Beatenberg

«Ich bin immer noch einer, der täglich betet»

Andere verbringen das Pensionsalter auf dem Liegestuhl, er am Schreibtisch: Erich von Däniken hat ein neues Buch veröffentlicht. Im Interview spricht er darüber, warum er trotz allem an Gott glaubt.

Den Ausserirdischen unermüdlich auf der Spur: Erich von Däniken hier in Unterseen b. Interlaken.

Den Ausserirdischen unermüdlich auf der Spur: Erich von Däniken hier in Unterseen b. Interlaken. Bild: Markus Hubacher

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Erich von Däniken, im April erlitten Sie einen Leistenbruch und mussten ins Spital. Sind Sie wieder fit?
Erich von Däniken: Die chirurgische Arbeit war blitzsauber. Trotzdem spüre ich noch ein kleines Zerren in der Leiste. Man wird wieder mal nachschauen müssen. Bei der täglichen Arbeit aber fühle ich mich nicht gehindert.

Das sieht man, so viel Arbeit wie da auf Ihrem Schreibtisch liegt. Sie haben Anfang August ein neues Buch veröffentlicht mit dem Titel «Was ist falsch im Maya-Land». Was ist denn falsch?
Im Maya-Land läuft eigentlich nichts falsch, die Maya-Archäologen sind hervorragende Leute. Nur haben sie eine Denkrichtung, die einfach nicht zeitgemäss ist. Sie bringen die Glyphen in alten Tempeln zwar richtigerweise mit Gottheiten in Verbindung. Doch dichten sie diesen Sandalen, Armschmuck, Rückenmark und Zeremonialstab an. Ausserdem sprechen sie von «abgebrochenen Rattenschwänzen», «stilisierten Barthaaren» und «abgestossenen Drachennasen». Alles Begriffe, die in unserer Zeit einfach nichts sagen. Der Fachmann denkt sich hinein, und der Laie kann nichts damit anfangen.

Was sehen Sie denn in den Glyphen der Mayas?
Ich sehe missverstandene Technologie. Die Sandalen sind in Wirklichkeit keine Sandalen, sondern Stiefel, das Rückenmark kein Rückenmark, sondern ein Schlauch, zum Beispiel für die Sauerstoffversorgung, die Armreifen sind eigentlich Teil von Schutzhandschuhen.

Also die Technologie von Ausserirdischen?
Da ist zum Beispiel die Grabplatte von König Pakal im mexikanischen Palenque. Irgendwann mal ist ein Mutterraumschiff um die Erde gekreist. Das weiss ich aus der altindischen Literatur. Aus dem Mutterraumschiff kamen lauter kleine Spaceshuttles, aus diesen wiederum sind noch kleinere Fahrzeuge gekommen. Die Mayas haben also gesehen, dass die Ausserirdischen mit «motorradähnlichen Vehikeln» auf der Erde herumgefahren sind. Sie haben gedacht, dies seien Götter, und haben sie in Stein gemeisselt.

Sie glauben also nicht daran, dass es Götter gibt?
Es gibt keine Götter, es gibt nur einen Gott, doch wir können ihn nicht verstehen. Dafür sind wir Menschen zu klein.

Was gibt Ihnen die Gewissheit, dass es Gott gibt?
Wenn wir einmal zu meinen Gunsten annehmen, dass vor ein paar Jahrtausenden Ausserirdische hier waren, dann stellt sich automatisch die Frage, wo diese hergekommen sind. Gleiches gilt für den Urknall. Was hat denn den Urknall verursacht? Irgendwann erreicht man immer das Ende der Fahnenstange. Ganz klein und respektvoll sage ich, hier ist Gott. Ich habe meinen lieben Gott nie verloren, ich bin immer noch einer, der täglich betet.

In Ihrem neuen Buch schreiben Sie, die Vorfahren der Azteken hätten ihre Pyramiden unmöglich ohne fremde Hilfe bauen können. Trauen Sie den Menschen von damals nicht zu wenig zu?
Die Pyramiden in Teotihuacan sind in einem exakten Modell unseres Sonnensystems angeordnet. Absolut faszinierend! Die hatten Kenntnis von Uranus, Neptun, Pluto und auch bereits vom Asteroidengürtel. Doch wie sollte das denn möglich sein? Die moderne Wissenschaft hat Pluto erst 1930 mit einem fünf Meter langen Teleskopspiegel entdeckt.

