Sommerproblem: Die Angst vor der Platte

Im Vokabularbuch ist mir ein Wort aufgefallen, auf das ich eingehen möchte: Klatarismenophobie – die Angst vor einem platten Pneu!!

Die meisten reisen natürlich mit dem lieben Auto ans Mittelmeer, an die Adria oder an den Atlantik, mit vielen Stunden Stau und Stress.

Die meisten reisen natürlich mit dem lieben Auto ans Mittelmeer, an die Adria oder an den Atlantik, mit vielen Stunden Stau und Stress. Bild: Keystone

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Die Sommerferien haben begonnen, und der grosse Exodus ist losgetreten. Viele Menschen zieht es wie jedes Jahr in den Süden und ans Meer. Die meisten reisen natürlich mit dem lieben Auto ans Mittelmeer, an die Adria oder an den Atlantik, mit vielen Stunden Stau und Stress. Dabei passieren Pannen, die der Horror für jeden Automobilisten sind.

Im Vokabularbuch ist mir ein Wort aufgefallen, auf das ich eingehen möchte: Klatarismenophobie – die Angst vor einem platten Pneu!! Diese Angst hat sich bei mir über die Jahre auch entwickelt, und ich kontrolliere vor jeder längeren Reise, ob ich Nägel oder Schrauben oder Glassplitter in den Pneus habe. Ich bin also ein Bona-fide-Klatarismophobe! Dabei bleibt mein «Check» nicht nur bei den Pneus, sondern auch bei der Durchfahrt von grösseren Baustellen, wovon wir in unserer Stadt genug haben. Ich passe immer auf, über welche Unebenheiten oder Geröll ich fahre.

Natürlich habe ich im Alltag andere Sorgen, wie die geopolitische Situation (Handelskrieg zwischen den USA und dem Rest der Welt; Nordkorea; Mittlerer Osten), die hohen Rechnungen der Krankenkassen, die Fussball-WM mit den korrupten Funktionären (haben Sie am Sonntagabend das Gesicht von Infantino zwischen dem König von Spanien und Premier Medwedew gesehen? – wie aus dem Film «Der Pate»!) oder mein Gewicht (das ich mittlerweile unter Kontrolle habe).

Nützlich im kleinen Universum

Jetzt jedoch zurück zum grossen Thema: Klatarismenophobie. Es ist bei mir so weit ausgeprägt, dass ich beim Spazieren durch die Stadt immer darauf achte – nicht nur bei Baustellen –, ob Objekte auf der Strasse oder am Strassenrand sind, die eine Gefahr für unsere Pneus bedeuten. Wenn ich etwas entdecke, was zu einem Desaster führen könnte, lese ich es auf und schmeisse es in den nächsten Abfallkübel! Ich fühle mich dabei sehr gut und denke mir, dass ich damit einen Beitrag zum «Grossen Ganzen» leiste. Nicht nur das, ich fühle mich auch nützlich, im kleinen Universum der Stadt Basel bei der Abfallentsorgung zu helfen!

Das kann so weit führen, dass wenn ich eine Schraube oder einen Nagel finde, ich eine Kaskade von unglücklichen Folgen verhindern kann. Zum Beispiel: das Platzen eines Pneus auf der Autobahn, was das Auto zum Schleudern bringt, eine Massenkarambolage erzeugt, wobei 8 Personen dabei sterben und dabei ein junger Wissenschaftler ums Leben kommt, der vielleicht eines Tages eine bahnbrechendes Medikament gegen Krebs erfunden hätte. Das konnte ich mit einer kleinen Tat verhindern – it makes my day!

Werden Sie zum freundlichen Klatarismenophobe!

Ich bin sicher, dass Klatarismenophobie psychologisch tiefer geht, aber es ist mir eigentlich wurscht! Sicherlich gibt es Psychologen, die schon Personen mit einer solchen Phobie behandelt haben, aber ich möchte mich nicht auf das Sofa eines Psychologen legen, um diese Phobie zu bekämpfen (und die Kosten der Krankenkasse zu belasten), denn ich mag meine Phobie recht gut. Ich kann der Allgemeinheit damit helfen. Also, jetzt, wo viele von Ihnen in die Ferien fahren, achten Sie auf Gegenstände, und werden Sie zum freundlichen Klatarismenophobe!

Frei nach Wilhelm Busch: «Wer andern gar zu wenig traut, hat Angst an allen Ecken; wer gar zu viel auf andre baut, erwacht mit Schrecken.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 03.07.2018, 10:08 Uhr

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