Die Farbe der Macht

Violett ist mehr als ein neuer Modegag: Sie war einst die kostbarste Farbe überhaupt, stand für die Macht der Monarchen, die Demut der Geistlichen – und das wird auch im Wahlkampf genutzt.

Brombeer im amerikanischen Wahlkampf: Sarah Palin setzt auf ein Violett mit Rotstich. Danmit signalisiert sie nicht nur ihren Machtanspruch, sondern auch Demut.

Brombeer im amerikanischen Wahlkampf: Sarah Palin setzt auf ein Violett mit Rotstich. Danmit signalisiert sie nicht nur ihren Machtanspruch, sondern auch Demut. Bild: Keystone

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Pflaume oder Brombeer heisst sie derzeit in den Modemagazinen: Die Mischfarbe Violett in ihren Nuancen zwischen einem Blau mit Rotstich und einem Rot mit Blaustich. Egal in welcher Ausprägung: Die Farbe ist in dieser Saison omnipräsent. Dabei ist Violett mehr als eine Modefarbe: Sie hat eine faszinierende Geschichte und verborgene Symbolik.

Violett in der Geschichte

Von der Antike bis ins ausgehende Mittelalter war Violett die Farbe der Macht. Nein, es war nicht Rot. Aber dazu später. Violett war damals die kostbarste Farbe überhaupt. Für einen Gramm Farbstoff wurden rund 8000 Purpurschnecken benötigt – und das reichte gerade mal zum Färben eines kleinen Taschentuches. Die aufwändige Gewinnung machte Purpur, wie Violett einst genannt wurde, zum Statussymbol.

Bei den Römern war es nur Kaisern und ihren Thronfolgern erlaubt, Purpur zu tragen. Die ägyptische Königin Kleopatra rüstete ihr Schiff mit einem violetten Segel aus – wohl zum Trotz. Und im Mittelalter hatten die byzantinischen Kaiser ein Monopol auf die Herstellung von Purpur – folglich wurde die Farbe noch begehrter, als sie ohnehin schon war.

Nachdem man Violett ab Mitte des 15. Jahrhunderts auch durch Mischen herstellen konnte, wurde das rote Pigment der Schildläuse zum prestigeträchtigsten Farbstoff – Violett verlor an Bedeutung, und die Macht und der Purpur wurden rot. Heute zeugt nur noch die englische Bezeichnung «Purple» von der schillernden Vergangenheit der Farbe Violett.

Violett im Wahlkampf

Auf das kollektive Unterbewusstsein wirkt die Mischfarbe aber wahrscheinlich noch immer. In den 70er-Jahren symbolisierte sie das Empowerment der Frauen – und wurde damit zur Leitfarbe des Feminismus. Und wenn heute Frauen wie Sarah Palin in Violett auftreten, so ist das weniger ein Modediktat, sondern eher Berechnung.

Damit signalisiert Palin nicht nur ihren Machtanspruch, sondern auch Demut. Dies scheint nur auf den ersten Blick widersprüchlich, denn in der christlichen Symbolik ist Violett auch die Farbe der Busse und Besinnung. Wie es so weit kam, darüber wird gerätselt. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Kirche eine Begründung suchte, warum auch Kardinäle Purpur trugen – und seine Kostbarkeit wäre für die Bescheidenheit predigende Kirche ein schlechtes Argument gewesen.

Bei der Umdeutung half die Tatsache, dass Violett eine Mischfarbe ist und so Raum für Interpretationen lässt: rot und blau, warm und kalt, aggressiv und beruhigend – oder eben mächtig und demütig. Mit solch gegensätzlichen Botschaften punktet man laut Umberto Eco garantiert. Der italienische Zeichentheoretiker geht davon aus, dass Texte, Bilder oder eben auch Personen, die einen grossen Interpretationsraum bieten, erfolgreicher sind, da sie eine grössere Zielgruppe erreichen – und im Wahlkampf zählt letztlich jede Stimme.

Violett auf dem Teller

Den Vorteil Violett kann natürlich auch die Frau auf der Strasse nutzen. Wer aber kein Heer an Stilberatern und kein 150'000-Dollar-Budget zur Verfügung hat, muss Vorsicht walten lassen. Modebewusste mit kleinem Geldbeutel beschränken sich am besten auf Accessoires, denn der Hype könnte bald schon wieder vorbei sein. Zudem ist das Violett der Frauenbewegung unbedingt zu vermeiden: Es ist vorbelastet und wirkt ältlich – mit ein Grund, warum heute in den Modezeitschriften eher von Beeren und Früchten als von der Farbe Violett geredet wird. Brombeer zum Beispiel kippt fast ins Rote und ist auch nicht mit Weiss abgemischt. Damit wirkt es direkter, reiner und frischer.

Übrigens: Violett beschränkt sich nicht nur auf die Kleidermode. Auch viele Einrichtungsgegenstände kommen neu in der symbolträchtigen Mischfarbe daher. Und selbst vor dem Teller macht der Trend nicht halt: So erfreut sich Purple Haze, ein Rüebli mit dunkelviolett gefärbter Aussenhaut, zunehmender Beliebtheit – und auch bei Pro Specie Rara testet man derzeit diverse violette Gemüse. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.10.2008, 10:39 Uhr

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