Grabsteine mit Flachbildschirm liegen im Trend

Graue Grabsteine und braune Särge – so langweilig wars früher auf dem Friedhof. Heute wird die Beerdigung zum Lifestyle-Event.

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Die Schweiz mischt vorne mit im Geschäft mit dem stilvollen Tod. Die Firma Urne.ch, die dieses Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum feiert, wurde mit ihren «Cosmicball»-Urnen für den internationalen Funeralaward nominiert. Das ist der Oskar der Bestattungsbranche, er zeichnet besonders innovative Projekte im Bestattungswesen aus. Gemäss Urne.ch richten sich ihre «Cosmicballs» an ein «modernes, urbanes und kosmopolitisches Zielpublikum.» Günstig ist Stil auch im Tod nicht: 360 bis 3000 Franken zahlt man, oder viel eher die Hinterbliebenen, für so einen kosmischen Aschenbehälter. Thomas Schär, Erfinder der kreativen Urnen, ist überzeugt, dass viele Bräuche und Rituale im Zusammenhang mit dem Tod nicht mehr zeitgemäss sind. Am 25. Oktober wird bekannt, ob die Schweizer Urnen-Firma in Sachen «Schöner Sterben» nicht nur zeitgemäss, sondern auch auszeichnungswürdig ist.

Designer-Sarg statt Billig-Import

Doch nicht nur stilvolle Urnen mischen den Bestattungsmarkt auf. Bisher machten vor allem Billig-Sarg-Importe aus dem Osten von sich reden. Doch auch Särge und Grabsteine sind zum Lifestyle-, oder besser ausgedrückt, Deathstyle-Produkt geworden, denn sie sind die letzte Möglichkeit, um die Individualität des Verstorbenen noch einmal zu zelebrieren.

Stil und moderne Technik mixt der pensionierte Ingenieur Henk Rozemer aus Holland. In seine Grabstein-Kreationen ist ein Flachbildschirm eingebaut, der dem Friedhofsbesucher ein Video des Verstorbenen zeigt. Laut Welt.de wurden erst zwei digitale Grabmale verkauft, eines nach Deutschland und eines in Holland selber. Die geringe Nachfrage erstaunt nicht: 3000 bis 7500 Franken ist zum einen ein stolzer Preis, zum anderen gibt es auf vielen Friedhöfen aber auch Bildverbote.

Merchandising bis in den Tod

Doch auch Bands haben entdeckt, dass der Tod lukrativ sein kann: Die Heavy-Metal-Band «Kiss» zum Beispiel bietet einen Sarg an mit ihrem Band-Logo. Unter dem Logo steht: «Kiss forever» – das ist Fan-Treue bis in die Ewigkeit. Star-Trek-Fans können sich sowohl in der Star-Trek-Urne als auch im Star-Trek-Sarg für die Reise in die Ewigkeit rüsten. Und sogar Sportbegeisterte müssen nicht im Eichensarg von ihren Lieben gehen: Der Hamburger Fussball-Erstligist HSV verkauft seinen Fans Särge in der Vereinsfarbe blau.

Wer nach dem Tod lieber selber glänzen will, kann es einrichten, dass seine sterblichen Überreste durch hohen Druck in einen Diamanten verwandelt werden. Diesen Service bietet das Labor der Schweizer Firma Algordanza ab 5300 Franken an. Fazit: Wer auch im Tod seinen guten Geschmack beweisen möchte, sollte schon zu Lebzeiten dafür sparen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.10.2008, 15:39 Uhr

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