Der Mensch und das Fleisch

Eine kleine Hommage an die Evolution der Carnivoren: Warum wir nicht wären, was wir sind, wenn wir nicht tote Tiere essen würden.

Fleischeslust: Was wäre der Mensch, hätte er das Fleisch nicht als Nahrungsquelle entdeckt?

Fleischeslust: Was wäre der Mensch, hätte er das Fleisch nicht als Nahrungsquelle entdeckt? Bild: Keystone

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Die Geschichte des Menschen ist eine des Fleisches. Was war der Mensch denn ohne Fleisch, damals vor drei Millionen Jahren? Gerade erst hatte er, der frühe Australopithecus, gelernt, längere Zeit aufrecht zu gehen, ohne hinzufallen auf den Boden der Savannen des südlichen Afrikas. Von Sonnenauf- bis -untergang war er am Essen: Früchte, Wurzeln, Nüsse. Hin und wieder stieg er wieder auf einen Baum, klaubte ein Vogelei aus einem Nest. Das war der Mensch damals, ein wackliger Vegetarier, ständig hungrig, müde auch, zu kraftlos oft, um sich ­üppig fortzupflanzen.

Hin und wieder fand er Reste eines von Grosskatzen getöteten, nur halb gefressenen Tieres. So ein angeknabbertes Tier war Festmahl und Sättigung und nebenbei auch Eiweissschub. Mit vollem Bauch liess er sich im Schutze von Bäumen nieder, konnte den Himmel anschauen, den Faustkeil erfinden und sich tatkräftig der Vergrösserung der Sippe widmen. Die Entdeckung des Fleisches war auch das Finden von Mussestunden. Etwas über anderthalb Millionen Jahre ist das her, als der Mensch seine dauerhafte Liaison mit dem Fleisch einging.

Hochgefressen zum Homo erectus

Nicht alle. Der Paranthropus weigerte sich, aus welchen Gründen auch immer, Allesfresser zu sein. Dass er wie heute die modernen Veganer die Welt retten wollte, kann man ausschliessen. Er war wohl von seiner Intelligenz her nicht in der Lage, Fleisch als Nahrungsmittel für sich zu entdecken, was sich dann im grossen «Surviving of the fittest» da draussen als schwerwiegender Fehler entpuppte. Während der Australopithecus prächtig gedieh und das Menschsein vorantrieb, verwelkte der Paranthropus allmählich, bis er vor 1,2 Millionen Jahren ganz von der Bildfläche verschwand.

Die damalige fleischverzehrende Bevölkerung hatte sich inzwischen zum Homo erectus hochgefressen. Ungefähr als der letzte Paranthropus ins Gras biss, briet der Erectus mittlerweile Fleisch von selbst erlegten Tieren über dem Feuer. Der Mann besorgte das Fleisch und brutzelte es, die Frau sorgte für die Zutaten. Diese Rollenverteilung erwies sich als so vorteilhaft, dass sie auch heute, 1,5 Millionen Jahre später, bei Grillfesten wie selbstverständlich eingenommen wird. Dann, vom Fleisch gesättigt und mit Saft in den Kochen, befeuert vielleicht auch von ein paar vergorenen Beeren, im Schein des Lagerfeuers, fing er an, Sprache zu entwickeln, Sinnlichkeit, Liebes- und Nutzverbindungen, raffiniertere Werkzeuge zu erfinden, die Gruppe zu organisieren und sich noch mehr und vor allem auch variantenreicher um die Fortpflanzung zu kümmern. Es war, laut dem Film «Am Anfang war das Feuer», auch die Phase eines folgenschweren Stellungswechsels; vom «doggy-style», also ohne Augenkontakt, zur Missionarsstellung.

Veganer-Sackgasse

Das alles lag am Fleisch, jenem, das die Menschen assen, und jenem, das sie sich durch das Fleischessen aneigneten. Es waren Zeiten der ungetrübten Fleischeslust, und der frühe Mensch gedieh prächtig. Die Eiweissverbindungen des Fleisches förderten das Wachstum seines Hirnes, was wiederum einen Quantensprung für seine kognitiven Fähigkeiten bedeutete. Die Entdeckung des Fleisches beschleunigte die Evolution des Menschen um den Faktor zehn. Hätten wir kein Fleisch gegessen, sässen wir wohl immer noch im Irgendwo des südlichen Afrikas und würden uns abends nur lausen.

Natürlich leben wir heute in andern Welten, aber doch kann man behaupten, dass sich eine rein pflanzliche Ernährung für den Menschen evolutionsgeschichtlich nicht ausbezahlt hat und eine Sackgasse ist. Und, so ist das, die Evolution hat immer recht. Natürlich könnten jetzt Veganer einwenden, dass heutzutage Veganismus eine neue Linie der Evolution sei. Aber die Evolution macht so was nicht. Täte sie es, gäbs heute ja auch wieder Dinosaurier. Dass Mensch und Fleisch untrennbar miteinander verbunden sind, zeigt sich auch darin, dass in der Schweiz nur etwa 20'000 Veganer leben. Sie tun zwar so, als ob sie ganz viele wären, aber das stimmt nicht. Es lohnt auch nicht, sich über sie aufzuregen, über die Volksinitiativen, die sie lancieren, ihre moralische Überheblichkeit und ihren missionarischen Eifer. Sie werden, so wie der Paranthropus, eines Tages einfach von der Bildfläche verschwunden sein, gefressen von der Evolution. Und nie werden sie erfahren haben, was das für ein sinnlicher Genuss ist, der erste Biss in ein blutiges Rinderfilet, diese Zartheit. Und dieses Gefühl danach. (Basler Zeitung)

Erstellt: 25.04.2014, 10:49 Uhr

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