En Vogue: Extrawurst

Übersensible, dauerempörte linke Studenten fordern immer häufiger Spezialbehandlungen. Diese Narzissten sind die Politiker der Zukunft.

Die Studis von heute sind vermutlich die Politiker und Behördenvorsteher von morgen – und werden dann Meinungen, die nicht in ihre Weltsicht passen, diskreditieren.

Die Studis von heute sind vermutlich die Politiker und Behördenvorsteher von morgen – und werden dann Meinungen, die nicht in ihre Weltsicht passen, diskreditieren. Bild: Reuters

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Bitte lehnen Sie sich zurück und lassen Sie wenn nötig auch ein Schmunzeln zu – aus der Reihe «Absurditäten: Generation Schneeflocke» haben wir wieder einmal ein paar Blüten herausgefiltert.

Gemäss dem ehemaligen Oxford-Absolventen und Historiker Dominic Sandbrook wenden übersensible Studenten heute eine neue Praktik an, um sich vor den schlimmen Dingen dieser Welt zu schützen: Sie verlangen nach Spezialbehandlungen. Zu den skurrilsten Beispielen zählt eine ehemalige Jusstudentin. Sie verklagte die Oxford-Universität wegen «Verlust von Einkommen», weil die Universität ihr trotz ihrer «chronischen Angst» eine Spezialbehandlung verweigerte – die junge Dame wollte die Prüfung mit Laptop in einem privaten Raum ablegen. Das habe sie zu einer Ausbildungspause genötigt und führte zum Verlust eines Jahreseinkommens.

Tunesischer Reis ist böse

Weil sie an «Angst und Depression» leide und «eine langsame Leserin» sei, wünschte eine Ex-Studentin des Balliol College in Oxford verlängerte Deadlines. Studenten des Pembroke College in Cambridge forderten eine Umstellung des Mensa-Menüplans, da Gerichte wie «Jamaican Stew» oder «Tunisian Rice» «rassistische Mikroaggressionen» seien. In Oxford störten sich Studenten an der Statue des ehemaligen Politikers und Oxford-Mäzens Cecil Rhodes und wollten sie herunterreissen. Dass sie, wie Sandbrook in der Daily Mail schreibt, hoch über einer Strasse stand, wo sie kaum jemand sehen konnte und ihre Präsenz für Bewohner von Oxford keinen Unterschied machte, war den aufgebrachten Aktivisten egal.

Aus den USA kommt dieser laut Sandbrook «sehr giftige Narzissmus» bekannterweise her, konkret aus universitären linksliberalen Kreisen. Kein Wunder also, sind sie dort empörungsmässig weiter geschult als in Europa: Weil Bücher wie «The Great Gatsby» oder «The Merchant of Venice» «anstössig und beleidigend» seien, forderten Studenten dafür Warnhinweise. In Yale veranstalteten Hochschüler 2015 eine Hexenjagd auf einen Professor, weil er ihre «verletzten Gefühle» angesichts der «beleidigenden Halloween-Kostüme» nicht ernst genommen habe. Als er seine Sicht erklären wollte, kreischte eine Studentin unter Tränen: «Warum zum Teufel hast du diese Stelle angenommen? Du bist abscheulich!» Es ginge nicht um eine intellektuelle Umgebung auf dem Campus. «Es geht darum, hier ein Zuhause zu schaffen!» Und: «Wir sterben hier!»

Alle Vorzüge der Welt auf ihrer Seite

Eigentlich könnte man diese übersensitiven Kinder einfach belächeln, die die Welt nur noch in Beziehung zu sich selber sehen, an ihren Elite-Unis alle Vorzüge der Welt auf ihrer Seite haben und dennoch in selbstmitleidiger Empörung schwelgen – und die Polizei rufen wollen, wenn sie sich beleidigt sehen (kein Scherz). Die zu privilegientrunken sind, um zu merken, dass es gerade umgekehrt ist, und sie ihre Mitmenschen mobben.

Nur, die Studis von heute sind vermutlich die Politiker und Behördenvorsteher von morgen (nicht die CEOs, dafür sind sie wohl nicht leistungsfähig genug). Und werden dann Meinungen, die nicht in ihre Weltsicht passen, diskreditieren. Werden an jeder Ecke Diskriminierung ausmachen, Rassismus, Sexismus auch. Und deshalb Safe Spaces so gross wie Kirchen bauen. Sie werden Leute einstellen aufgrund von Quoten und nicht Leistung. Sie werden das Opfersystem pflegen und weiterentwickeln. Sie werden es als Sieg der sozialen Gerechtigkeit über eine böse, patriarchalisch geprägte Gesellschaft zelebrieren. Schmunzeln Sie noch immer? (Basler Zeitung)

Erstellt: 31.08.2017, 11:44 Uhr

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