Schnuckelpupine ruft Winnetou

Bei der Namenswahl verlieren Eltern den Verstand und kennen offenbar keine Grenzen.

Das Kind trägt seinen Namen lebenslang mit sich herum.

Das Kind trägt seinen Namen lebenslang mit sich herum. Bild: Keystone

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Ein fünfjähriges Mädchen aus den USA musste neulich beim Check-In den Spott von Angestellten der South West Airline über sich ergehen lassen. Grund dafür ist sein Name. Das Kind heisst nach den ersten fünf Buchstaben des Alphabets, also «Abcde». Nachdem eine Mitarbeiterin der Fluggesellschaft sogar ein Foto des Boardingpasses im Internet geteilt hatte, beschwerte sich die Mutter von «Abcde» in den Medien darüber – und erntete noch mehr Spott.

US-Eltern sind bekannt dafür, ihren Kindern ausgefallene Namen zu geben. «Abcde» – laut der Mutter «Ab-see-dee» ausgesprochen – ist in ihrem Heimatland nicht die einzige. Über 300 weitere Amerikanerinnen und Amerikaner heissen so. Auch in der Schweiz verwirklichen sich Eltern gerne bei der Namenswahl und schiessen manchmal weit über das Ziel hinaus. Ich erinnere mich an den Fall eines Schweizer Standesamtes, das ich vor einigen Jahren zum Thema angefragt hatte.

Der Mitarbeiter erzählte von einem Vater, der seine Tochter Winnetou taufen wollte und deswegen mehrfach prozessierte. Die Klage wurde abgewiesen, genau wie jene von Zürcher Eltern, die für ihr Kind den Buchstaben «J» als Name ausgesucht hatten. Stattgegeben wurde in der Schweiz hingegen einem «Jesus Christ», während «Lucifer» hierzulande auf dem Index steht. Auch Labels – solange sie anderswo als Vornamen geläufig sind, wie etwa Chanel oder Dior – sind in der Schweiz legal. Einen kleinen Coca-Cola oder eine Chevrolet wird es aber so bald nicht geben.

Der Name ist entscheidend

In Deutschland gibt es offenbar kaum Einschränkungen. Da sagt Tarzan hallo zu Schnuckelpupine und Cinderella-Melodie spielt Gummitwist mit Camino Santiago Freigeist. Einzig negativ besetzte Namenswünsche wie etwa «Störenfried» und «Bierstübl» wurden von den deutschen Gutachtern abgelehnt.

Bei allem Grinsen, das solch absurde Ideen hervorrufen: Eltern, die ihr Kind Bierstübl nennen wollen, sind von allen guten Geistern verlassen. Ein Kindername ist kein weinseliger Scherz; man muss das ganze Leben damit zurechtkommen. Der kleine Bierstübl wird in der Schule mit Sicherheit ausgelacht, muss sich ständig erklären und erhält später auf Bewerbungen Standardabsagen.

Dazu dürfte ihn zeitlebens die grosse Frage nach den Beweggründen seiner Eltern beschäftigen, dem eigenen Kind derartig eins auszuwischen. Darüber, wie erwünscht und geliebt sich ein Kind namens Störenfried fühlt, muss nichts weiter gesagt werden.

Individualität in Ehren, aber bei der Namenswahl sollten sich Eltern ihrer Verantwortung bewusst sein, anstatt sich auf Kosten der Kinder ein absurd-kreatives Denkmal zu setzen. Wer unbedingt jemanden «Batman» rufen will, soll sich einen Hund anschaffen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 06.12.2018, 09:30 Uhr

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