Karriereweib oder Hausfrau

Ledige Studentinnen reduzieren ihre Karriereambitionen, weil ihre Prioritäten auf dem Heiratsmarkt liegen.

Um an der Uni ihre Matching-Chancen zu erhöhen, stellen Studentinnen ihre Ambitionen bescheidener dar, als sie es sind.

Um an der Uni ihre Matching-Chancen zu erhöhen, stellen Studentinnen ihre Ambitionen bescheidener dar, als sie es sind. Bild: Keystone

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Die Universität ist für ledige Studentinnen oft ein Heiratsmarkt. Das zeigt eine Umfrage unter Studienabgängern der Harvard Business School aus dem Jahr 2015. Danach waren mehr als 30 Prozent der Absolventinnen, die noch keine 30 Jahre alt waren, mit einem ehemaligen Mitstudenten verheiratet.

Das beeinflusst ihr Verhalten. Um an der Uni ihre Matching-Chancen zu erhöhen, stellen Studentinnen ihre Ambitionen bescheidener dar, als sie es sind. Das steht ihnen später bei der Jobsuche im Weg, wie eine Studie in einer der bedeutendsten Fachzeitschriften für Ökonomen ergibt.* Ledige Studentinnen reduzieren ihre Karriereambitionen, weil ihre Prioritäten auf dem Heiratsmarkt liegen.

Sie haben internalisiert, dass Männer Frauen vorziehen, die beruflich weniger ambitiös sind als sie selbst, wie zahlreiche Studien zeigen. Ledige Frauen seien demnach vor eine schwierige Wahl gestellt: Streben sie eine Job-Karriere an oder wollen sie für potenzielle Ehepartner attraktiv sein?

Das Resultat der Untersuchung ist erstaunlich.

Ledige Studentinnen haben sich entschieden, zumindest in den USA: Sie wollen bei ihren männlichen Kollegen den Eindruck vermeiden, ehrgeizige und karrieresüchtige Weibsbilder zusein.

Um diese These zu prüfen, stellten Verhaltensökonomen verheirateten und ledigen Studentinnen in einer Feldstudie dieselben Fragen über ihre Berufsvorstellungen und Salärerwartungen. Den Teilnehmerinnen wurde gesagt, dass es sich dabei um die Abklärung ihrer Aussichten auf dem Jobmarkt handeln würde.

Die Versuchsanordnung bestand aus zwei Gruppen. Einem Teil der Teilnehmerinnen wurde versichert, dass niemand ihre Antworten sehen werde. Den anderen wurde gesagt, dass ihr ausgefüllter Fragebogen später im Unterricht mit ihrem Namen diskutiert werde.

Das Resultat der Untersuchung ist erstaunlich. Ledige Studentinnen, die davon ausgingen, dass Klassenkameraden ihre Antworten einsehen können, gaben sich bei Lohnfragen zurückhaltender als ihre verheirateten Kommilitoninnen, und sie zeigten weniger Interesse an Geschäftsreisen oder langen Arbeitstagen. Verheiratete Studentinnen legten demgegenüber einen ähnlichen Ehrgeiz an den Tag wie Männer, die denselben Fragebogen ausgefüllt hatten. Ihre Antworten waren von der Frage unbeeinflusst, ob ihre Antworten unter ihrem Namen oder aber anonym veröffentlicht würden.

Falls die Studienergebnisse die Realität reflektieren, mindern Studentinnen ihre Karrierechancen bereits an der Uni.

So führte die Ankündigung, dass ihr ausgefüllter Fragebogen unter ihrem Namen zugänglich sein werde, bei ledigen Studentinnen zu massiv tieferen Lohnerwartungen. Sie nannten als Lohnvorstellung ein Jahresgehalt von 113'000 US-Dollar. Beantworteten die ledigen Studentinnen die Fragen hingegen im Glauben, dass die Antworten anonym veröffentlicht würden, kletterten ihre Gehaltsvorstellungen auf über 130'000 US-Dollar.

Die Frage der Anonymität erwies sich bei weiteren Themen ebenfalls als relevant, etwa bei ihrer Bereitschaft zu Geschäftsreisen. Wurde den Studentinnen Anonymität zugesichert, gaben sie 14 Tage pro Monat an. Mussten sie damit rechnen, dass ihre Antworten in den Vorlesungen unter Nennung ihres Namens genannt werden, lautete die Antwort sieben Tage. Ebenso bescheidener als die verheirateten Kommilitoninnen gaben sich die ledigen Studentinnen im Fall der Namensnennung, wenn es um die Beschreibung ihrer Karriereziele oder um die Selbsteinschätzung ihrer Führungsqualitäten ging.

Fazit: Falls die Studienergebnisse die Realität reflektieren, mindern Studentinnen ihre Karrierechancen bereits an der Uni. Die oft beschworene gläserne Decke wäre dann selber verschuldet.

* Bursztyn, Leonardo, Thomas Fujiwara and Amanda Pallais. 2017. «›Acting Wife›: Marriage Market Incentives and Labor Market Investments.» American Economic Review, 107(11): 3288-3319 (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.12.2017, 10:59 Uhr

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