Geh shoppen, Mode-Muffel!

Gewisse Männer zelebrieren gerne Mode-Ignoranz und Einkaufsaversion. Damit muss Schluss sein. Eine Polemik.

Keine Lust auf Handtaschen: Eines der Opfer auf dem Instagram-Account «miserable_men».

Keine Lust auf Handtaschen: Eines der Opfer auf dem Instagram-Account «miserable_men».

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Im Internet: Alle lachen gerade über diese bedauernswerten Geschöpfe. Auf dem Boutiquesessel sind sie erschöpft eingeschlafen, auf der Treppe im Einkaufszentrum in sich zusammengesunken, Kleiderläden und Mode haben sie gebrochen – «Ain’t shopping hell?». «Miserable_men» heisst der Instagram-Account, auf dem die Bilder zu finden sind; Dutzende von Männern, die auf ihre shoppende Gattin warten.

Auf einem Plakat in Zürich: Der Schauspieler James Franco wirbt für die «Man Box» von Zalando. Die soll dem Mann das Kleiderkaufen erleichtern; mit Outfit-Vorschlägen und wenigen Mausklicks. Weil Männer «nicht gerne shoppen», so Franco im dazugehörigen Werbespot, sondern lieber «fischen, kochen, Entscheidungen fällen».

Es ist eine leidige Geschichte mit den Männern, der Mode und dem Einkaufen. Tatsächlich zelebrieren nicht wenige meiner Geschlechtsgenossen gerne ihr Dasein als Shopping-Muffel – selbst wenn es um die eigene Ausstattung geht. Firmen wie Outfittery oder Zalando wiederum haben das Klischee zum Geschäftsmodell gemacht: Der Mann erhält sein Outfit per Post, zusammengestellt von einer Modeberaterin. Im Ernst? Das ist, als ob euer Mami die Kleider für den nächsten Bürotag bereitlegen würde.

Cool wie Bond, aber nichts dafür tun

Viel erschreckender finde ich, wie viele Männer gleich in der allumfassenden Mode-Ignoranz leben. Sie streifen über, was halt noch zu Hause rumliegt: den Anzug mit den zu langen Ärmeln, die formlosen Bequemhalbschuhsneakers, das ausgebeulte Cord-Jackett von 2002. Ich verstehe das nicht. Ihr verehrt Barney Stinson («How I Met Your Mother») und sein Motto «Suit up!», «Anzug an!». Die Hälfte von euch wäre gerne stilvoll und cool wie James Bond. Nur selber etwas für eure Coolness und Souveränität tun, das wollt ihr nicht.

Herrgott noch mal, Männer, reisst euch zusammen. Mode macht Spass, und Lädele hat Stil. Ich sag euch jetzt, wie das funktioniert: Erstens, studiert die Modeikonen. Welche T-Shirts zieht David Beckham zu den schwarzen Rockerjeans an? Welche Schuhe trug Steve McQueen in «Bullitt» zum blauen Turtleneck? Welche Art Hemd trägt Daniel Craigs Bond in «Skyfall» unter dem schwarzen Pulli? Zweitens, geht auf die Modeblogs. Jene mit den Fotos modischer Passanten aus aller Welt. Was trägt der gesetzte Geschäftsmann aus Mailand am Handgelenk? Welche Socken trägt er, um den klassischen Anzugschuh aufzulockern? Drittens, sucht, was euch davon gefällt. Recherchiert die Marken und deren Alternativen. Geht in die Läden, probiert die Sachen an. Spätestens, wenn ihr in diesem blauen Pulli mit V-Neck vor dem Spiegel steht, wenn ihr seht, wie gut das Stück eure Schultern betont, dann werdet ihr mir glauben.

So, jetzt legen wir erst so richtig los: Geht mit eurer Partnerin zum Kleiderkauf! Streift mit ihr durch die Boutique, zieht ihr vielleicht sogar mal davon durch die Reihen von Jupes, Tops und Jäckchen. Und zeigt dann auf diese schwarze Bluse. Ihr wisst schon, jene mit dem skandinavisch-langen Schnitt, der ihr doch derzeit so gut gefällt. Glaubt mir: Nichts hat so viel Coolness und Souveränität wie ein gut gekleideter Mann, der selbstbewusst seiner Partnerin beim Shoppen hilft. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.03.2017, 17:39 Uhr

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