Barbarischer Brauch

Geschätzte 200 Millionen genitalverstümmelte Mädchen und Frauen soll geben und jährlich kommen drei Millionen dazu. Solange islamische Eliten primitive Rechtsvorstellungen vergöttlichen, wird sich nichts ändern.

Ein somalisches Mädchen wird mit Gewalt festgehalten, damit es sich gegen die Beschneidung nicht wehren kann.

Ein somalisches Mädchen wird mit Gewalt festgehalten, damit es sich gegen die Beschneidung nicht wehren kann.

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Auf den ersten Blick war es eine gute Nachricht. Anfang Februar erliess die Regierung von Somaliland eine Fatwa, welche die radikalste Praxis der weiblichen Genitalbeschneidung verbot: die Infibulation, auch pharaonische Methode genannt, bei der den jungen Mädchen Klitoris und Schamlippen weggeschnitten und die Vagina zugenäht wird. In Somaliland werden praktisch alle Mädchen beschnitten, genau wie in Dutzenden anderen afrikanischen Ländern, in der arabischen Welt, in Asien.

Und auch im aufgeklärten Europa breitet sich im Zusammenhang mit der Masseneinwanderung die Mädchenbeschneidung neu aus. Die Eingriffe werden meist durch Hebammen oder ältere Frauen durchgeführt. Sie hantieren teils mit Rasierklingen, Glasscherben, Konservendeckeln und verschliessen die Wunden mit Bindfaden, Schafdarm, Pferdehaaren, Bast.

Die muslimischen Gutachter handelten korrekt. Sie richteten sich nach den Vorgaben ihrer geheiligten Bücher.

Geschätzte 200 Millionen genitalverstümmelte Mädchen und Frauen soll es im Moment geben und jährlich kommen drei Millionen weitere dazu. Menschenrechtsgruppen, UNO-Agenturen, staatliche und nichtstaatliche Initiativen bekämpfen seit einem halben Jahrhundert diesen barbarischen, schmerzhaften und oft tödlich endenden Brauch. Ihre Erfolge sind bescheiden. Warum, das lässt sich am Beispiel Somaliland zum Teil erklären. Die Regierungs-Fatwa vom Februar verurteilte zwar die zwei extremsten Formen der Verstümmelung, erklärte aber im selben Edikt eine dritte Beschneidungs-Variante (Klitorisentfernung ohne Vagina-Verschliessung) als «zwingend vorgeschrieben». Die muslimischen Gutachter handelten korrekt. Sie richteten sich nach den Vorgaben ihrer geheiligten Bücher.

Im Standardwerk der islamischen Rechtslehre beispielsweise, «Umdat al-Salik», heisst es klar: «Zirkumzision ist Pflicht ... und Zirkumzision heisst für die Frau, dass man die Klitoris (bazr) herausschneidet.» (Umdat al-Salik e4.3)

Das skandalöse Ritual der Genitalverstümmelung ist keine muslimische Erfindung und wird, wenngleich viel seltener, auch in anderen Kulturen vollzogen. Aber nur der Islam hat es in den Rang eines sakralen Gebots erhoben. Und solange dessen religiöse Eliten archaische Bräuche und primitive Rechtsvorstellungen vergöttlichen, werden weiterhin Millionen junge Mädchen und Frauen verstümmelt und traumatisiert. (Basler Zeitung)

Erstellt: 27.02.2018, 08:43 Uhr

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