«Ich finde die Kälte nicht tragisch»

Den Luzerner Andreas Hutter lässt die Kältewelle ziemlich kalt. Der Abenteurer, der neun Monate lang mit Hundeschlitten am Yukon unterwegs war, weckt in Liestal und Basel Fernweh mit seiner «Live-Reportage».

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Im Bundesstaat Yukon herrschen zurzeit Temperaturen zwischen -20 und -30 Grad Celsius, also noch ein wenig kälter als im Schweizer Flachland. In jener Gegend im Nordwesten Kanadas war Andreas Hutter vor 22 Jahren neun Monate lang mit Hundeschlitten unterwegs. «Jeder gewöhnt sich an die Kälte, wenn er ihr lange ausgesetzt ist», sagt der heute 48-Jährige. Das sei eine Einstellungssache.

Hutter ist ein Vollblut-Abenteurer. Seine Bilder aus den abgelegensten Ecken dieser Erde wecken das Fernweh. Mit dem Velo durch Nordafrika, im Kanu durch den Yukon, auf dem Pferd durch die Mongolei – schon beim Lesen von Hutters Reiselebenslauf zieht es einen in den nächsten Outdoor-Laden. Ein liebstes Fortbewegungsmittel hat der Luzerner aber nicht: «Die Art des Reisens hängt stark von der Gegend ab. In Patagonien und der Mongolei ist das Pferd am geeignetsten, in Kanada bevorzuge ich im Sommer das Kanu und im Winter den Hundeschlitten.» Diese drei Regionen haben es dem gelernten Elektroniker besonders angetan. «Ich kehre gern immer wieder an dieselben Orte zurück. So kann ich in die Tiefe gehen und die Leute kennenlernen», sagt Hutter.

«Mongolisch lernt man nicht von heute auf morgen»

Der Abenteurer ist nicht einfach ein Tourist. Er hat den hehren Anspruch, sich in jedem Land mit den Einheimischen in deren Landessprache zu unterhalten. «Schon allein deshalb musste ich immer wieder in die Mongolei zurück. Mongolisch lernt man nicht von heute auf morgen», erklärt Hutter. Vielleicht ist dies das Geheimnis, warum Hutter heute als Profi-Abenteurer seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Seinen gelernten Beruf gab er auf, kaum hatte ihn das Reisefieber richtig gepackt. Er unternahm monatelange Expeditionen, schrieb Bücher und drehte Dokumentarfilme. Im Jahr 2001 schliesslich gründete er die Eventagentur Explora.

Trotz der vielen reizvollen Gegenden, die er bereist hat – Andreas Hutter gefällt es in der Schweiz immer noch am besten. «Ich wollte nie woanders leben. Hier bin ich zu Hause, und die Schweiz hat mir schliesslich die ganzen Reisen überhaupt erst ermöglicht», sagt der Luzerner. Und so muss sich Hutter dieser Tage wie jeder andere Schweizer mit den ungewohnt tiefen Temperaturen auseinandersetzen. «Am besten gegen Kälte ist immer noch Bewegung», sagt der erfahrene Abenteurer. Und auch wenn er auf seinen Reisen schon Schlimmeres erlebt hat, gibt er zu: «Auch ich friere, wenn ich abends aus dem Büro gehe. Man gewöhnt sich schnell wieder ans Stadtleben.» Nichtsdestotrotz bleibt eines der verbleibenden Ziele Hutters die Überwinterung in Kanada. Man zweifelt nicht daran, dass der 48-jährige Familienvater sich auch diesem Kälte-Abenteuer stellen wird.

Live-Reportage «Der Abenteurer – Andreas Hutter»: Am Montag, 6. Februar, im Hotel Engel in Liestal und am Mittwoch, 8. Februar, im Hans Huber Saal des Stadtcasinos Basel (jeweils um 19.30 Uhr). (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.02.2012, 09:58 Uhr

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