«Ich sehe in den Ausserirdischen Lehrmeister, keine Zerstörer»

Am Mittwoch wird Erich von Däniken 75. Das Gespräch mit dem umstrittenen Buchautor führt ins Ausserirdische.

Mystery Park als Misserfolg: Gründer Erich von Däniken und Direktor Fritz Zemp bei einer ausserordentliche Generalversammlung im Januar 2006.

Mystery Park als Misserfolg: Gründer Erich von Däniken und Direktor Fritz Zemp bei einer ausserordentliche Generalversammlung im Januar 2006. Bild: Markus Hubacher

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Herr von Däniken, gesetzt den Fall, es gäbe Ausserirdische: Wären sie uns gut gesinnt?
Erich von Däniken: Wenn jemand derart hoch entwickelt ist, dass er von Planet zu Planet fliegen kann, dann ist er nicht mehr primitiv, das setzt eine ganz andere Ethik und Moral voraus. Ich sehe in den Ausserirdischen Lehrmeister, keine Zerstörer.

Seit über vierzig Jahren suchen Sie nach einem Beleg für ausserirdisches Leben. Werden Sie nicht langsam müde?
Nein, mir macht mein Leben Spass. Ich will nie frei haben. Was soll ich zu Hause herumsitzen! Das ist doch entsetzlich!

Am Mittwoch werden Sie 75...
Ja. Schön. Ich wäre gern zehn Jahre jünger. Jeder wäre gern jünger. Aber man kann die Zeit nicht zurückdrehen.

Wann hören Sie auf?
Nie.

Wollen Sie sich nicht zur Ruhe setzen?
Nein. Erst wenn ich einen Infarkt habe oder in die Grube steige oder einen Unfall habe. Sonst mache ich weiter.

Was würde sich ändern, wenn ein Beweis auftaucht, dass es Ausserirdische gibt?
Es wäre ein Götterschock. Die Menschen könnten das nicht verkraften. Man hat uns allen in der Schule beigebracht, dass es keine Ausserirdischen gibt. Und dann sind die plötzlich da, und alles wird in Frage gestellt, was uns die Wissenschaftler gelehrt haben, unsere klügsten Leute. Meine Aufgabe ist es, diesen Götterschock zu mildern.

Wann sind Sie denn am Ziel?
Wenn ich den Zeitgeist so weit gebracht habe, dass eine Mehrheit der Wissenschaftler sagt: Doch, das Modell dieses von Däniken ist tatsächlich der Forschung wert, das sollten wir an den Hochschulen weiter untersuchen.

Davon sind Sie weit entfernt.
Vielleicht zehn Jahre.

Haben Sie diese Zeit noch?
Nein, dann bin ich nicht mehr hier. (lacht)

Was geschieht denn nach Ihrem Tod mit Ihren Anliegen?
Wir haben eine weltumspannende Organisation, die Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und Seti, das heisst Search for extraterrestrial Intelligence, die alleine im deutschsprachigen Raum achttausend Mitglieder zählt. Vom Wissenschaftler bis zum Laien. Wenn ich mal den Gong abgebe, wird es einfach weitergehen, an die nächste Generation.

Und was passiert dann mit Ihnen? Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Yes. Das Wort Glaube ist hier richtig. Ich glaube es, aber ich habe nicht den geringsten Beweis dafür. Das ist nicht wissenschaftlich. Wir Menschen sind alle so eingebildet, dass wir meinen, dass es auch nach dem Tod nicht einfach fertig sein kann. Das ist unser Wunsch, unsere Sehnsucht. Aber wissenschaftlich ist das nicht.

Sie bezeichnen sich als sehr gläubigen Menschen. Wie geht diese Religiosität mit Ihrem Glauben an Ausserirdische zusammen?
Nehmen wir zu meinen Gunsten mal eine Minute lang an, ich hätte recht. Ausserirdische wären da gewesen, und die Menschen hätten fälschlicherweise angenommen, das seien Götter. Dann muss die nächste Frage lauten: Woher kamen denn die? Wie entstanden denn die? Am Ende steht doch wieder die Schöpfung. Man verliert Gott nicht, wenn man sich mit Ausserirdischen beschäftigt. Im Gegenteil. Mein Gott ist immer grösser geworden.

