Nachdenken über Bedürfnisse der Kinder

Die Kleinen müssen damit auskommen, was ihre Eltern für richtig halten. Kinder haben jedoch Bedürfnisse, die berücksichtigt werden sollten.

Vorallem Kleinkinder benötigen viel Zeit um alles zu erkunden.

Vorallem Kleinkinder benötigen viel Zeit um alles zu erkunden. Bild: Keystone

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Ob Kinder gerne in die Kita gehen, wissen wir nicht immer, denn sie werden weder gefragt, noch können sie es sagen. Ich spreche nun von Kleinstkindern (0 bis 3-jährig). Ob ein Kind sich in der Kita wohlfühlt, ist altersabhängig. Zudem kommt es auf die Gruppenzusammensetzung an, auf die Kompetenz der Betreuungspersonen und einfach auch auf das Kind selber.

Wer schon einmal ein unter 3-jähriges Kind in einer Kita eingewöhnt hat, weiss sehr gut, dass dieser Eingewöhnungsprozess äusserst anspruchsvoll ist für Eltern, Kind und Pädagogen. Selten geht es ohne Weinen, und es kann bis zu vier Wochen dauern, bis das Kind eingewöhnt ist. Ein ein- bis zweijähriges Kind ist noch nicht sozial, das sieht jede Mutter auf dem Spielplatz. Es kann und soll auch noch nicht sozial sein, da es noch mit sich und dem Entdecken der Welt beschäftigt ist.

Selten geborgen in der Gruppe

Erfahrungsgemäss fühlen sich Kleinstkinder selten geborgen in einer Gruppe Gleichaltriger, weil sie dauernd gestört werden. Sie wollen sich z.B. mit einer Pfanne beschäftigen, und schon kommt das andere Kleine und nimmt ihnen die Pfanne aus den Händchen. Eigentlich sind sie noch nicht gruppenfähig, sondern abhängig von einer stabilen Bindung zu einer Betreuungsperson.

Vielleicht sind sie doch lieber bei Mama oder Oma und helfen beim Kuchen backen. Kleinstkinder können sich in der Gruppe weder zurückziehen, noch abgrenzen, denn dafür sind sie noch zu klein. Sie wollen gar nicht immer Action, sondern sie möchten ganz einfach einmal in der Ruhe eine Schublade ausräumen und untersuchen dürfen; je länger und intensiver sie das tun, desto besser! Die Kleinsten brauchen Ruhe, damit sie sich ungestört mit sich und der Umwelt auseinandersetzen können, denn das ist die Basis für die spätere Konzentrationsfähigkeit.

Viele Wechsel in der Kindergruppe

Zudem haben wir in den schweizerischen Kitas eine Schwierigkeit, die ich so im europäischen Ausland noch nicht erlebt habe. Da viele Frauen nur 20–60 Prozent arbeiten und die Kitas die Wünsche der Eltern berücksichtigen möchten, hat dies viele Wechsel in den Kindergruppen zur Folge. Oft sind täglich morgens und mittags andere Kinder dort.

In Ländern, in denen Mütter zu 100 Prozent arbeiten, werden die Kitas von Montag bis Freitag von den gleichen Kindern besucht, dies erleichtert die Kontaktaufnahme mit den anderen Kindern, es ist eine gewisse Kontinuität in den Gruppen, was den Kindern mehr Sicherheit und Geborgenheit vermittelt.

Ich möchte damit auf keinen Fall sagen, Mütter, arbeitet zu 100 Prozent. Nein, aber man muss sich vermehrt ganz sachlich die Bedürfnisse der sehr jungen Kinder ins Bewusstsein rufen. Eine Tagesmutter beispielsweise hat weniger Kinder und vor allem keine Baby- und Kleinstkindergruppe zu Hause.

Das Kind erlebt immer dieselbe Betreuungsperson, eine kleine überschaubare Gruppe und weniger Kinderwechsel. Wer es sich leisten kann, könnte sich ja auch mit einer pädagogischen Fachkraft zu Hause aushelfen. So lässt sich der Stress vermeiden, wenn die Kleinsten krank sind, denn die Erzieherin würde dann die Kinder in ihrem vertrauten Umfeld betreuen.

Eltern haben ihre Bedürfnisse, das ist legitim, die Wirtschaft hat ihre Bedürfnisse, aber auch die Kinder haben ihre Bedürfnisse, die sie jedoch noch nicht formulieren können. Deshalb sollte man vermehrt auch über deren Bedürfnisse nachdenken.

Claudia Simcic ist Kindergärtnerin und Kleinkindererzieherin aus Dornach (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.12.2018, 15:08 Uhr

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