«Das sind einfach Barbaren»

Wie Azam Khan in Bangladesh Zielscheibe von Islamisten wurde – und was er der Schweiz rät.

Aktivist und Atheist. Azam Khan (34).

Aktivist und Atheist. Azam Khan (34).

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Azam Khan ist 34 Jahre alt, politischer Flüchtling aus Bangladesh und lebt in St. Gallen. Azam lacht viel, auch wenn er von der Gewalt in seinem Herkunftsland erzählt. Aber an einem Punkt stockt er und schluckt schwer. Es geht um den 15. Februar 2013.

«An diesem Tag wurde mein bester Freund Ahmed Rajib Haider ermordet», erzählt Azam. Islamisten überfielen den in Bangladesh bekannten Blogger vor seinem Haus und stachen ihn mit Fleischermessern nieder, bevor sie ihm die Kehle aufschnitten. «So wie es die Häscher von ISIS machen», sagt Azam. Ahmed war ein Aktivist und kämpfte mit Worten gegen den wachsenden Einfluss der Islamisten in Bangladesh. Er sagte offen, dass er nicht an Allah glaube, und war ein Aushängeschild der säkularen Bewegung, die eine Aufarbeitung der islamistischen Kriegsverbrechen bei der Abspaltung des Landes von Pakistan 1971 forderte. Damals waren bis zu drei Millionen Menschen von Islamisten ermordet und Hunderttausende von Frauen vergewaltigt worden. Die Islamisten töteten die ganze säkulare Elite. Der Konflikt ist die offene Wunde in der Gesellschaft des Landes.

Seit einem Militärputsch Ende der Siebzigerjahre lebten die meisten Täter wieder auf freiem Fuss. 2008 begann eine säkulare Regierung mit der juristischen Aufarbeitung der Verbrechen. Zehn Tage vor dem Mord an Ahmed war ein damals führender Kriegsverbrecher von einem Gericht verurteilt worden, was zu landesweiten Auseinandersetzungen geführt hatte.

Todesdrohungen nahmen zu

Man fand den toten Blogger in einer Blutlache, nicht einmal seine Freunde hätten ihn erkannt, schrieb ein Berichterstatter später. Azam, ein Aktivist wie Ahmed, verstand die Botschaft. «Von da an nahmen die Drohungen uns gegenüber zu», erinnert er sich. «Die Islamisten drohten offen damit, uns zu töten.» Azam hatte allen Grund, sie ernst zu nehmen. «Diese Leute haben keine moralischen Bedenken, das sind einfach Barbaren.»

Es begann die Zeit der Hetzjagd gegen alle, die sich irgendwie gegen den Einfluss des Islam im Land äusserten. Die Regierung versuchte, weiteres Blutvergiessen zu verhindern, und setzte sich gegen die bewaffneten Islamisten zur Wehr, was ihr prompt Kritik von Nichtregierungsorganisationen und westlichen Ländern eintrug. Darauf angesprochen sagt Azam: «Ich habe genug von diesen internationalen Leuten. Die haben der islamistischen Propaganda, unterstützt vom Sender Al-Jazeera, mehr geglaubt als uns, die gesehen haben, was passiert ist.» Warum, so fragt sich Azam, verurteilt der Westen die Verbrechen der Nazis, aber schweigt zu den drei Millionen Toten der Islamisten in Bangladesh?

Die Islamisten wurden immer brutaler. Der Polizei entglitt in der Folge jedoch zunehmend die Kontrolle. Insgesamt wurden neun Blogger-Freunde Azams und rund zwei Dutzend säkulare Journalisten von Islamisten getötet. Azam gewöhnte sich an, sich alle paar Schritte umzudrehen, um zu kontrollieren, ob ihn jemand verfolge. Er wechselte fast täglich seinen Aufenthaltsort, verlor seinen Job und damit sein Einkommen. «Nach drei Jahren war ich physisch, psychisch und finanziell am Ende.» Er sei zur Belastung seiner Freunde geworden, die ihn abwechselnd versteckt hätten. Zur Polizei zu gehen, sei keine Lösung gewesen. Einem Freund von ihm hätte die Polizei geraten, das Land zu verlassen. Wenige Tage später wurde auch er ermordet.

Sterben oder fliehen

Er habe irgendwann geahnt, dass er sterben werde, wenn er im Land bleibe. Darauf schrieb er mehreren westlichen Botschaften und bat um Hilfe. «Die Schweiz meldete sich zuerst, und ich bin sehr dankbar dafür», sagt Azam. Von hier aus schreibe er weiterhin für eine Republik, die den Menschen in Bangladesh diene und nicht dem Islam. Azam ist zuversichtlich: Die Islamisten seien auch schon stärker gewesen. «Wir waren vielleicht fünfzig Aktivisten damals, jetzt sind es Tausende, die auf Facebook diskutieren», so Azam.

Wie sollen wir mit dem Islam umgehen? Der salafistische Einfluss müsse radikal bekämpft werden, findet Azam. Der Westen sei da zu blauäugig. «Wenn die Diskriminierung von Mädchen und Frauen in der Verfassung verboten ist, dann müsst ihr das durchsetzen, auch gegenüber Imamen, die das verbreiten», findet er. Islam sei eine politische Ideologie, die zur Macht dränge, alles andere unterwerfen wolle. Das sei in der Lebensgeschichte Mohammeds so angelegt und deshalb im Koran allgegenwärtig. Diese islamische Ideologie müsse ideologisch bekämpft werden. Salafisten müssten des Landes verwiesen werden, wenn sie Ausländer seien, findet Azam.

Einmal sass er mit einem Asylbewerber aus Tschetschenien in einem Park. Als ein Mädchen im Minirock vorbeiging, sagte jener, er würde seine Frau bestrafen, wenn sie so herumlaufen würde. «Warum schaust du denn hin?», habe er ihn daraufhin gefragt. «Und warum bist du in die Schweiz und nicht nach Saudiarabien geflüchtet?»

«Ideologie bekämpfen»

«Man muss die Ideologie bekämpfen, nicht die Menschen», findet Azam. Darum sollten die liberalen Muslime gestärkt werden. In der Schweiz werde unter Integration bloss die Eingliederung in die Arbeitswelt verstanden. «Aber die Flüchtlinge müssen dieses Land und dessen Geschichte, die Kultur verstehen, damit sie sich integrieren können.» Hier müssten sie lernen, was individuelle Freiheit heisse, und dass dazu gehöre, den Islam zu verlassen.

In einem Flüchtlingsheim wohnte er mit einem gläubigen Muslim zusammen. Obwohl Azam sehr vorsichtig war, hatte dieser erfahren, dass er nicht an Gott glaubt. «Aber ich putzte ihm jeweils den Boden, damit er auf sauberem Untergrund seine Gebete verrichten konnte», erzählt er grinsend. Er habe ihn schliesslich gefragt, warum er das mache, wenn er doch nicht an Gott glaube. Azam entgegnete ihm: «Weil ich an dich glaube.» Von da an seien sie Freunde geworden.

Azam ist weiterhin ein bekannter Blogger in Bangladesh. Hat er noch Angst? Ganz verlassen hätten ihn die Bilder der Gewalt und der Verfolgung nicht, sagt er. «Die Islamisten haben mir auch gedroht, mich in der Schweiz zu töten», sagt Azam und lacht dazu. Jetzt bin ich es, der leer schluckt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.05.2018, 10:18 Uhr

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