Wenn das Denken baden geht

Im Zuge der Klima-Hysterie ist zu befürchten, dass noch vor den Gletschern das menschliche Denken den Hitzetod stirbt.

Bei Hitze-Hickhack hilft nur cool bleiben.

Bei Hitze-Hickhack hilft nur cool bleiben. Bild: Keystone

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Bei 23 Grad Celsius, habe ich gelesen, sei die Denkfähigkeit der Leute am besten, dann nehme sie ziemlich rasch ab, und ab 27 Grad sacke sie regelrecht zusammen. Nun ist es mit Studien zwar so eine Sache, aber diese liess sich ja in den letzten Wochen quasi in Echtzeit verifizieren. Und was der Hitzesommer an intellektuellen Sonderleistungen hervorgebracht hat, schien den Befund der Studie glasklar zu belegen, ja es nährte gar die Befürchtung, dass noch vor den Gletschern das menschliche Denken den Hitzetod sterben könnte.

Da sass man beispielsweise in der Gluthitze eines SBB-Wagens und liess sich von einem leicht gereizten Zugbegleiter erklären, dass – doch, doch – die Klimaanlage sehr gut funktioniere, aber die Bahnwagen grundsätzlich nie mehr als vier Grad unter Aussentemperatur gekühlt würden. Eingedenk der Abwärme der Sitznachbarn und der ans Fenster brennenden Sonne war das Skurrilste an der Belehrung das Wort «gekühlt».

Cool bleiben

Was soll’s, cool bleiben und dafür ab und zu ein zweimonatiges Sabbatical beziehen, hat uns ja der oberste SBB-Chef höchstpersönlich mitten im Hitzesommer empfohlen. Was unsere Studie ebenfalls bestätigt: bei milden Frühlingstemperaturen wäre ihm bestimmt etwas Gescheiteres eingefallen.

Bei der CVP, die bekanntlich in der SBB-Führung sehr stark vertreten ist, hat man ohnehin ein spezielles Verhältnis zum schwitzenden Mitbürger. So forderte die Partei mitten in der Bruthitze im Titel eines Communiqués: «Nachhaltige Klimapolitik statt energieintensive Klimaanlage». Erreichen will sie dies mittels «ökosozialer Marktwirtschaft». Wahrscheinlich muss man sich darunter etwas Ähnliches vorstellen wie das, was beim Elektrogerätehändler im Regal bleibt, wenn sämtliche Kühlgeräte ausverkauft sind.

Alle Jahre wieder sind die Hitzetage auch die hohe Zeit für jene, die es immer schon gewusst haben. Einige wissen es schon so lange immer schon, dass es der Leserschaft gar nicht mehr auffällt, dass bereits die übernächste Generation von Jungjournalisten die Expertenkommentare tief beeindruckt mit der Formulierung einführt: «Sogar der sonst so besonnene Professor Soundso redet jetzt Klartext!»

Hitze-Hickhack

Neben den vielen Mahnern gibt es immer auch die Konstruktiven und ihre Vorschläge, wie wir uns besser auf die Klimaerwärmung einstellen könnten. Vermehrt Bäume in Städten pflanzen, lautet ein Evergreen. Eigentlich müsste das selbstverständlich sein. Doch ausgerechnet in den grünlinks regierten Städten und ihrem Umland passiert seit Jahren das pure Gegenteil: Alleen und Bäume verschwinden, und beidseits der Schnellstrassen und Autobahnen werden breite, todesstreifenartige Bänder kahlgeschlagen.

Hunderttausende von Mitbürgerinnen und Mitbürgern bekommen das alljährliche Hitze-Hickhack aber ohnehin lediglich aus der Ferne mit. Sobald im Fernsehen nur noch die allsommerlichen Wiederholungsfilme gezeigt werden, düsen sie ab in den Süden und grillieren an je nach Ferienbudget mehr oder weniger vollgepferchten Stränden. Zurück zu Hause, präsentieren sie dann unauffällig auffällig ihre Ferienbräune, schwärmen von der fantastischen Sonne und von Nächten, in denen das Thermometer nie unter 27 Grad fiel. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.08.2018, 11:39 Uhr

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