Voll vegan mit Fleisch

Die Zürcher Filiale der Fast-Food-Kette Freshii ist ein Paradies für den Vegetarier. Aber auch der Fleischesser hat ein Lächeln im Gesicht.

Vegetarisches Essen dominiert: Mahlzeit in der kanadischen Kette Freshii. Foto: Facebook

Vegetarisches Essen dominiert: Mahlzeit in der kanadischen Kette Freshii. Foto: Facebook

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Bild auf dem Pendlerblatt könnte nicht saftiger sein. Und der Titel zum Bild ist auch gluschtig: «Premium-­Burger bei Fast-Food-Kette». Aber nein, der Vegetarier schreibt in seiner Mail – beide beschränken die realen Treffen inzwischen auf ein Minimum –: «Das wär was voll Veganes.»

So trifft man sich an der Militärstrasse vor dem Freshii, und während der Fleischkopf das Kasernengefängnis bewundert, frohlockt der Spinatjünger: Er habe gar nicht gewusst, dass es das gebe. Er meint das Lokal, nicht den Knast. Und er sei froh, dass er es nicht gewusst habe, raunzt der Fleischvogel zurück.

Kurz später haben sich die Verhältnisse in ihr Gegenteil verkehrt, der ­Vegetarier gibt sich nun schockiert: Es gebe hier ja Fleisch. Eine Erkenntnis, die dem Karnivoren ein versöhnliches Lächeln auf die Lippen zaubert.

Nicht gerade wie Hund und Katz

Dass er zu seiner mediterranen Salat-Bowl (13.30 Franken) aber Tofu (4 Franken) statt Poulet oder Rind bestellt, erstaunt den ­Antipoden dann doch. Dem wird mit Engelsgeduld erklärt: dass es Karnivoren genüge, wenn sie Fleisch bestellen können. Sie müssten es nicht essen – wahrlich eine grosszügige Haltung.

Etwas enger sehen das die Berner Polit-Veganer, die per Volks­initiative in öffentlichen Kantinen ein Menü ihrer Wahl serviert haben wollen. Eine Idee, die beim Vegetarier eigene Initiativ-Halluzinationen auslöst. Er träume von einer Initiative, nach der nur Samstags Fleisch verkauft werden dürfe, 250 Gramm pro Person. Sein Kontingent könne der Karnivore ihm dann für eine Stange Zigaretten abkaufen.

Der Fleischvogel kann ob so viel Missbrauchs des Volksrechts nur leer schlucken. Erfreut hört er aber die ­Bedenken des Salatkopfs zum Berner Vorstoss: Er befürchte, dass sein geliebter, mit Käse überbackener ­Vegi-Teller auf der Strecke bliebe.

Tja, Vegetarier und Veganer sind nicht gerade wie Hund und Katz, aber doch wie Sozialisten und Kommunisten – und Karnivoren der Fleisch gewordene Rechtsfreisinn.

Fast Food, der sich wie Slow Food anfühlt

Doch zurück zum Start. Drei Dinge kommen aus Kanada: der Sonnen-Zirkus, jede Menge Hockeyspieler und als neuester Exportschlager die Fre­shii-Fast-Food-Kette, in der die beiden ­sitzen und die exakt heute ihr Einjähriges feiert. Grüne Blechstühle, dunkler Steinboden – es wirkt wie in einem ausgeräumten Floristenladen. Die karge Möblierung gibt den Fast-Food-Touch, der sich dank fehlender Hektik aber wie Slow Food anfühlt. Irritierend registrieren beide, dass man gegen ­Bekanntgabe des Vornamens ­bestellt. Und als im Lokal die eigenen Namen dann fallen, fühlen sich beide wie Viertklässler in der Schulzahnklinik.

Nichtsdestoweniger: Zufrieden schlürft der Blumenkohl sein Asian-Vegetable-Süppchen mit Spinat, Mais, Soja, Reisnudeln und, und, und Tofu (15.90 Franken). «Fein, knackig und frisch». Ein Urteil, dem sich Fleischmann mangels besserer Adjektive für seinen Oliven-, Zwiebel-, Feta-, Tomaten-, Peperoni- und, und, und -Salat nur anschliessen kann. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.03.2014, 22:19 Uhr

In der Rubrik «A point» besucht der TA Restaurants, Beizen und Spelunken. Die Kritiker testen die Lokale anonym.

Das Restaurant

Freshii, Militärstrasse 14, 8004 Zürich, 043 538 51 28. Mo bis Mi von 11 bis 21 Uhr, Do und Fr von 11 bis 23 Uhr. www.freshii.com

Kommentare

Die Welt in Bildern

Bienenzüchter: Im spanischen Valencia protestieren Bienenzüchter für einen nachhaltigen und profitablen Sektor. Sie verlangen, dass die Etikettierung klar ist und beklagten den Preiszerfall. (11.Dezember 2018)
(Bild: Kai Foersterling/EPA) Mehr...