Bitte, Danke und Entschuldigung

Die Lehrkräfte reparieren täglich Schäden, obwohl nicht die Schule, sondern das Elternhaus dafür zuständig wäre.

Unsere Schulen vermitteln nicht nur Bildung, sie leisten auch wichtigste Beiträge zum überwiegend friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft.

Unsere Schulen vermitteln nicht nur Bildung, sie leisten auch wichtigste Beiträge zum überwiegend friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft.

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Als politisch Verantwortlicher für die Schulen habe ich oft Unterrichtslektionen besucht. Ich wollte so einen Eindruck vom Schulalltag gewinnen und insbesondere erfahren, wie es den Lehrerinnen und Lehrern geht. Wenn möglich organisierte die Schule im Anschluss noch ein Gespräch mit dem Kollegium. Der Anfang dieser Aussprachen war oft etwas zögerlich, fast immer brauchte es jemand, der bereit war, das «Eis zu brechen».

Mit der Zeit entwickelte sich ein Gespräch auf Augenhöhe, wie ich es mir wünschte. Diese Verkürzung des Dienstweges erwies sich als beste Informationsquelle. In diesen Begegnungen spürte ich bald, wen der Schuh wo drückt. Ich habe aus solchen Treffen sehr viele Erkenntnisse mitnehmen können; für mich waren sie wertvoll. Auch wenn es nicht möglich war, alle Forderungen und Vorstellungen der Lehrkräfte zu erfüllen, glaube ich, dass auch die Kollegien diese Gespräche nicht wertlos fanden.

Mehr Egoismus im Klassenzimmer

Eines dieser Gespräche ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Eine Kindergärtnerin schilderte mir einen Arbeitstag. Sehr sachlich, ohne sich zu beklagen und schon gar nicht Mitleid heischend. Beim Thema «schwierige Schülerinnen und Schüler» habe ich nachgehakt, weil mir einleuchtete, dass die Arbeit mit solchen Kindern sehr anspruchsvoll ist. Die sehr differenzierten Beobachtungen und Erfahrungen hat die Lehrerin dann zusammengefasst: «Wenn alle Kinder die Begriffe Bitte, Danke und Entschuldigung kennen und situationsgerecht anwenden würden, wäre schon viel gewonnen!» Das Zusammenleben wäre einfacher, konfliktärmer, friedlicher.

Fordernde Haltung, Ungeduld, Egoismus, fehlende Rücksicht, alle diese Eigenschaften treffe sie im Klassenzimmer vermehrt an. Die Grenze zwischen Erziehung, für die eigentlich das Elternhaus zuständig ist, und Bildung, welche der Schule obliegt, sei verwischt. Sie könne nicht wegschauen, wenn sich Kinder ihren Mitschülern gegenüber nicht korrekt verhalten würden. Unanständiges Verhalten im Klassenzimmer müsse im Klassenzimmer korrigiert werden.

Schulen vermitteln nicht nur Bildung

Die Begegnung mit dieser Lehrerin liegt viele Jahre zurück. Sie hat mich mit dieser treffenden Verkürzung beeindruckt. Hohe Professionalität, Pflichtbewusstsein und Auftragstreue sind Begriffe, die auf diese ehemalige Mitarbeiterin zutreffen, wie auch auf sehr viele ihrer Kolleginnen und Kollegen, die auch so handeln. Unsere Schulen vermitteln nicht nur Bildung, sie leisten auch wichtigste Beiträge zum überwiegend friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft. Die Lehrkräfte reparieren täglich Schäden, obwohl nicht die Schule, sondern das Elternhaus dafür zuständig wäre. Einer von vielen Gründen für ein «Danke!» an alle Mitarbeitenden der Schulen.

Übrigens: Der Wunsch dieser Lehrerin nach der adäquaten Anwendung dieser drei Worte durch Kindergartenkinder kann durchaus auch an Erwachsene gerichtet werden … Jede und jeder von uns kennt ganz bestimmt ein paar Adressaten. (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.02.2018, 09:43 Uhr

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