Betrug macht Schule an Elite-Unis

Englische Top-Unis haben in den letzten drei Jahren einen starken Anstieg von Betrugsfällen registriert. Das hat zwei Gründe.

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In Oxford, Cambridge und 22 anderen Elite-Universitäten in Grossbritannien studieren die Besten ihres Fachs. Dabei verlassen sich die Studierenden aber nicht nur auf ihr Wissen, sondern verwenden immer öfter auch betrügerische Methoden. Das geht aus Zahlen hervor, die der britischen Tageszeitung «Guardian» vorliegen.

Demnach wurden im Schuljahr 2014/15 noch 2640 Betrugsfälle aufgedeckt, im Jahr 2016/17 waren es dann bereits 3721, eine Zunahme von rund 40 Prozent. In drei von fünf Fällen handelt es sich dabei um ein Plagiat, also gestohlene Arbeiten.

An einzelnen Unis, beispielsweise University of Leeds, hat sich die Zahl der Fälle mehr als verdoppelt. Einerseits liege das daran, dass auf den Studierenden viel Druck laste und sie betrügen, um besser durchs Semester zu kommen, zitiert der «Guardian» den englischen Experten Thomas Lancaster. Dazu kämen die Studierenden heute im Internet bequem an Websites, welche fixfertige Arbeiten anbieten. Diese Ghostwriter-Firmen, welche sogar Dissertationen verkaufen, seien ein zunehmendes Problem. Zumal sie den Studierenden ihre Dienste auch gezielt anpreisen, auf sozialen Medien, via Uni-Mail oder auf dem Campus mit Flyern – besonders in der stressigen Prüfungszeit.

Unis werden schlauer

Der zweite Grund für die Zunahme der aufgedeckten Fälle liegt aufseiten der Universitäten. Dort habe es Verbesserungen gegeben, sodass Betrugsversuche eher entdeckt würden als früher, sagt Experte Lancaster. Leider würden die Unis aber zu wenig unternehmen, um koordiniert gegen Plagiate und anderes Fehlverhalten vorzugehen.

Auch werde oft nicht genau erfasst, was für ein Betrug vorliege, sodass heute nur zwischen allgemeinem Fehlverhalten und Plagiaten unterschieden werden kann. Ein akademisches Fehlverhalten kann schon vorliegen, wenn in einer Arbeit benutzte Quellen und Literatur nicht angegeben werden.

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Die Unis machten auch zu wenig, um aktiv gegen die Betrüger vorzugehen und solche Fälle zu verhindern. Immerhin: Seit Anfang Jahr müssen die Anbieter von Ghostwriting-Websites die Studierenden darauf aufmerksam machen, dass ihnen an der Uni für die gekaufte Arbeit schwere Strafen drohen. Bisher hätten diese Anbieter offenbar nicht auf das Risiko solcher unlauterer Praktiken hingewiesen.

Kein einziger Plagiatsfall an der ETH

In der Schweiz sieht die Sache zumindest bei der ETH Zürich komplett anders aus. An der internationalen Top-Hochschule gab es in den letzten Jahren keinen einzigen Plagiatsfall, wie Medienbeauftragte Anna Maltsev sagt.

Die ETH lege viel Wert auf Prävention und vermittle den Studierenden korrektes ethisches Verhalten im Studium, erklärt Maltsev. Weil das wohl an jeder Uni gemacht wird, greift im Falle der Schweizer Top-Adresse eine Eigenheit der technischen Hochschule, welche möglichen Betrügern das Leben wesentlich erschwert: «Studienarbeiten in Naturwissenschaften und technischen Wissenschaften sind in der Regel mit Laborversuchen verbunden und stehen daher in einem engen Kontext mit der Forschungstätigkeit der betreuenden Professur», erklärt Maltsev.

Ausserdem finde während der Arbeit ein regelmässiger Austausch zwischen dem Studierenden und seiner Betreuungsperson statt. In den letzten Jahren wurde kein Plagiatsfall bei Abschlussarbeiten registriert.

Verschiedene Phänomene

Die ETH gebe sich dennoch nicht der Illusion hin, dass die Hochschule völlig von diesem Phänomen ausgenommen sei, stellt Maltsev klar. «Wir beobachten die Situation aufmerksam und handeln konsequent, sollten Plagiatsfälle aufgedeckt werden.»

Von sämtlichen Tricksereien ist aber auch die ETH nicht gefeit, denn akademisches Fehlverhalten beinhaltet viele verschiedene Phänomene, wie Maltsev sagt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.04.2018, 21:29 Uhr

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