Drehen im Kreis

Im Kreisel und um den Kreisel herum kreist der tägliche Wahnsinn. Eine Überforderung für viele Verkehrsteilnehmer.

Der Kreisel in Arlesheim.

Der Kreisel in Arlesheim. Bild: André Muelhaupt

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Der Kreisel, physikalisch gesehen, ist eine simple Sache: Es handelt sich um einen starren Körper, der um eine Achse rotiert. Der Kreisel, verkehrstechnisch betrachtet, ist komplexer. Nicht nur, dass er in diversen Spielarten in Erscheinung tritt – als Bypass-Kreisel beispielsweise, als Doppelkreisel, Grosskreisel, Mini-Kreisel oder Kreisel mit Tramspur, der im besten Fall schnörkellos gestaltet, in vielen Fällen leider künstlerisch dekoriert ist. Vielmehr stellt der Verkehrs-Kreisel, um es freundlich auszudrücken, eine tägliche Herausforderung, oder, deutlicher formuliert: eine Überforderung für viele Verkehrsteilnehmer dar.

Der erste Kreisel wurde in der Schweiz 1977 eröffnet. Man könnte nun meinen, nach 41 Jahren sei inzwischen allen Beteiligten einigermassen klar, wie man sich verhalten muss, wenn man in einen Kreisel einfahren, darin eine Runde drehen und ihn wieder verlassen will. Doch weit gefehlt: Der Kreisel, fast ein halbes Jahrhundert alt, ist noch immer ein Phänomen, das Irritationen, Unsicherheit, Ängste und Aggressionen auslöst.

Täglicher Wahnsinn

Ob es nun Automobilisten sind, die den im Kreisel geltenden Linksvortritt missachten; ob es sich um Velofahrer handelt, die andere Velofahrer bei der Kreiseleinfahrt rechts überholen und die Vorfahrt erzwingen; ob es Fussgänger sind, die jäh auf die Fahrbahn treten – im Kreisel und um den Kreisel herum kreist der tägliche Wahnsinn. Der Kreisel ist eine Arena, in der hupende Fahrzeuglenker und fluchende Pedaleure ein Theaterstück aufführen, das kein Schauspielhaus im Programm haben möchte.

Dass zur Frage «Wie verhalte ich mich im Kreisel korrekt?» stets neue Aufklärungsschriften und Broschüren publiziert werden – wen wunderts. Gerade eben haben der Verkehrs-Club der Schweiz und Pro Velo die Kampagne «Auf dem Velo im Kreisel in der Mitte fahren!» lanciert. Dieses Gebot gilt zwar seit beinahe drei Jahren. Doch wenn man es wagt, ihm als Velofahrer nachzuleben, muss man um sein Leben fürchten, weil dann Autofahrer nur Zentimeter hinter dem Schutzblech kleben. Was die Anwendung des Kreisel-Knigges betrifft, dreht sich die Schweiz im Kreis. Übrigens blinken viele Automobilisten nicht, wenn sie den Kreisel verlassen. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Erstellt: 11.09.2018, 14:42 Uhr

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