Im Einsatz für die Ärmsten

Marjon Donselaar (54) leistete schon mehrere Einsätze für Médecins Sans Frontières.

Andere Welt: Marjon Donselaar mit einem Kleinkind während eines Einsatzes in Afrika.

Andere Welt: Marjon Donselaar mit einem Kleinkind während eines Einsatzes in Afrika.

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Hin und wieder sei sie an ihre Grenzen gestossen, erzählt Marjon Donselaar, Pflegefachfrau aus Basel und seit 2009 mehrfach im Einsatz für die Organisation Médecins Sans Frontières – Ärzte ohne Grenzen (MSF). «Im Niger arbeitete ich in einem Projekt für unterernährte Kinder. Da haben wir viele Dutzend kleine Kinder gepflegt, die ausgemergelt waren und Wunden auf der Haut hatten.» Die 54-Jährige hat jeweils mehrere Monate in Afrika und in Haiti verbracht.

Einige Erblebnisse während diesen Einsätzen brannten sich tief in die Erinnerung von Donselaar ein. So etwa die Erlebnisse mit einem achtjährigen Jungen. Er trug den ungewöhnlichen Namen «Methode» und wurde positiv auf die Schlafkrankheit getestet. «Wird sie nicht behandelt, verläuft die Krankheit fast immer tödlich», so Donselaar. «Es zeigten sich bei Methode bereits Beeinträchtigungen im Gehirn.»

Sie hat den Jungen umsorgt, mit ihm gespielt, mit ihm gezeichnet und gelacht. Der Junge wurde wieder gesund. «Es war nicht einfach, als ich ihn wieder gehen lassen musste», sagt sie. «Es kommt immer wieder vor, dass man mütterliche Gefühle für Kinder entwickelt.»

Keine Entwicklungshilfe

Dass Donselaar schon mehrfach für MSF nach Afrika reiste, hat auch etwas mit ihrer Vergangenheit zu tun. «Ich bin Holländerin, und Holland hatte Kolonien. In der Schule hörten wir viel beispielsweise vom Leben in Südafrika, und das hat mich immer sehr interessiert. In meinem Umfeld habe ich zudem Werte mitbekommen, dass es wichtig ist, anderen zu helfen, so wollte ich diese beiden Dinge kombinieren.»

Marjon Donselaar über ihre Arbeit für Médecins Sans Frontières. Video: Mischa Hauswirth

Entscheidend war aber das Interesse an Pflege und Medizin. «Ich komme ursprünglich nicht aus der Kinderpflege und habe bei MSF neben den beruflichen Dingen auch persönlich sehr viel gelernt.» Bei den Einsätzen in Dörfern oder abgelegenen Krankenstationen sei man viel auf sich selber gestellt. Eine solche Zusatzerfahrungen zu machen, könne auch eine Motivation sein, sich für MSF zu engagieren. Andere, so etwa die Logistiker, würden neben der humanitären auch eine technische Motivation haben. Es gibt Ärzte, die diese Einsätze als Teil ihrer Ausbildung ansehen, und es gibt Projektleiter, die ihr Leben lang nichts anderes tun.

Die MSF-Einsätze sieht Donselaar nicht als Entwicklungshilfe. «Wir sind oft wie Feuerlöscher – wir kommen und behandeln beispielsweise die Schlafkrankheit oder die Unterernährung, aber wir bekämpfen nicht die Ursachen.»

Kulturschock nach Rückkehr

In Niger zum Beispiel gebe es viele unterernährte Kinder, und das hänge mit der Trockenzeit zusammen, erzählt Donselaar. «Wenn es regnet, haben die Familien zu essen. Sobald dann aber der Regen für längere Zeit ausbleibt, haben die Menschen wieder zu wenig zu essen.» Da kommt natürlich manchmal die Frage auf, ob es nicht besser wäre, sich anders, sprich: langfristiger zu positionieren, als MSF dies tut. «Aber man kann nicht beides gleichzeitig machen. Das würde bedeuten, dass ich mich bei einem längeren Projekt verpflichten müsste. Das könnte bedeuten, für drei Jahre in einem solchen Land zu leben. Und ich persönlich finde es gut zu gehen, aber auch nach ein paar Monaten wieder zurückzukommen», sagt Donselaar.

Nach einem Einsatz, braucht sie immer wieder eine längere Angewöhnungsphase in der Schweiz. Manchmal, erzählt sie, sei der Kulturunterschied ein regelrechter «Schock». Hier seien ganz andere Dinge wichtig als in Afrika, oft stehe das Materielle im Vordergrund, während die Leute in armen Gegenden von Afrika mit ganz anderen Problemen kämpfen.

Dass sie etwas tut, von dem die meisten Leute hier kaum Notiz nehmen, stört sie nicht: «Man darf nicht von sich verlangen, dass man die ganze Welt retten kann. Mir war immer nur wichtig, vor Ort im Kleinen etwas bewirken zu können. Ich glaube, das gelingt mir.»

Erstellt: 11.09.2018, 10:56 Uhr

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