Hintergrund

Mann, was bist du für eine tolle Frau!

Gemäss einer grossen neuen Studie tut der Mann für die richtige Frau fast alles: zusammenziehen, heiraten, putzen. Ein Grund zum Jubeln?

Schein und Sein: Zwei von drei Männern wollen dabei sein, wenn ihr Kind zur Welt kommt, aber nicht einmal jeder Dritte will Elternzeit beantragen. (Archivbild vom 26. Juni 2005)

Schein und Sein: Zwei von drei Männern wollen dabei sein, wenn ihr Kind zur Welt kommt, aber nicht einmal jeder Dritte will Elternzeit beantragen. (Archivbild vom 26. Juni 2005) Bild: Keystone

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Seit der «Blick» sich Anfang Woche über den Traummann der Frau gebeugt hat, weiss es die ganze Schweiz: Die moderne Frau will einen Alpha-Softie, ihr Traumprinz ist in Karrieredingen genauso erfolgreich wie beim Windelnwechseln. Und das verunsichert die Singles unter den Herren ungemein. Damit hat das Boulevardblatt die grosse Elite-Partner-Männerstudie auf die knackigsten Aussagen zusammengestutzt – man könnte auch sagen: auf das eigene Weltbild reduziert. Denn wussten wir nicht schon lange, dass Frauen in Liebesdingen einfach unrealistische Vorstellungen haben? Und ist es da nicht ganz logisch, dass Männer nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht? (Lesen Sie dazu auch: «Geld, Sex und Brötchen»)

Adieu Mars und Venus

Nimmt man sich nämlich die Mühe, die ganze Studie mit den Befragungsergebnissen von 12'000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern runterzuladen und durchzuackern, statt die augenfälligsten Zahlen der Pressemitteilung zu einem Artikel zu verpappen, dann lässt sich daraus auch ein ganz anderer Schluss ziehen: Frauen und Männer wollen heute vom anderen Geschlecht fast das Gleiche – eine Beziehung auf Augenhöhe, Spass im Bett und Verantwortungsbewusstsein zu Hause. Männer sind also längst nicht mehr vom Mars und Frauen haben die Venus ebenfalls verlassen. Zwar stehen Single-Männer noch immer auf ein attraktives Äusseres und Single-Frauen auf Männer mit Status – aber diese Differenzen sind in der Grössenordnung bescheiden. So bescheiden, dass Professor Burghard Andresen die Daten so kommentiert: «Auch bei der Partnerwahl – ebenso wie in anderen Bereichen von Geschlechtsunterschieden – gleichen sich Männer und Frauen über die letzten Jahrzehnte einander langsam an.» (Lesen Sie auch: «Hauptsache, der Kerl zeigt Gefühle»)

Halleluja, kann man nun sagen – oder aber wie der «Blick» titeln: «Single-Männer verunsichert», je nachdem, was man von dieser Angleichung hält. Und da scheiden sich die Geister. Auch unter den Singles. Exakt hier liegt der zweite interessante Aspekt der Studie. Sie zeigt, dass Singles den neuen Rollenidealen der Emanzipation nicht gleichgültig gegenüberstehen: Die Frauen fühlen sich als Emanzipationsgewinnerinnen, sie empfinden die Rollenaufweichung als positiv. Die Männer fühlen sich eher verunsichert: Zwar sind viele bereit, für die grosse Liebe Unabhängigkeit, ja sogar den Wohnort aufzugeben. Nur jeder fünfte Mann beurteilt das neue männliche Rollenbild aber als positiv. Und zu noch mehr Emanzipation sagen 92 Prozent der Männer: Nein danke!

Hecheln ja, wickeln nein!

Ganz deutlich wird der männliche Vorbehalt gegenüber neuen Rollen bei der Kinderfrage: 67 Prozent der Männer wollen bei der Geburt dabei sein, wenn sie mal Vater werden. Jeder Zweite würde auch an einem Geburtsvorbereitungskurs teilnehmen und für das Kind ein Sparkonto anlegen. Immerhin noch 40 Prozent sind bereit, einen Ratgeber zu lesen. Das Gelesene umzusetzen, das kann sich noch immer nur eine Minderheit vorstellen. Der Enthusiasmus hört beim potenziellen Vater also exakt da auf, wo die Arbeit zu Hause anfängt. Nicht einmal jeder dritte Befragte will dereinst Elternzeit beantragen und nur noch jeder vierte kann sich vorstellen, für das Kind beruflich kürzerzutreten. (Lesen Sie auch: «Vollzeitvater trifft Teilzeitmutter»)

Exakt die mangelnde Bereitschaft für Veränderungen im Beruflichen erweist sich für junge Familien als Fallstrick – und zwingt manch eine Frau gegen ihren Willen in die traditionelle Rolle. Das könnte auch eine Erklärung dafür sein, warum Männer Frauen nicht gross beneiden, während fast jede zweite befragte Single-Frau das Mannsvolk darum beneidet, für die gleiche Leistung mehr zu verdienen. Jede Sechste gab an, dass sie Väter um die grössere Unabhängigkeit beneidet, und fast jede Zehnte würde auch gern bei der Partnersuche mit Status und Einkommen beeindrucken können.

Die Emanzipation ist also durchaus auf dem Liebesmarkt angekommen. So richtig willkommen aber wurde sie bisher nicht geheissen.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Dann lesen Sie auch: «10 Warnsignale dafür, dass eine Partnerschaft bald Schiffbruch erleidet» auf Clack.ch – Ihrem Online-Magazin. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.04.2012, 21:33 Uhr

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