Lewis Hamiltons «Sündenfall»

«Buben tragen keine Prinzessinnenkleider», sagte Lewis Hamilton zu seinem Neffen. Die Wut der Blockwarte der politischen Korrektheit war grenzenlos.

Lewis Hamilton ist unter dem Druck des tyrannischen Cybermobs zu Kreuze gekrochen.

Lewis Hamilton ist unter dem Druck des tyrannischen Cybermobs zu Kreuze gekrochen. Bild: Keystone

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Nun hat es Lewis Hamilton erwischt. Kurz nachdem der Formel-1-Champion ein kleines Video vom Weihnachtsfest mit seiner Familie auf Instagram gestellt hatte, brach ein Shitstorm über ihn herein. In den sozialen Medien bebte die Empörung, Teile der Presse zeigten sich «entsetzt» und Aktivisten der Schwulen- und Transenbewegung forderten ihn zu Reue und Wiedergutmachung auf. Was hatte der Rennfahrer verbrochen?

Das Video zeigt ihn mit seinem kleinen Neffen. Der Junge trägt ein blaurosafarbenes Prinzessinnenkleid, und Lewis fragt ihn, ob er das Kleid zu Weihnachten bekommen habe. Der Kleine bejaht lachend, worauf Onkel Lewis mit gespielter Strenge meint: «Buben tragen keine Prinzessinnenkleider.» Wieder lacht der Junge, und die ganze Szene strahlt eine familiär-vertraute und fröhliche Stimmung aus, was von den Hamilton-Anklägern jedoch komplett anders dargestellt wurde. Dieser habe den Buben angebrüllt, verurteilt, verhöhnt, beschimpft, verspottet, beschämt, geiferten sie in Entstellung des Offensichtlichen. Hamilton hatte gewagt zu sagen, dass Jungen keine Mädchenkleider tragen sollen, und sich damit die Wut der Blockwarte der politischen Korrektheit zugezogen. Darin liegt die groteske Pointe der Hatz auf den Rennfahrerstar: Die selbst ernannten Hüter von Toleranz, Weltoffenheit und Gender-Vielfalt reagieren mit hysterischer Unduldsamkeit auf Meinungen, die von den eigenen abweichen. Der Andersdenkende wird charakterlich diffamiert, seine Auffassungen würde man am liebsten unter Strafe stellen.

Hamilton ist unter dem Druck des tyrannischen Cybermobs zu Kreuze gekrochen. «Ich bedauere mein Verhalten zutiefst», teilte er in einem von mehreren Reue-Tweets mit, und er habe nun begriffen, «dass es nie akzeptierbar ist, irgendjemanden zu marginalisieren oder zu stereotypisieren». Dieses in der Sprache der neuen Meinungspolizei verfasste Schuldbekenntnis ist entwürdigend. Dass Jungen keine Mädchenkleider tragen sollen, ist eine harmlose, weltweit geteilte, vollkommen legitime Meinung. Und gewiss keine weniger vernünftige als jene exaltierte Meinung führender Gender-Ideologen, die 60 diverse Geschlechtsidentitäten behauptet. Hamilton muss sich für nichts entschuldigen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.01.2018, 10:09 Uhr

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