Generation Zahltag

Wenn die Generation Z ihre Ansprüche nicht der Realität anpassen, dann geraten sie in eine berufliche Misere.

Die jungen Erwachsenene und Jugendliche verhalten sich laut Jochen Mai ziemlich naiv.

Die jungen Erwachsenene und Jugendliche verhalten sich laut Jochen Mai ziemlich naiv. Bild: Keystone

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Ein Teil ist bereits da, ein anderer wird bald an der Türe zur Arbeitswelt klopfen. Die Generation Z, zu der gehört, wer zwischen 1995 und 2010 geboren wurde, tritt immer mehr in den Fokus. Studien haben gezeigt, dass die Z-ler ganz andere Vorstellungen von ihrem Berufsleben haben.

Konkret haben sie vor allem: ganz andere Erwartungen. Höhere Erwartungen. Jochen Mai, Gründer des Blogs Karrierebibel, erzählte der deutschen Zeitung Die Welt, wie er die Generation derzeit wahrnimmt: «Ich bemerke vor allem ein enormes Anspruchsdenken. Die Arbeit soll toll, bunt und schön sein, Massage am Nachmittag und Fitnesskurse gelten als ganz normal, 40 Tage Urlaub auch, und dann bitte als Einstiegsgehalt 80 000 Euro im Jahr.»

Generation Zahltag.

Für deutsche Verhältnisse sind das exorbitante, völlig unrealistische Zahlen. Selbst in der Schweiz ist ein solcher Lohn – inklusive üppiger Nebenleistungen im Softfaktoren-Bereich – als durchschnittliches Einstiegsgehalt unrealistisch, selbst für Studienabgänger. Doch woher kommen diese hohen Anforderungen, woher dieses schier überbordende Selbstvertrauen – wie also tickt die Generation Z?

Für eine Studie hat das private Institut für Generationenforschung 2300 Personen zwischen 16 und 23 Jahren befragt. Die Ergebnisse sind nicht gerade ermutigend. Studienleiter Lorenz Schlotter sagt der Welt: «Sehr viele junge Leute haben völlig unrealistische und überzogene Vorstellungen vom Berufsleben und von ihren eigenen Fähigkeiten.» Das ziehe sich quer durch alle Bildungsabschlüsse.

Was die Generation Z auch erwartet, sind moderne Führungsstrukturen. Forbes schreibt, dass die Vorgesetzten mit den Z-lern in stetem Austausch sein müssen, damit sich diese wohlfühlen. Feedbacks gehören da genauso dazu wie gemeinsame Meetings, um Strategien zu erörtern. Das Top-Down-Prinzip hat ausgedient. Aber das Moderne, Fortschrittliche hat auch Grenzen. Dann nämlich, wenn der Arbeitstag vorbei ist – und das sollte er nach acht Stunden dann sein, findet die Generation Z. Arbeit will sie keine mit nach Hause nehmen, dort habe der Beruf nichts zu suchen. Umgekehrt ist der Gebrauch sozialer Medien während der Arbeitszeit eine wichtige Forderung.

Für Jochen Mai ist klar: Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen verhalten sich ziemlich naiv, die Gefahr einer Enttäuschung ist gross, viel grösser als früher. Es erstaunt deshalb nicht, dass viele die Angst äussern, eine falsche Aus- oder Weiterbildung zu beginnen – weil sie sich fürchten, die falsche Entscheidung zu treffen.

Das ist nicht gerade ermutigend. Bereits jetzt gibt es zumindest eine Tendenz, dass Unternehmen auf all diese Forderungen nicht gerade begeistert reagieren – und deswegen vermehrt im Ausland nach Fachkräften suchen. Der Generation Z droht ein berufliches Debakel, wenn ihre Ansprüche nicht realistischer werden.

Die Smartphone-Generation ist jedoch damit aufgewachsen, auf sich selbst bezogen zu sein – und wird darum auch «Ich, ich, ich»-Generation genannt. Wenn dieser Egotrip flächendeckend Bestand hat, könnten die Folgen für alle einschneidend sein, denn dass dieser Trend schlecht für das wirtschaftliche Wachstum ist, versteht sich von selbst. Dieses Ungleichgewicht zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist beängstigend. Man wünscht sich, die Generation Z legte das Handy mal zur Seite, damit sie etwas weiter sieht als nur den Mikrokosmos des eigenen Seins. (Basler Zeitung)

Erstellt: 28.12.2018, 09:25 Uhr

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