Zwingend und überfällig

Basel wartet schon viel zu lange auf eine Museumsstrategie.

Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann hat versprochen, die geforderte Strategie bis Ende Jahr vorzulegen.

Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann hat versprochen, die geforderte Strategie bis Ende Jahr vorzulegen. Bild: Pino Covino

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Die Kulturstadt Basel ist stolz auf ihre Museen, über drei Dutzend an der Zahl, einige wie das Kunstmuseum oder die Fondation Beyeler von Weltrang. Doch zurzeit herrscht grosse Unruhe in der Museumslandschaft. An verschiedensten Stellen brechen die bisherigen Strukturen auf und es müssen neue Lösungen gefunden werden.

Das Bundesamt für Kultur hat diesen Sommer entschieden, zwei Basler Museen die Mittel zu streichen und einem die Gelder zu kürzen. Damit stellt sich für das Schweizerische Architekturmuseum und das Schweizerische Sportmuseum die Existenzfrage, und auch das Haus der elektronischen Künste (HeK) sieht sich vor der grossen Herausforderung, mit dieser Kürzung seinen Leistungsauftrag noch erfüllen zu können. Soll Basel-Stadt diese Gelder kompensieren? Ganz? Teilweise? Gar nicht? Und woher nehmen?

Der Kanton Basel-Landschaft zahlt ab dem Jahr 2021 nur noch die Hälfte der bisherigen Kulturvertragspauschale an Basel-Stadt. Statt zehn Millionen Franken werden nur noch fünf Millionen Franken überwiesen. Wieder stellt sich die Frage, wie Basel-Stadt damit umgeht. Wiederum das Kulturbudget erhöhen? Oder Einsparungen vornehmen? Bei wem? Um wie viel?

Damit nicht genug. Spätestens seit der Eröffnung des Erweiterungsbaus des Kunstmuseums vor über einem Jahr wurde klar, dass dieses international renommierte Haus seinen Leistungsauftrag mit den bisherigen Mitteln unmöglich erfüllen kann. Der Museumsdirektor selbst spricht von einem Mehrbedarf von 2,5 Millionen Franken. Wie gross ist der Mehrbedarf tatsächlich? Und wiederum: Wer bezahlt diesen Mehrbedarf?

Riesige Herausforderungen

Es geht aber in unserer Basler Museumslandschaft nicht einzig um finanzielle Probleme, auch die räumliche Situation stellt uns vor riesige Herausforderungen. Mit dem geplanten Neubau des Naturhistorischen Museums im St. Johann setzt ein Domino-Effekt ein, dessen Folgewirkung vom Präsidialdepartement entweder übersehen oder deutlich unterschätzt wurde. So ist unklar, wofür der frei werdende Berri-Bau benutzt werden soll und kann. Ein Umzug des Antikenmuseums wurde zwar angedacht, wird aber vom zuständigen Direktor massiv hinterfragt. Der Heimatschutz stellt Forderungen, von denen in den Sternen steht, ob sie überhaupt erfüllbar sind.

Diese Fragen lassen sich nicht einzeln und nacheinander beantworten. Es braucht eine Gesamtschau mit einer übergeordneten Priorisierung. Gefordert ist eine Museumsstrategie, die zumindest für die staatlichen Museen die strategischen, operativen und finanziellen Fragen beantwortet.

Rückstellungen werden verunmöglicht

Immerhin gibt Basel gute 40 Prozent seines beachtlichen Kulturbudgets von 120 Millionen Franken für die Museen aus. Die Strategie muss klar darlegen, nach welchen Kriterien diese 48 Millionen verteilt werden und welche Ziele damit erreicht werden sollen. Idealerweise sollte die Museumsstrategie analog zum Orchesterkonzept nicht nur die fünf staatlichen Museen abdecken, sondern auch die förderungswürdigen privaten Institutionen – wie zum Beispiel die Fondation Beyeler – umfassen.

Auch für die räumliche Planung ist eine Gesamtschau zwingend, die einerseits den Bedürfnissen der Museen genügt, andererseits den finanziellen Rahmen nicht sprengt.

Zum Schluss eine dritte nicht zu vernachlässigende Dimension: die Governance. Das meint die Steuerung und Kontrolle der beteiligten Institutionen. Verschiedene Prozesse befriedigen nicht. So erschwert beispielsweise das heutige Bonus-Malus-System eine langfristige Planung der Museen, weil das Bilden von Rückstellungen in mehrjährigen Projekten praktisch verunmöglicht wird.

Jahrelang verschleppt

Die genannten Beispiele zeigen die Dringlichkeit einer Museumsstrategie deutlich. Die Forderung nach einer Gesamtschau ist keineswegs neu. Bereits 2009 hat die FDP in einem Vorstoss von Daniel Stolz einen «Masterplan Basler Museen» gefordert. Es ist unverständlich, dass die Regierung diesen Auftrag des Parlaments über acht Jahre verschleppt hat. Der dringende Handlungsbedarf zeigt sich auch daran, dass die Bildungs- und Kulturkommission bekannt gegeben hat, keine regierungsrätlichen Vorlagen zu den Museen mehr zu verabschieden, bis eine solche Gesamtperspektive vorliegt. Regierungspräsidentin Ackermann hat versprochen, die geforderte Strategie bis Ende Jahr vorzulegen. Es bleibt zu hoffen, dass nach dieser langen und für alle Beteiligten schwierigen Durststrecke endlich Klarheit kommt. Unsere Museen haben es verdient!

Martina Bernasconi und Stephan Mumenthaler sind Grossräte der FDP Basel-Stadt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 11.12.2017, 14:53 Uhr

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