«Färb' dir die Haare, oder wir rasieren sie ab»

Model Jazz Egger verrät auf Instagram die weniger schönen Seiten des Modelbusiness.

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Das Showbusiness ist tough und unfair. Aufstrebende Models werden wegen der letzten Kurven, die ihnen noch bleiben, kritisiert und für Aufträge gilt nicht selten die Anzahl Follower auf Instagram als Leistungsnachweis. Dass da manchmal nachgeholfen wird, sei es digital oder medizinisch, ist zum Normalfall geworden.

In letzter Zeit hat sich jedoch eine Gegenbewegung formiert. Stars stehen nun offen und öffentlich zu ihren Stirnstraffungen, Lippenfüllungen und Photoshop-Hilfen. Influencer auf Instagram zeigen, wie es bei ihnen hinter den Kulissen abläuft, mit welchen Tricks sie ihre Beine schlanker, Bäuche dünner und Lippen voller erscheinen lassen.

Auch dank Jazz Egger: Die 19-jährige Österreicherin, die 2013 am Elite Model Contest teilgenommen hat und zwei Jahre später in die Auswahl der letzten 25 Kandidatinnen von «Germany’s Next Top Model» vordrang, hat letzten Herbst für einen kleinen Skandal in der Modewelt gesorgt. Auf Instagram hat sie die Bildlegenden einiger ihrer Fotos im Nachhinein mit dem Hashtag #truthbehindthisshot (Wahrheit hinter diesem Bild) ergänzt und darin über ihre Erlebnisse im Modelbusiness, über die kleinen Tricks hinter den Bildern und sonstige unrühmliche Geheimnisse aus der Branche ausgepackt. Abgeschminkte Wahrheit halt.

Abrechnung mit dem Model-Business

Jazz, die eigentlich Jessica heisst und mittlerweile in London wohnt, schreibt über ihre schiefen Zähne, die gephotoshopt werden, über Aufnahmen in Schwarzweiss, um ihren Sonnenbrand zu kaschieren, und darüber, dass sie zwei Stunden für ihr Make-up gebraucht hat, nur um ein Selfie zu schiessen. Sie schreibt aber auch darüber, dass ihre Agentur ihr dazu riet, abzunehmen, um an der London Fashion Week laufen zu können. Sie selbst fand sich jedoch zu dünn und verzichtete darauf. Eingeladen wurde sie trotzdem.

Einmal, als sie schwarz gefärbte Haare hatte, wurde ihr von der Agentur angedroht, dass ihre Haare rasiert würden, falls sie nicht zu ihrer natürlichen Farbe zurückkehre. Dieser Versuch misslang ihr, denn statt ihrer natürlichen Farbe hatte sie plötzlich rote Haare. Daraufhin wurde ihr von der Agentur der Vertrag gekündigt. Oder als ihr Agent ihr erklärte, sie müsse häufiger aktiv auf Instagram Bilder veröffentlichen, da sie sonst nicht mehr gebucht würde. Die Anzahl an Followern, um relevant zu bleiben, sei mittlerweile bei einer Million. Sie lachte nur und schrieb das Geschehene in die Bildlegende. Trotz, oder gerade dank ihrer Frech- und Offenheit wird Jazz Egger immer noch und wieder gebucht.

Ehrlichkeit ist Trumpf

Dass chirurgische Eingriffe heute fast zur Normalität geworden sind, bestätigte auch Katrin Dreissigacker, Fachärztin für plastische und ästhetische Chirurgie, gegenüber «20 Minuten Friday». Erstaunlich ist dies ja nicht, sieht man die starren Gesichter von Nicole Kidman bis Donatella Versace oder die bestätigt oder vermutlich vergrösserten Brüste oder Hintern von Anja Zeidler bis Kim Kardashian. Auch Männer lassen sich nachhelfen. Mickey Rourke ist das wohl bekannteste Beispiel und für «X-Factor»-Juror Simon Cowell ist «Botox nicht ungewöhnlicher als Zahnpasta».

Erstaunlicher ist jedoch, wie offen einige Stars darüber reden und zugeben, dass bei ihnen nicht mehr alles ganz natürlich ist. Model Chrissy Teigen, Ehefrau des Sängers John Legend, wurde bei einem Medienevent zur Lancierung ihrer Kosmetiklinie auf ihre «wunderschönen, runden Wangen» angesprochen. «Die sind echt», meinte sie. «Alles an mir ist fake, ausser die Wangen», und tippte anschliessend auf ihre Stirn, ihre Lippen und die Nase. Dies stellte sich zwar im Nachhinein als missverstandener Scherz heraus, so kommunizierte Teigen es jedenfalls auf Twitter, doch die Fettabsaugung an den Achselhöhlen («Damit meine Arme 5 Zentimeter länger erscheinen»), bestätigte sie. Kylie Jenner gibt zumindest zu, dass ihre Lippen gespritzt worden sind und Nicole Kidman hat dem Botox abgeschworen und ist mittlerweile froh, dass sie ihre Stirn wieder bewegen kann.

Böse Zungen würden behaupten, dass die Insiderberichte aus der Modebranche einer Jazz Egger oder die Schönheits-OP-Geständnisse anderer Prominenter als Marketing-Coup fungieren, um im Gespräch zu bleiben, falls es einmal weniger rund läuft. Mutig ist es jedoch trotz allem, zu seinen Eingriffen zu stehen und die zweifelhaften Mechanismen der Industrie blosszustellen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.05.2017, 10:31 Uhr

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