Sie besuchten ein Jesuiteninternat...
Ja, und mich hat nie jemand verführt. (lacht)

Hat Sie diese Zeit geprägt?
Sehr. Dort habe ich gelernt, zu argumentieren und logisch zu denken. Meine ganze Faszination für Ausserirdische hat dort angefangen. Beim Übersetzen von Bibeltexten wurde ich stutzig. Was, wenn hier ganz etwas anderes gemeint ist? Wenn die Götter in Wahrheit Ausserirdische sind? Diese Fragen haben mich fasziniert.

Sie nennen das Faszination. Man kann es auch als Flucht vor der Realität ansehen.
Überhaupt nicht. Die anderen wollen die Realität nicht sehen, alle, die dem herrschenden Zeitgeist blind gehorchen.

Aber es gibt reale Probleme auf der Welt, vor welchen Sie die Augen verschliessen, indem Sie sich auf die Suche nach Ausserirdischen machen.
Überhaupt nicht! Im Übrigen wimmelt es von Vollidioten, die sich mit solchen angeblich realen Problemen befassen. Die erzählen uns Schmarren, etwa, dass der CO2 schuld sei an der Klimaerwärmung. Wenn ich das höre, bekomme ich Schüttelfrost!

Sie halten das für Schmarren? Was ist denn Ihre Erklärung?
Ich befasse mich mit Jahrtausenden. Schon vor Jahrtausenden gab es eine Klimaerwärmung, damals schmolzen die Gletscher, die einst noch bis in den Jura reichten. Damals gabs doch noch keinen CO2! Der Klimawandel ist eine Tatsache. Aber der CO2 ist nicht dessen Ursache.

Im Gegensatz zu Ihnen liefern Klimaforscher klare Beweise.
Überhaupt nicht. Das ist Schmarren. Wenn man diese Diskussion ein wenig verfolgt, sieht man, dass es diesbezüglich auch unter den Wissenschaftlern einen riesigen Streit gibt. Jetzt hat sich einfach eine Richtung durchgesetzt Aber wir wollen jetzt nicht von Umweltzeug sprechen.

Wenn es so viele Indizien gibt, die für Ihre Theorie sprechen: Warum glauben denn nicht mehr Leute daran?
Das ist die Faulheit unseres Denkens, gegen die ich ankämpfe. Der Zeitgeist ist ein Massenphänomen, jeder will vernünftig sein, keiner will sich lächerlich machen. Nehmen Sie an, ein Bundesrat würde seinen Kollegen an der Sitzung sagen, er habe Ausserirdische gesehen. Die würden ihm verbieten, darüber mit jemandem zu sprechen! Selbst wenn der Papst sagen würde, er habe ein UFO gesehen, würde man ihn für verrückt erklären. Der Zeitgeist lässt das nicht zu. Meine Aufgabe ist es, den Zeitgeist zu durchlöchern, bis die Meinung allmählich kippt.

Sie sind ein Optimist.
Ja, ich glaube weder an den Weltuntergang noch an sonstige Endzeittheorien. Wir überleben immer.

Ihre Vorträge beenden Sie stets mit den Worten: «Glauben Sie mir kein Wort.» Damit machen Sie es sich sehr einfach: Sie entziehen sich jeglicher Kritik.
Hören Sie: Wir haben zwei Arten von Wissenschaft, die exakte, die immer wiederholbare Resultate liefert, und die Sammelwissenschaften wie die Archäologie. Da hat man eine Meinung aufgrund von Indizien, und diese Meinung stimmt, bis sie durch neue Indizien widerlegt wird. Ich bin ein Vertreter einer Sammelwissenschaft, ich liefere Indizienbeweise.

