Das Geschäft mit der Liebe im Netz

Hunderte von Anbietern buhlen in der Schweiz um einsame Herzen. Derzeit im Trend liegen Börsen für das unverbindliche Abenteuer. Doch für gute Nischenangebote ist immer noch Platz.

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Herzen, wohin man schaut — am Valentinstag wird Singles besonders bewusst, dass sie alleine sind. 1,5 Millionen Menschen in der Schweiz zwischen 18 und 69 Jahren sind gemäss einer Studie der Partnerbörse Parship solo. Wer auf der Suche ist, hat die Qual unter Hunderten Partnerbörsen.

Musik fürs Herz

Seit Februar können sich beispielsweise Musikliebhaber auf www.konzertliebe.ch anmelden. Die in Bern lebende Deutsche Eva Pauline Bossow platziert Frauen und Männer, die vom Alter her zusammenpassen, bei Konzerten in der Tonhalle oder im Kaufleuten in Zürich nebeneinander. Unbemerkt von den anderen Besuchern treffen die Teilnehmer zum ersten Mal aufeinander. Anschliessend haben sie die Gelegenheit, die weiteren Konzertliebe-Gäste bei einem Apéro kennen zu lernen.

Auf die charmante Idee, Musikfreunde zusammenzubringen, kam Bossow, die früher für das Berner Symphonieorchester die Pressearbeit machte, über eine Studie. Die ergab, dass Klassik- und Jazzkonzerte vielfach von Alleinstehenden besucht werden. Obwohl bereits viele Anbieter um die Gunst von Schweizer Singles buhlen, sieht die 29-jährige Betriebswirtin und Kommunikationsfachfrau für ihre Idee viel Potenzial: «Auf den ersten Blick scheint es für Singles viele Angebote zu geben, doch bei näherem Hinsehen fehlt es an Möglichkeiten für eine anspruchsvolle Zielgruppe.»

Einloggen und suchen

Tatsächlich hebt sich Bossow von den anderen zahlreichen Anbietern ab, die im Grundprinzip nach dem Motto funktionieren: einloggen, online suchen und natürlich zahlen. Vor allem zwei Segmente dominieren hierzulande: Onlinepartnerbörsen wie Elitepartner, Parship oder das Tamedia-Portal Swiss Friends, die zur Suche nach Mr. und Ms. Right genutzt werden. In diesem Bereich ist die Plattform Parship führend. In letzter Zeit mischen auch Anbieter wie Badoo den lukrativen Markt auf, der sich 2011 auf einen Umsatz von 33,2 Millionen Franken belief. Für 2012 gehen Insider von 36 Millionen aus. User von Badoo können sich über Facebook anmelden und übers Internet oder über Smartphone-Apps sehen, ob gerade attraktive Mitglieder in der Nähe sind. Erst wer Zusatzfunktionen möchte, zahlt. Vor allem bei der Altersgruppe 18 bis 30 sind diese Kontaktmarktplätze beliebt.

Bei den Grossen der Branche betrachtet man Badoo und Co. gelassen. «Das ist keine Konkurrenz», meint Stella Zeco, die für Parship die Pressearbeit verantwortet. Ein wissenschaftlich fundierter Persönlichkeitstest, die Zusicherung von Privatsphäre, geprüfte Fotos und Texteinträge sowie Filter, die Profile nach Auffälligkeiten scannen, seien Leistungen, die Datingagenturen in der Regel nicht böten. «Wer zu Parship kommt, ist auf der Suche nach einer seriösen, langfristigen Partnerschaft», so Zeco. Auch dadurch unterscheide man sich von Anbietern wie Badoo.

Abenteuer sind gefragt

Beäugen dürften vermutlich die etablierten Onlinepartnerbörsen Plattformen wie C-Date. Seitdem das Portal für unverbindliche Abenteuer 2008 in der Schweiz startete, haben sich nach firmeneigenen Angaben bereits 535'000 Mitglieder registriert. «C-Date verzeichnete 2012 dreistellige Wachstumsraten», sagt Ferris Bühler, der für die Plattform die Kommunikationsarbeit macht. Vor allem wenn es kalt werde und an Tagen wie Valentinstag, dann würden die Registrierungen nach oben schnellen.

«Es scheint, dass die direkte Ansprache zum Gelegenheitssex gut ankommt, denn Casual-Dating-Anbieter machen sehr gute Umsätze», sagt Daniel Baltzer vom unabhängigen Dienstleister www.singlebörsen-vergleich.ch. Interessanterweise würden sich gerade Frauen davon angesprochen fühlen.

Chancen für Nischenanbieter

Es scheint, dass der Markt gesättigt ist. Doch Baltzer sieht durchaus Chancen für Nischenanbieter: «In der Schweiz fehlen gute Angebote für Leute ab 60 und für Leute, die im Schichtdienst arbeiten.» Die Konzertliebe-Idee von Eva Pauline Bossow bewertet er ebenfalls positiv. «Wer eine Nische seriös und gut bedient, wird sicherlich sein Einkommen haben», so Baltzer.

Bossow denkt schon über weitere Veranstaltungen nach. Dem letzten Termin der ersten Konzertliebe-Staffel am 22.Februar sieht sie gespannt entgegen. «Bei der Premiere hatten wir Teilnehmer von 21 bis 76 Jahren. Die Stimmung war bestens.» Nummern seien ausgetauscht und Nachrichten über sie weitergegeben worden. Gut möglich, dass es auch dank ihrer Konzertliebe nächsten Valentinstag einige Singles weniger gibt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.02.2013, 08:12 Uhr

Eva Pauline Bossow bringt Singles über die Musik zusammen. (Bild: zvg)

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