Basler Theater mit «Stück des Jahres» geehrt

Die Fachzeitschrift «Theater heute» hält Simon Stones «Drei Schwestern» für die beste Aufführung in diesem Jahr. Auch zwei weitere Ehrungen gingen in die Schweiz.

Seine Inszenierung war die beste; Regisseur Simon Stone.

Seine Inszenierung war die beste; Regisseur Simon Stone. Bild: Nicole Pont

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Die Berliner Volksbühne ist zum «Theater des Jahres» gewählt worden. «Stück des Jahres» wurde Simon Stones radikale Tschechow-Überschreibung «Drei Schwestern» vom Theater Basel. «Inszenierung des Jahres» wurde «Five Easy Pieces» des Schweizers Milo Rau.

Raus Stück verhandelt das Leben und die Verbrechen des belgischen Kindermörders Marc Dutroux - nachgespielt von Kindern. Die bewegende Inszenierung wurde vom International Institute of Political Murder, Campo Gent und dem Kunstenfestival Brüssel verantwortet.

Auch der Titel «Kostüme des Jahres» hat engen Bezug zur Schweiz: Der deutsche Theatermacher Ersan Mondtag holte ihn sich für «Die Vernichtung» von Olga Bach, die er am Konzert Theater Bern zur Uraufführung brachte. Das «Bühnenbild des Jahres» ist Ulrich Rasches Entwurf für Schillers «Die Räuber» am Münchner Residenztheater. Zur «Schauspielerin des Jahres» wurde Valery Tscheplanowa gewählt. Sie spielte in Castorfs letzter grosser, siebenstündiger Volksbühnen-Inszenierung «Faust» die Margarete und die Helena. «Schauspieler des Jahres» ist Joachim Meyerhoff. Er erhält die Auszeichnung für seine Rolle in «Die Welt im Rücken» nach Thomas Melles gleichnamigem Borderline-Roman am Wiener Akademietheater.

Wo viel Licht ist, ist viel Schatten

Die Wahl der Berliner Volksbühne zum «Theater des Jahres» durch die Fachzeitschrift «Theater heute» ist auch eine Verneigung zum Abschied von Frank Castorf. Nach einem Vierteljahrhundert hat Castorf zum Ende der Spielzeit die Volksbühne verlassen, mit der er bereits im vergangenen Jahr (zusammen mit dem Berliner Gorki Theater) und im Jahr 1993 die begehrte, undotierte Auszeichnung holte. Castorfs Nachfolger ist der umstrittene belgische Museumsexperte Chris Dercon, dessen Start Anfang September die skeptische Theaterszene mit Spannung erwartet.

Das leitet nahtlos über zum Prädikat «Ärgernis des Jahres»: Über nichts habe man sich in Theaterkreisen in der Spielzeit 2016/17 begeisterter, wütender und wehmütiger erregt als über Castorfs Abschied, die Pläne des neuen Chefs Dercon und die Berliner Kulturpolitik. (amu/sda)

Erstellt: 31.08.2017, 13:44 Uhr

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