Antisemitismus bekämpfen

Antisemitismus sollte nicht länger ein Teil unserer Gesellschaft sein. Es gibt jedoch auch Übergriffe gegen Juden in der Schweiz.

Jede und jeder von uns ist gefordert, gegenüber Alten und Jungen korrigierend einzugreifen, wenn es Anlass dazu gibt – eine Frage des Anstandes und der Zivilcourage.

Jede und jeder von uns ist gefordert, gegenüber Alten und Jungen korrigierend einzugreifen, wenn es Anlass dazu gibt – eine Frage des Anstandes und der Zivilcourage. Bild: Keystone

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Leider kommen Übergriffe gegen Menschen jüdischen Glaubens auch in unserem Land vor. Sei es in der Schule, bei der Arbeit oder auf offener Strasse; immer wieder erfahren wir von verabscheuungswürdigen Handlungen gegen Juden. Über die sozialen Netzwerke (welch zynischer Begriff für dieses Kommunikationsmittel mit Blick auf solche Inhalte!) werden antisemitische Texte und Nazi-Bilder an Schüler jüdischen Glaubens geschickt mit Beschimpfungen übelster Art.

Gemäss Angaben der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus gegenüber der NZZ am Sonntag sind alle Schulstufen, also auch Gymnasien betroffen. Auch Muslime und Menschen dunkler Hautfarbe sind Ziele solcher Angriffe. Auch wenn der eine oder andere jugendliche Täter die Schwere seiner Verfehlung nicht erkennt, entschuldigt ihn das nicht.

Ebenso wenig kann sich der willensschwache Mitläufer, der sich kritiklos dem antisemitischen Rädelsführer anschliesst, aus der Verantwortung stehlen. Es fällt schwer zu glauben, dass es Eltern gibt, die solches Verhalten ihrer Kinder nicht korrigieren. Sicher bin ich, dass Lehrerinnen und Lehrer eingreifen, wenn sie von antisemitischen Aktivitäten ihrer Schüler erfahren.

Bestimmungen im Strafgesetzbuch reichen nicht

Kürzlich habe ich den Begriff «Alltags-Antisemitismus» gelesen; ein zutreffendes Wort für nicht selten vorkommende Handlungen auch erwachsener Täter. In dieser Bezeichnung schwingt auch Resignation mit, weil es unserer Gesellschaft noch nicht gelungen ist, dieses Übel zu bekämpfen – leider! Wir kennen auch den politisch motivierten Antisemitismus von extremen Kräften des linken und rechten Spektrums. In Westeuropa haben unlängst Angriffe islamistischer Terroristen auf Menschen jüdischen Glaubens für Entsetzen gesorgt, so die Ermordung einer 85-jährigen Holocaust-Überlebenden in Paris und weitere grässliche Verbrechen.

Unabhängig davon, wer aus welchen Gründen Menschen jüdischen Glaubens beleidigt, verletzt oder gar physisch angreift – gegen jede Art des Antisemitismus müssen wir uns entschlossen wehren, wie auch gegen Rassismus und Islamfeindlichkeit. Es dürfen weder schriftliche, verbale noch tätliche Angriffe gegen Menschen jüdischen Glaubens stattfinden. Die Bestimmungen im Strafgesetzbuch reichen nicht aus, Antisemitismus und Rassismus zu verhindern; es braucht mehr.

Jede und jeder von uns ist gefordert, gegenüber Alten und Jungen korrigierend einzugreifen, wenn es Anlass dazu gibt – eine Frage des Anstandes und der Zivilcourage. Erfreulich, dass endlich die Notwendigkeit eines zusätzlichen Schutzes für Institutionen und Gebäude der Israelitischen Gemeinde Basel erkannt wurde. Auch jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger müssen sich sicher und wohl fühlen, nicht nur während ihrer Feiertage und jetzt, zurzeit des Chanukka-Festes, sondern auch während aller übrigen Tage jeden Jahres. Schlimm, etwas fordern zu müssen, das selbstverständlich sein muss. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.12.2018, 11:55 Uhr

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