Finger weg von meinen Brüsten!

SP-Nationalrätin Yvonne Feri glaubt, dass Frauen augenblicklich abstillen, wenn sie Werbung für Babymilchpulver sehen. Sie will diese Werbung einschränken. Das ist eine Beleidigung für alle Mütter.

Da freut sich Yvonne Feri sicher: Diese beiden Mütter wissen offenbar nicht, dass es auch künstliche Babymilch gibt.

Da freut sich Yvonne Feri sicher: Diese beiden Mütter wissen offenbar nicht, dass es auch künstliche Babymilch gibt.

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Yvonne Feri macht sich Sorgen. Um Kinder, Brüste und Muttermilch. Konkret befürchtet die SP-Nationalrätin, dass Schweizer Mütter wegen zu viel Milchpulver-Werbung ihren Kindern grundlos und übereilt die Muttermilch entziehen könnten. Und sie hat, wie Politiker dies tun, ihre Sorge ins Parlament getragen. In einem Vorstoss fordert die Aargauerin eine Einschränkung für Werbung, die Pulvermilch als Folgenahrung anpreist. Um zu verhindern, dass Mütter ihren Kindern früher den Hahn zudrehen, als für die Kleinen gesundheitlich sinnvoll wäre.

Feri beruft sich dabei auf die World Health Organisation (WHO), laut welcher Neugeborene während der ersten sechs Monate ausschliesslich gestillt werden und später neben der festen Nahrung weiterhin Muttermilch erhalten sollten. Denn das Trinken aus der Brust soll Krankheiten abwehren und Allergien verhindern.

Mit ihrer Forderung verhält sich Frau Feri gleich in zweifacher Hinsicht frauenfeindlich. Erstens geht es keine Nationalrätin und keinen Nationalrat etwas an, was Frauen mit ihren Brüsten tun. Der Busen ist Privatsache – auch oder gerade während der Zeit, in der er nicht in einem Push-up, sondern einem Still-BH steckt. Es ist alleine die Entscheidung einer Mutter, ob und wie lange sie stillen möchte. Das hat die angeblich besorgte Fremde an der Supermarktkasse genauso wenig zu kümmern wie die Politik. Letztere hat zudem, so hoffe ich, sogar im Wohlstandsland Schweiz Besseres zu tun. Auch die vermeintliche Volksgesundheit der kommenden Generation ist keine Rechtfertigung, an unseren BH-Verschlüssen herumzufingern.

Viermal täglich im Büro eine Milchpumpe anzusetzen, das fasst nur eine Frau ins Auge, die es nie probiert hat.

Zum Zweiten stellt die Nationalrätin mit ihrem Begehren Frauen als naiv und leicht zu beeinflussen dar. Als ob ich beim Anblick der ersten Milchpulver-Werbung im TV meinen Sohn von der Brust nehmen und ihm stattdessen einen Schoppen anbieten würde. Zugegeben, beim Waschmittel oder der Haarkur habe ich auch schon einmal nach dem meistbeworbenen Produkt gegriffen. Aber selbst stillende Frauen haben einen gesunden Menschenverstand. Sie können unterscheiden zwischen dem Stellenwert eines Conditioners und jenem der Ernährung ihrer Kinder.

Die meisten Frauen in der Schweiz stillen ab, weil sie 14 Wochen nach der Geburt bereits wieder in den Job zurückkehren müssen. Und viermal täglich im Büro eine Milchpumpe anzusetzen, das fasst nur eine ins Auge, die es nie probiert hat. Auch für mich war die Rückkehr ins Arbeitsleben nach einer sechsmonatigen Babypause der Hauptgrund, schliesslich komplett abzustillen. Andere Frauen haben Schmerzen beim Stillen, zu wenig Milch oder schlicht keine Lust dazu.

Ich wage zu behaupten, dass hingegen noch nie eine Mutter ihr Kind abgestillt hat, nur weil die Babys in der Nestlé-Werbung so glücklich aussahen. Zu behaupten, dass dies eine Gefahr darstellt, ist des Nationalrats unwürdig und für alle Mütter eine Beleidigung. (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.09.2017, 14:27 Uhr

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