Ihre Kritiker bezeichnen Ihre Thesen als pseudowissenschaftlich. Trifft Sie das?
Den seriösen Kritikern – von den anderen spreche ich schon gar nicht – muss ich zumindest in einem Punkt recht geben: Es gibt bis heute keinen einzigen ausserirdischen Gegenstand, den ich triumphierend in die Höhe halten und sagen kann: «Hallo, liebe Freunde der Wissenschaft, hier ist ein technischer Gegenstand, weder von der Erde noch ein Meteoritenklotz.» Alles, was wir haben, sind Indizien. Dies ist aber bei der Archäologie nicht anders. Die haben zwar Knochen und können diese datieren und zuordnen. Drei Jahre später kommt vielleicht wieder ein Gelehrter und führt noch ältere Knochen vor. Dann muss das Modell halt wieder revidiert werden.

Dann wären Sie froh, wenn sich Ausserirdische tatsächlich einmal auf der Erde zeigen würden?
Das wäre sensationell (lacht), wobei ich nicht sicher bin, ob wir uns dann freuen sollten. Wir wissen ja nicht, ob sie uns wohlgesinnt sind.

Kürzlich kamen Sie auch bei «Galileo» auf Pro 7 nicht gut weg...
Ich wurde völlig verrissen, doch damit muss ich leben. Ich habe Gott sei Dank begriffen, dass einer, wenn er mit kontroversen Ideen an die Öffentlichkeit geht, nicht erwarten soll, dass ihn die wissenschaftliche Gemeinschaft umarmt und ihm auf die Schultern klopft.

Konnten Sie also schon immer mit Kritik umgehen?
Das musste ich lernen. In jungen Jahren war ich beleidigt und verletzt. Manchmal hatte die Kritik auch recht. Ein paar Mal bin ich zu leichtgläubig auf falsche Quellen hereingefallen. Dann sagt man halt einfach: «Sorry, I was wrong. Ich habe es nicht besser gewusst.»

Sie sind ein moderner Internet-User. Ihre Vorträge veröffentlichen Sie auf Youtube...
Das stimmt nicht. Das machen irgendwelche Räuber. Ich habe noch nie einen Vortrag auf Youtube veröffentlicht. Kürzlich, als ich so auf meinem Natel rumgedrückt habe, bin ich unverhofft auf ein Youtube-Video namens «Götterdämmerung» gestossen, einen Vortrag von mir. Bereits 109000-mal wurde das Video schon angeklickt. Ich verdiene daran keinen Rappen.

Trotzdem, Sie twittern täglich, und Ihre Facebook-Seite hat bereits über 10000 Anhänger. Wie wohl fühlt sich denn ein 76-Jähriger in der digitalen Welt?
Überhaupt nicht wohl. Um Facebook und Youtube kümmert sich zum Glück mein Sekretär, der ist noch jung. Ich selbst twittere nur, aber das ist ganz einfach. Schuld daran ist meine Tochter. Sie kam vor vier Jahren zu mir und sagte: «Du, die halbe Welt twittert, du solltest das auch machen.»

Wer will denn wissen, was Sie täglich tun und denken?
Meine Twitter-Nachrichten werden seit einiger Zeit auf Englisch und nun auch auf Türkisch übersetzt. Ein türkischer Journalist hat mir kürzlich gesagt: «Weisst du, Erich, bei uns in der Türkei kommt zuerst der Koran. Dann kommt lange nichts, und dann kommt Däniken.» (lacht)

Bei der Eröffnung des Jungfrau- Parks haben Sie gesagt, dieser stehe nach wie vor für die Rätsel dieser Welt. Laufen die Fäden weiterhin bei Ihnen zusammen?
Nein, überhaupt nicht. Das Kommando haben Oskar Scherz und seine Firma. Wir sind gut befreundet. Ich rede ihm nicht drein.

Sie machen keine Auflagen?
Nein, gar keine. Oskar weiss, dass ich einzig den Namen Jungfrau-Park kritisiere.

Warum?
Ich finde den Namen unglücklich. Im Ausland weiss niemand etwas vom Jungfrau-Park, und wenn man ihn hört, auch in der Schweiz, dann denkt man, das sei vielleicht ein Einkaufszentrum oder so etwas.

Wie könnte man denn den Jungfrau-Park im Ausland besser vermarkten?
Zuerst einmal müsste man ein paar Millionen in die Werbung investieren. Die haben wir aber nicht. Gleichzeitig müssten wir wieder ein paar neue Attraktionen in den Park reinbringen. Man könnte zum Beispiel das kilometerlange mysteriöse Tunnelsystem thematisieren, das in Ägypten zurzeit entdeckt wird. Optisch könnte man auch prima darstellen, wie sich verschiedene Völker die Rückkehr der Götter vorgestellt haben. Die Frage ist immer: Wie kann ich es einem Menschen ohne grossen Bildungsrucksack erklären?