Und daraus bauen Sie dann gleich eine ganze Theorie.
Ich trage ein Indiziengebäude zusammen. Diese Indizien stimmen alle. Wenn etwas in einem alten Text steht, kann man das kontrollieren. Oder wenn ich sage: In diesem oder jenem Land steht diese Ruine, dann ist das auch nachweisbar. Nur ist meine Interpretation eine andere als die eines Prähistorikers oder eines Theologen.

«Fantasten halten die Welt in Atem, nicht die Erbsenzähler», lautet ihr Credo. Sie bezeichnen sich als Fantasten. Haben Sie die Welt verbessert?
Ich will die Welt nicht verbessern, nur verändern. Den Zeitgeist durchbrechen, den Tunnelblick öffnen. Die Anregungen dazu kommen immer von Fantasten. Ein Buch von Jules Verne zum Beispiel hat den ersten Raketentechniker, Hermann Oberth, zu seinen Berechnungen angeregt, dank denen schliesslich Wernher von Braun den Flug zum Mond realisierte.

Sie prangern den Tunnelblick an. Warum leben Sie ausgerechnet hier im Oberland, wo die Enge noch grösser ist?
Bei mir oben ists eben weiter. Ich lebe in Beatenberg, am schönsten Ort der Welt. Ich wollte immer in den Bergen wohnen. Ich liebe diese Landschaft. Und auch die Bevölkerung hat mich sehr herzlich aufgenommen. Am Anfang waren die Leute mir gegenüber etwas verschlossen. Deshalb habe ich einmal einen Gratisvortrag gehalten. Der Saal war bumsvoll. Ich sagte mir: Sei ja vorsichtig, sag nur nichts gegen den lieben Gott. Am Schluss applaudierten alle, und ich sagte, dass mich alle duzen dürften. Am nächsten Morgen fuhren Kinder auf dem Velo vorbei und riefen: «Hallo, Erich!»

Wie werden Sie Ihren Geburtstag feiern?
Überhaupt nicht. Da bin ich auf Vortragsreise in Osteuropa. Meinen Geburtstag verbringe ich wahrscheinlich im Auto.

Das grösste Rätsel der Welt ist immer noch die Frau, sagten Sie einmal.
Ja, das versteht kein Mann. Frauen sind nun mal andere Wesen.

Ausserirdische?
(lacht) Nein, Frauen haben einfach eine andere Aufgabe, schliesslich können sie Kinder bekommen. Sie haben deshalb auch einen anderen Hormonhaushalt als Männer. Dadurch ist ihre Logik eine andere als die vom Mann. Keine ist besser als die andere. Aber diese unterschiedliche Logik ist der Grund dafür, weshalb wir Männer die Frauen nie durchschauen können.

Gibt es etwas in Ihrem Leben, das Sie bereuen?
Oft hätte ich vielleicht besser geschwiegen, als vorlaut etwas zu sagen. Aber solche Gedanken bringen nichts. Um etwas besser machen zu können, müsste man das Wissen aus der Zukunft haben, und das hat man nun mal nicht.

Und was möchten Sie noch erleben?
Ich wollte schon lange den Papst treffen. Aber das wird wohl nichts mehr. Und ich würde gern in einem amerikanischen Unterseeboot fahren. Und auf einem dieser riesigen Flugzeugträger stehen. Das sind so Bubenträume. (zündet sich eine Zigarette an)

Sie sind Raucher aus Überzeugung.
Ja. Heute wird ja so getan, als hätten die Raucher die Pest. Beim Rauchverbot gehe es nur um die Gesundheit – aber dann müsste man ja den Alkohol auch verbieten!

Gefallen Sie sich in der Rolle des Provokateurs?
In meinem Fachbereich eigentlich schon, denn da weiss ich mehr als jeder andere. Sonst aber nicht so.

Durch Provokation verschafft man sich Aufmerksamkeit. Brauchen Sie die?
Ich suche diese Aufmerksamkeit nicht. Es ist einfach so. Ich durchlöchere halt den Zeitgeist! So, fertig jetzt, es ist 16.15 Uhr, jetzt kann ich noch ein paar Stunden arbeiten.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 10.04.2010, 19:09 Uhr

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