Das Narrenschiff

Beim Zürich Gay Pride Festival protestieren die LGBT gegen Diskriminierung – und übersehen dabei das wahre Problem.

Am Zurich Pride Festival darf sich jeder nach seinem Geschmack präsentieren.

Am Zurich Pride Festival darf sich jeder nach seinem Geschmack präsentieren. Bild: Keystone

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Unter dem Motto «Gleichstellung ohne Grenzen» fand eben in Zürich das Zurich Pride Festival statt. Es ging wie in den Jahren zuvor gegen die ­Diskriminierung von Lesben, Schwulen, ­Bisexuellen und Transsexuellen, kurz LGBT genannt. Es «tobt ein Kulturkampf um die LGBTs», schrieben die Veranstalter, «homo- und transphobe Strömungen bündeln ihre Kräfte, um den LGBTs zu schaden. In der Schweiz, in Europa, weltweit». Der Event wurde mit einem Umzug durch die Stadt abgeschlossen. An der Spitze ­marschierten etliche Botschafter aus westlichen Ländern und Politiker nutzten die Gelegenheit, um einen wohlfeilen Medienauftritt zu ergattern und sich als Kämpfer gegen Diskriminierung zu profilieren.

Die dramatischen Ansagen passten in keiner Weise zum näheren und weiteren Geschehen rund um den Umzug. Die Passanten schauten kurz auf die Demonstrierenden, die einen versuchten belustigt herauszufinden, wer Mann und wer Frau war, andere wunderten sich, warum wohl die Street Parade in diesem Jahr so früh stattfand. Die meisten hätten nicht einmal gewusst, was LGBT bedeutet, es interessierte sie nicht, sie hassten weder Schwule noch störten sie Männer in ­Frauenkleidern.

Wahrscheinlich gab es noch nie eine Zeit, in der die Menschen freier waren als in der heutigen westlichen Welt. Jeder kann leben, wie es ihm gefällt. Trotzdem behaupten die LGBT-Aktivisten, unterstützt vom rot-grünen Mainstream, die Idee eines biologisch determinierten Geschlechts ­verletze die Menschenrechte der sexuell anders gelagerten Minderheiten. Sie befürworten eine Auflösung der traditionellen Familie und ­plädieren für die Existenz einer Vielzahl flirrender Genderidentitäten. Lösten sie aber nur für einen Moment den Blick vom eigenen Bauchnabel, ­würden sie die wirklichen Bedrohungen sehen: Europa produziert zu wenig Kinder, es vergreist, und die Millionen Zuwanderer aus den Armenhäuslerregionen, welche die fehlenden Arbeitskräfte ersetzen, bringen robuste Vorstellungen von Familie und Mann und Frau mit. Conchita Wurst ist für sie keine Option. Der bunte LGBT-­Umzug gleicht einem Narrenschiff, das Sinnbild einer frivolen, absteigenden Kultur. (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.06.2015, 14:42 Uhr

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