#MeToo, der neue kalte Krieg?

Die Hysterie, mit der die #MeToo-Debatte im Westen geführt wird, ist eine Verhöhnung all jener Frauen, die in Ländern leben, die ihre Rechte wirklich beschränken, nur weil sie Frauen sind.

#Metoo-Aktivistin Anne Wizorek (links) bei Maybrit Illner.

#Metoo-Aktivistin Anne Wizorek (links) bei Maybrit Illner.

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In ihrer Talkshow im ZDF fragte Maybrit Illner eine besonders eifrige #MeToo-Aktivistin, was sie denn machen würde, wenn der Regisseur Dieter Wedel vor Gericht von den Anschuldigungen der sexuellen Belästigung und des Missbrauchs freigesprochen würde: «Einfach als Kollateralschaden einer feministischen Kampagne abhaken und weiterfahren?»

Die junge Frau starrte die Moderatorin an, als käme sie von einem anderen Stern. Was es da noch zu untersuchen gebe, empörte sie sich, die Schilderungen der betroffenen Schauspielerinnen seien dermassen schlimm, dass der Fall längst klar sei. Deshalb gehörten Wedels Filme wie auch die Werke anderer «sexuell gewalttätiger» Filmschaffender ab sofort nicht mehr gezeigt: «Solche Filme wollen wir nicht sehen!»

Der Bildersturm hat bereits begonnen

Für den Einwand der Moderatorin, dass man dann wohl auch manches Bild in den Museen abhängen müsste, hatte die junge Frau nur ein gleichgültiges Schulterzucken übrig. Doch da hatte der von der Talkmasterin befürchtete Bildersturm bereits begonnen: Die Kunstgalerie Manchester, meldeten britische Medien gleichentags, habe das Gemälde «Hylas and the Nymphs» wegen des sich darin spiegelnden Frauenbilds und der «viktorianischen Fantasien» abgehängt. Das Bild, gemalt 1896 von John William Waterhouse, zeigt eine Szene aus der antiken Mythologie: Hylas, der jugendliche Begleiter des Herakles, wird von mehreren nackten Nymphen in einen Teich gelockt, wo er ertrinkt.

Abgesehen davon, dass Zensur in einer freien Gesellschaft nichts, aber auch gar nichts zu suchen hat: Wieso sollen die Frauen auch hier wieder nur «passiv-dekorativ» dargestellt sein, wie das Museum moniert, wo sie den Jüngling doch immerhin in den Tod locken?

#MeToo-Welle erinnert an den Beginn des kalten Kriegs

Als Mann blickt man längst nicht mehr durch. Da hiess es jahrelang, die Entdeckung und Propagierung der weiblichen Lust sei eine grosse Errungenschaft der Frauenbewegung. Und jetzt darf davon keine Rede mehr sein: Sexualität, das ist in der politisch korrekten Lesart nurmehr der Mann als Täter und die Frau als Opfer.

Die #MeToo-Welle hat, von den USA herkommend, eine Heftigkeit angenommen, die an den McCarthyismus zu Beginn des Kalten Krieges im Amerika der 1950er-Jahre erinnert. So wie damals allein der Vorwurf, Kommunist zu sein, genügte, um Künstler und ihre Werke aus der Öffentlichkeit zu verbannen, reicht heute der Vorwurf der sexuellen Übergriffigkeit.

Die Burka aber läuft unter Selbstbestimmun der Frau

Als Zensur wollen die Museumsverantwortlichen in Manchester ihre Massnahme nicht verstanden wissen, haben sie inzwischen nachgeschoben, es gehe ihnen nur darum, eine Diskussion anzustossen. Das ändert indes nichts daran, dass mit dem Übergriff des #MeToo-Aktivismus auf ein bedeutendes Gemälde aus dem 19. Jahrhundert eine weitere Grenze verschoben worden ist: jene zur Kunstgeschichte und zur Geschichte schlechthin.

Die Aufgeregtheit, ja die Hysterie, mit der die #MeToo-Debatte im Westen geführt wird, ist eine Verhöhnung all jener Frauen, die in Ländern leben, die ihre Rechte wirklich beschränken, nur weil sie Frauen sind. Da passt es ins Bild, wenn hierzulande die SP-Frauen das Tragen einer Burka als Selbstbestimmung der Frau verharmlosen, derweil im Iran Frauen ins Gefängnis gesteckt werden, weil sie kein Kopftuch tragen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.02.2018, 11:20 Uhr

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