«Das Konto muss auf den Mann oder beide Eheleute lauten»

Wer zu viel Steuern gezahlt hat, erhält eine Rückvergütung. Pech haben in Bern jedoch verheiratete Frauen mit eigenem Konto.

Die Passage im Schreiben der Berner Steuerverwaltung scheint aus dem letzten Jahrhundert zu stammen.

Die Passage im Schreiben der Berner Steuerverwaltung scheint aus dem letzten Jahrhundert zu stammen. Bild: Twitter

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Eine Bernerin staunte nicht schlecht, als sie vor ein paar Tagen einen Brief der Kantonalen Steuerverwaltung erhielt. Darin wird ihr eine Steuerrückzahlung angekündigt, sie muss aber dafür das Konto ihres Mannes angeben.

«Beachten Sie, dass bei verheirateten, nicht getrennt lebenden Eheleuten das Konto auf den Mann oder beide Eheleute lauten muss», lautet die Textpassage. «Ich war schockiert, fühlte mich erniedrigt und diskriminiert», sagt die Frau zu «20 Minuten».

Dabei hatte sie die gemeinsamen Steuern von ihrem eigenen Konto bezahlt. «Warum sollte die Rückerstattung also nicht auch auf dieses Konto gezahlt werden?», fragt sie. Die Praxis der Steuerverwaltung erinnere sie an das letzte Jahrhundert.

Für Barbara Krattiger, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung Frau und Mann der Stadt Bern, ist das Vorgehen immer wieder ein Thema: «Die Praxis stammt offenbar aus der Zeit, als der Mann noch Familienoberhaupt war», sagt sie der Zeitung. Besonders frisch verheiratete Frauen mache es wütend, plötzlich auf ein traditionelles Rollenbild reduziert zu werden.

Der Berner Gemeinderat Michael Aebersold (SP) spricht ebenfalls von dringendem Handlungsbedarf. Der Finanzdirektor veröffentlichte ein Foto des Schreibens auf Twitter:

«Der Brief ist unglücklich formuliert», sagt Tanja Bertholet, Mediensprecherin der Steuerverwaltung des Kantons Bern. Das Konto müsse nicht zwingend auf den Mann lauten. Wenn es jedoch nicht auf die erstgenannte Person in der Adresszeile lautet oder auf beide Eheleute, könne die Bank die Rückzahlung nicht zuordnen.

Auf Wunsch könne die Ehefrau an erster Stelle aufgeführt werden, was allerdings einen grösseren manuellen Verwaltungsaufwand mit sich bringe. «Wir sind uns der Problematik bewusst und werden das Schreiben überprüfen», sagt sie.

Übernommen von «20 Minuten», bearbeitet durch baz.ch/Newsnet. ()

Erstellt: 16.05.2018, 20:49 Uhr

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