Vor einem Jahr wurde darüber berichtet, dass Hollywood Ihr erstes Filmprojekt «Erinnerungen an die Zukunft» verfilmen will. Wann kommt der Film in die Kinos?
Voraussichtlich im Frühling 2013. In Zusammenhang damit sind auch ein Musical und ein Videospiel geplant. Ein Trailer für den Film besteht bereits.

Ist die Umsetzung des Films in Ihrem Sinn?
Mir wäre eigentlich ein Dokumentarfilm am liebsten gewesen. Realisiert wird hingegen ein Spielfilm, mit Explosionen und Schiessereien bei irgendwelchen Ruinen, wie das für Hollywood üblich ist. Meine Meinung war aber durchaus gefragt. Die beiden Drehbuchautoren haben mich hier zusammen mit dem Filmemacher besucht. Ich habe ihnen gesagt, was am Drehbuch vernünftig ist, was unlogisch und was «ein Seich».

In einem Däniken-Internetforum ist zu lesen, Sie hätten «mehr Forschergeist als manche Wissenschaftler» und sprängen auch in Ihrem hohen Alter noch «wie ein junger Hirsch zwischen den Fachgebieten hin und her». Woher nehmen Sie ständig diese Energie?
Mich treibt eine innere Wut. Dies hat mit der langen Geschichte der Rechthaberei der Menschen zu tun. Im Zeichen des Kreuzes haben wir unsagbare Gräueltaten begangen. Was, wenn wir nun tatsächlich einmal mit Ausserirdischen in Kontakt kämen? Wie lächerlich wäre das denn, wenn wir ihnen dann sagen würden: «Wir sind Katholiken, wir sind Buddhisten, wir sind Muslime»?! Wir müssen uns klar werden, dass wir alle nur Lebewesen dieses einen winzigen Planeten sind und gemeinsam einem riesigen Universum gegenüberstehen.

Sie sagen von sich selbst, Sie beantworten keine Fragen, sondern stellen nur unangenehme Fragen. Welche Fragen haben wir denn von Ihnen noch zu befürchten?
Ich glaube keine mehr. Ich bin zwar noch klein und jung, aber die meisten Fragen sind wohl schon gestellt. Ob mir im Alter noch was einfällt, die Götter wissens.

Und was muss denn noch passieren, dass Sie in den wohlverdienten Ruhestand treten?
Ich bin jetzt seit 50 Jahren verheiratet. Ich sage meiner Frau alle halbe Jahre einmal: «Ach, Elisabeth, gib mir noch ein bisschen Zeit, aus mir wird schon noch etwas.»(lacht)

Beschwert sie sich denn, dass Sie so viel beschäftigt sind?
Nein, nein, sie ist eine selbstständige Frau und geht selber auf Reisen, ist sehr aufgestellt und initiativ. Ihr wird nicht langweilig.

Die Beatenberger sind stolz darauf, dass Sie sich in ihrer Gemeinde niedergelassen haben. Gefällt es Ihnen dort noch?
Anfangs, vor ungefähr 17 Jahren, hatte ich das Gefühl, die Beatenberger weichen mir alle aus. Ich habe deshalb einen Saal gemietet, um mich der Bevölkerung vorzustellen. Ich habe zwei Vorträge gehalten, selbstverständlich gratis. Ich habe gesagt, was ich eigentlich mache. Am Schluss habe ich noch allen das Du angeboten. Damit war das Eis gebrochen.

Sie bleiben also hier?
Ich bleibe hier, bis ich in die Grube steige. Wenn ich im Ausland gefragt werde, wo ich wohne, sage ich jeweils mit Absicht, am schönsten Ort der Welt. Wer würde denn da wegziehen wollen? (Berner Oberländer)

Erstellt: 04.09.2011, 07:10 Uhr

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Erich von Däniken, 76-jährig, wohnhaft in Beatenberg, ist weltweit der bekannteste Vertreter der Präastronautik. Ausserirdische hätten vor langer Zeit die Erde besucht und die Entwicklung der Menschheit entscheidend beeinflusst. Mit einer Weltauflage von 63 Millionen verkauften Exemplaren ist von Däniken der meistgelesene Sachbuchautor der Welt. Seine insgesamt 35 Bücher wurden in 28 Sprachen übersetzt. Spätestens mit der Eröffnung des Mystery Park 2003 (seit 2009 Jungfrau-Park) hat er sich auch im Oberland einen Namen gemacht. Der privatwirtschaftliche Freizeitpark in Interlaken widmet sich der Präsentation «unerklärlicher und doch real fassbarer» Welträtsel.

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