszenierte zahlreiche Aufführungen im Musiktheater und Schauspiel. Simon Solberg arbeitet bereits seit zwei Jahren kontinuierlich in Basel. Seine letzten Inszenierungen waren «Die Räuber» von Friedrich Schiller und «Graf Öderland» von Max Frisch. Tomas Schweigen ist in der Schweiz vor allem mit seiner eigenen Theatergruppe «Far A Day Cage» bekannt geworden – daneben inszeniert er regelmässig im deutschsprachigen Raum. Zwischen Tomas Schweigen und Martin Wigger bestehen feste Arbeitsbeziehungen.

Gesellschaftliche Rolle

Er habe diese «jungen Leute engagiert, weil sie einen anderen Blick haben» als er, so Delnon. «Ich spüre bei ihnen eine grosse Portion Energie und Lust.» Ihr Theater solle eine gesellschaftliche Rolle spielen, erklärte Simon Solberg, der für politisches Theater und seine Radikalität bekannt ist. Gemeinsam mit seinen Kollegen sehe er dieses Jahr als Chance: «Wir wollen die Krise auch zur Reflexion nutzen.»

Für die folgenden Spielzeiten bis 2016 will Delnon zu einem späteren, noch nicht genauer benannten Zeitpunkt eine Lösung präsentieren. Er erhofft sich bis dahin klarere Verhältnisse in Bezug auf die finanzielle Situation des Theaters Basel, dem bekanntlich das Geld an allen Ecken und Enden fehlt – was die Suche nach geeigneten Spartenleitern nicht erleichtert. «Man ist wie blockiert», sagte Delnon an der Medienkonferenz. Dass noch unklar ist, ob Delnon selbst seinen bis 2016 laufenden Vertrag verlängert, und er somit einen neuen Spartenleiter für (vorerst) nur drei Jahre sucht, dürfte noch erschwerend dazu kommen.

Unklare finanzielle Lage

Die Bekanntgabe der beiden Spartenleitungen war ursprünglich bereits auf diesen Frühling angesetzt, verzögerte sich aber nach dem Nein zu den Subventionserhöhungen aus dem Kanton Baselland. Der neuerliche Aufschub steht ebenfalls in Zusammenhang mit der noch unklaren finanziellen Situation des Theaters. «Ich konnte nicht sofort reagieren und sagen, es geht nun so und so weiter», erklärte Delnon. «Notfalls müssen wir gar wieder über Sparmassnahmen nachdenken.»

Im Februar hatte der Souverän des Kantons Baselland eine Erhöhung der kantonalen Theatersubventionen um 4,25 Millionen Franken pro Spielzeit abgelehnt. Inzwischen ist bekannt, dass Basel-Stadt mit zusätzlichen 1,5 Millionen Franken im Sinne einer Übergangslösung für die September beginnende Spielzeit in die Bresche springt und für die drei darauffolgenden Jahre einen zusätzlichen Strukturbeitrag von einer Million pro Jahr beantragt hat. Dieser muss allerdings vom Grossen Rat noch abgesegnet werden.

Letzte Spielzeit mit Perrig und Schwarz

Die beiden bisherigen Spartenleiter, Schauspielchef Elias Perrig und Opernchef Dietmar Schwarz, verlassen das Haus auf Ende der Mitte September beginnenden Spielzeit. Schwarz wie auch Perrig waren 2006 zusammen mit Delnon nach Basel gekommen. Während Perrig sich nun verstärkt seiner Tätigkeit als Regisseur widmen möchte, zieht es Schwarz nach Berlin, wo er als Intendant der Deutschen Oper agieren wird.

Perrig hat als Regisseur in Basel einige Erfolge erzielt. Trotzdem schaffte er es nicht, das Schauspiel am Theater Basel als Ganzes in der Liga zu positionieren, in der es noch in der Ära von Michael Schindhelm (bis 2006) und davor gespielt hatte. Nicht nur die Presseresonanz, sondern auch die Zuschauerzahlen am Basler Schauspiel blieben unter den Erwartungen.

In der Oper liegt der Fall anders: Unter Schwarz' Leitung erreichte das Basler Musiktheater eine markante Qualitätssteigerung, die auch in der internationalen Resonanz zum Ausdruck kam. So wurde das Theater Basel unter Schwarz zweimal von der Kritikerjury der Zeitschrift «Opernwelt» zum «Opernhaus des Jahres» gewählt. Auch in der Publikumsstatistik verzeichnet die Basler Oper unter den drei Sparten die höchste Quote. Delnon möchte diesen Erfolg weiterführen, wie er erläutert.

Petition für Nübling

In den letzten Wochen war in Form einer Online-Petition gefordert worden, dass Regisseur Sebastian Nübling zum neuen Schauspielchef am Theater Basel ernannt wird. Ins Leben gerufen hat die Petition die Schauspielerin Sandra Hüller. Sie ist an den Münchner Kammerspielen engagiert, hat ihre Karriere aber in Basel aufgebaut, unter anderem in Nüblings Inszenierungen. 172 Leute haben die Petition unterschrieben.

Für den Lörracher Nübling würde sprechen, dass er Basel bereits gut kennt: Er hat seine Karriere in den Neunziger Jahren am Theater Basel und dem Jungen Theater Basel begonnen. Er inszenierte auch in den Nullerjahren immer wieder Stücke für das Theater Basel, darunter das Ibsen-Stück «John Gabriel Borkman» oder das spartenübergreifende «Dido und Aeneas». Für diese beiden Stücke wurde Nübling zu den Berliner Theatertagen eingeladen. Mit der erneuten Verzögerung in der Frage der Spartenleitungen bleibt Nübling weiterhin eine Option, was die Initianten der Petition freuen dürfte. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.08.2011, 16:36 Uhr

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