Kommentar

Eine Basler Zeitung für alle Basler

Wird aus der Basler Zeitung ein national-konservatives Kampfblatt? BaZ-Chefredaktor Markus Somm nimmt Stellung.

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Am Wochenende hat die «NZZ am Sonntag» bekannt gemacht, dass die Firma Robinvest, die dem Politiker und Unternehmer Christoph Blocher gehört, die Basler Zeitung Medien berät. Es handelt sich um ein Mandat, das sich vor allem auf den industriellen Bereich des Basler Unternehmens bezieht; im Wesentlichen geht es darum, die Rentabilität der Firma zu sichern. Von einem publizistischen Beratungsmandat war nie die Rede und wird nie die Rede sein. Selbstverständlich glaubt das niemand.

Vielleicht versuche ich es auf diesem Weg: Es ist seit Langem aktenkundig, dass ich Christoph Blocher gut kenne. Dass ich in manchen politischen Fragen, wenn auch nicht allen, mit ihm übereinstimme: Daraus habe ich nie ein Geheimnis gemacht. Wer mein Verhältnis zu ihm ergründen möchte, kann sich an eine 550 Seiten starke Biografie halten, die ich über ihn geschrieben habe. Das Buch ist kein vernichtendes Pamphlet, aber auch keine unkritische Hymne. Es ist in erster Linie dick. An Blocher kann und darf man vieles bemängeln.

Zürcher Verlage warten auf unseren Untergang

Aber warum sollte ausgerechnet ich von ihm publizistisch beraten werden? Ich weiss, wie er denkt. Hin und wieder hat er recht, manchmal nicht. Vor allem ist er kein Journalist. Sein Rat wäre wenig hilfreich. Es geht um andere, ernstere Fragen: Die Basler Zeitung Medien ist ein Konzern, der Probleme hat. Dass sich eine solche Firma von einem externen Berater Hilfe holt: Das ist verständlich. Wenn dieser Berater Blocher heisst, weil er den Eigentümern seit Langem vertraut ist: Wo ist der Skandal? Es muss im Interesse der Region Basel liegen, eine eigene Zeitung zu bewahren. Wenn diese Tageszeitung scheitert, wird hier nie mehr ein unabhängiges und eigenständiges Blatt produziert werden. Die Zürcher Grossverlage warten mit Interesse auf den Untergang.

Dass eine Region wie Basel, die sich – zu Recht – für weltoffen und liberal ansieht, mit Unbehagen die Vorgänge bei der BaZ verfolgt: Dafür habe ich Verständnis. Doch man macht sich Sorgen aus dem falschen Grund. Ich halte fest: Auf den Inhalt der Basler Zeitung hat Blocher noch nie Einfluss genommen. Er wird es nie tun. Ich bin der Erste, der mein Amt sofort zur Verfügung stellt, wenn dem je so sein sollte. Das gilt im Übrigen für jeden Versuch, mich politisch zu lenken – ganz gleich von welcher Seite. Ich bin seit Jahren Journalist. Wenn ich eine Meinung äussere, dann weil ich zu diesem Schluss gekommen bin, nicht weil ein anderer mir das vorgegeben hätte. Ich höre auf Argumente, nicht auf Befehle.

Wettstreit der Meinungen

Die Basler Zeitung ist und bleibt unabhängig von jedem Politiker und jeder Partei. Den publizistischen Kurs bestimme ich – zusammen mit den vielen fähigen Kollegen und Kolleginnen in der Redaktion. In den vergangenen zwei Monaten, seit ich mein Amt übernommen habe, ist das eingehalten worden, was ich von Anfang an als mein Programm angekündigt hatte: In dieser Zeitung streben wir einen Wettstreit der Meinungen an. Oft führt das zu einer gewissen Spannung zwischen rechten und linken Positionen, immer aber verspricht es eine Debatte. Manche regt das auf, andere verstört es, dritte spricht das an: wenn es nur niemanden langweilt. Im Grunde schwebt mir eine Renaissance vor. Jene beiden einst in der ganzen Schweiz geachteten Zeitungen aus Basel sollen wiedererstehen in einem einzigen Blatt: Die eher konservativen «Basler Nachrichten» auf der einen Seite und die linksliberale «National-Zeitung» auf der anderen. Dafür stehe ich ein. Nicht erst heute, sondern schon gestern und auch morgen. Niemand plant hier ein Parteiblatt, weder für Basel noch für die ganze Schweiz.

Wer die Zeitung seit meinem Amtsantritt verfolgt hat, kann sich die Mühe machen, die Kommentare auszuzählen. Unter dem Strich erschienen vermutlich mehr Wortmeldungen, die nicht meiner Meinung entsprachen – die ich als wirtschaftsliberal im klassischen Sinne bezeichnen würde. Das erdulde ich nicht einfach zähneknirschend, sondern begrüsse es. Noch nie habe ich einen Kommentar unterdrückt oder zurückgewiesen, wenn die Qualität stimmte, auch wenn der Autor meinen Ansichten widersprach.

Wider den Strom

Welche Zukunft hat die Basler Zeitung vor sich? Ich bin überzeugt, dass eine Tageszeitung, die ab und zu dem Kanon der übrigen Medien widerspricht, überall auf Aufmerksamkeit und Leser stösst. Wirtschaftsfreundlich aus Überzeugung, aber nicht wirtschaftshörig; staatsskeptisch aus Prinzip, aber ohne Lust auf die Anarchie: Das sind die Maximen, an denen sich diese Zeitung auch orientieren soll. Was bisher im Zweifelsfall ein Blatt links der Mitte war, soll ergänzt werden mit bürgerlichen Positionen. Eine interessante Zeitung für Linke und Bürgerliche: Das strebe ich an.

Wenn gute und kritische Journalisten, wie sie bei der BaZ tätig sind, mich hinterfragen und sich um die Zukunft dieser Zeitung Sorgen machen: Dann spricht das für die Redaktion. Umso mehr bin ich zuversichtlich, dass wir hier in Basel für Basel auch weiterhin eine hervorragende, oft überraschende, ab und zu ärgerliche, immer anregende Zeitung machen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 17.11.2010, 10:04 Uhr

BaZ-Chefredaktor Markus Somm.

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