Wieso ist Afrika so arm?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktoren die am häufigsten gegoogelten Fragen.

Eine Somalierin in einem Flüchtlingslager in Kenya. Sie floh vor Gewalt, aber auch vor der Dürre.

Eine Somalierin in einem Flüchtlingslager in Kenya. Sie floh vor Gewalt, aber auch vor der Dürre. Bild: Keystone

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Zuerst die gute Nachricht: Der Anteil der Afrikanerinnen und Afrikaner, die arm sind, also mit weniger als 1.90 Dollar pro Tag auskommen müssen, ist unter 50 Prozent gesunken, wie die Weltbank schreibt.

So gut ist die Nachricht allerdings auch wieder nicht, denn absolut betrachtet, hat die Zahl der Armen wegen der wachsenden Bevölkerung zugenommen: von 280 Millionen 1990 auf 330 Millionen 2012. Tendenz steigend: 2050 wird nach neuer UNO-Schätzung ein Viertel aller Menschen südlich der Sahara leben, der ärmsten Region der Welt.

Dabei müsste Afrika dank seiner Bodenschätze eigentlich der reichste Kontinent sein. Was Kupfer, Kobalt, Gold, Uran oder Coltan betrifft, profitieren jedoch vor allem multinationale Unternehmen, welche die Gewinne mehrheitlich auf Konten in Übersee transferieren. Gemäss einem britischen Report flossen 2015 203 Milliarden Dollar aus dem Kontinent ab, während 162 Milliarden an Investitionen und Entwicklungshilfe hereinkamen.

Dass es Afrika so schlecht geht, hat noch weitere Ursachen. Die Natur ist hier stärker als der Mensch, die Hitze oft unerträglich, nicht nur in der Sahelzone, auch in der Savanne Ostafrikas. Kommt der Regen dann doch, verwandelt er Strassen in Schlammpisten. Wegen des Klimawandels haben die Wetterextreme nochmals markant zugenommen, was regelmässig zu Hungersnöten führt.

«Afrika hatte in der Weltgeschichte einen denkbar schlechten Start.»

Krisen sind jedoch oft auch hausgemacht. Bürgerkriege ruinieren die kleinen wirtschaftlichen Erfolge und lassen die Menschen leiden. Derzeit zählt man in Afrika 27 Konflikte, der Friedensschluss zwischen Äthiopien und Eritrea ist ein seltener Lichtblick. Staaten wie Kongo-Kinshasa oder der Südsudan gelten als gescheitert. Die Regierungen sind nicht mehr in der Lage, auf Aids, Malaria oder Ebola angemessen zu reagieren. Ohne internationale Hilfswerke würden Pest und Cholera noch viel mehr Menschen dahinraffen. Gleichzeitig lassen es sich Autokraten und Diktatoren mit den Einnahmen aus dem Verkauf von Schürflizenzen gut gehen, anstatt Schulen, Strassen und Spitäler zu bauen.

Dazu kommt, dass Afrika in der Weltgeschichte einen denkbar schlechten Start hatte. Jahrhundertelang wurde der Kontinent ausgebeutet. «Die afrikanischen Länder, die heute die ärmsten sind, sind jene, aus denen am meisten Sklaven verschleppt wurden», schreibt Harvard-Ökonom Nathan Nunn. Diese Katastrophe, aber auch der Kolonialismus und der Kalte Krieg verunmöglichten eine erfolgreiche Entwicklung.

Es gäbe noch mehr Gründe, die man nennen könnte, etwa die europäische und die amerikanische Landwirtschaftspolitik. Oder die afrikanische Neidkultur und die Hexerei, welche die wirtschaftliche Entwicklung hemmen. Eine Kolumne zwingt aber zur Vereinfachung – einer Vereinfachung, welche die Google-Nutzer mit ihrer Frage vorweggenommen haben. Afrika ist nicht Afrika, sondern ein Kontinent mit 54 Ländern, die sich stark unterscheiden. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 16.11.2018, 19:03 Uhr

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