Tampon schwingende Furien vielleicht?

Christa Rigozzi sei keine Feministin, weiss der «SonntagsBlick». Was ist damit gemeint?

Sie kämpfe für ihre Rechte als Frau, sagt Christa Rigozzi. Foto: Thomas Burla

Sie kämpfe für ihre Rechte als Frau, sagt Christa Rigozzi. Foto: Thomas Burla

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Mit gewissen Begriffen wird besonders gern Schindluder getrieben. An vorderster Front: «Feminismus». Am Sonntag brachte der «SonntagsBlick» die moderne Gretchenfrage im grossen Interview mit Ex-Miss Christa Rigozzi: «Wie halten sie es mit dem Feminismus?» Und Rigozzi, die am selbigen Tag eine «Arena» zum Thema Frauenrechte moderierte, wand sich wie weiland Doktor Faustus. Sie kämpfe für ihre Rechte als Frau, sagte sie. Sie unterstütze es, wenn Frauen dieselben Positionen anstrebten wie Männer. Sie sei für Gleichberechtigung, auch Lohngleichheit befürworte sie. Einzig eine staatlich verordnete Quote lehne sie als selbstständige Unternehmerin ab.

So weit, so aufschlussreich. Der Journalist will es aber genau wissen: «Als Feministin würden sie sich nicht bezeichnen?», fragt er leicht suggestiv. Rigozzi, ganz die Diplomatin, holt erneut aus. Als Moderatorin müsse sie neutral sein, auch sei sie keine Freundin von Etiketten, sie wolle lieber kämpfen, als sich ein Label anzuheften. Deshalb nein. Als Feministin würde sie sich nicht bezeichnen. Und was tut der «SonntagsBlick» mit dieser Aussage? «Ich bin keine Feministin», steht als Zitat unter ihrem Bild auf der Titelseite.

Nicht gleich wie Männer, aber gleichwertig

Ach ja? Journalisten verkürzen immer, Titel spitzen immer zu. Nur sollten sie dabei den Inhalt des Artikels oder des Interviews auf den Punkt bringen. Wenn Rigozzi «keine Feministin» sein will und der «SonntagsBlick» das zu ihrer Hauptaussage macht, dann fragt man sich, was diese Leute unter Feminismus und Feministinnen eigentlich verstehen. Tampon schwingende Furien vielleicht?

Dabei ist es einfach: Feminismus ist keine geschützte Marke, seine Ausprägungen sind so verschieden wie die Frauen, die ihn vertreten. Er ist ein grundsätzliches Bekenntnis dazu, dass Frauen zwar nicht gleich sind wie Männer, aber gleichwertig. Und dass sie selber über ihr Leben und ihre Geschlechtsteile bestimmen wollen. Es wäre doch erstaunlich, wenn Frau Rigozzi dagegen etwas einzuwenden hätte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.11.2018, 21:24 Uhr

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