CS trifft auf Lehman-Opfer

In fünfzig Fällen von CS-Kunden, die mit Lehman-Papieren Geld verloren haben, spitzt sich der Konflikt zu.

Bild: Schaad

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Seit gestern 8 Uhr geben sich an der Ulmbergstrasse 1 im Zürcher EngeQuartier Lehman-Geschädigte die Türklinke in die Hand. Schlag auf Schlag folgen sich die Termine beim Friedensrichter. Heute und morgen geht es im selben Takt weiter. Die meisten CSKunden sind im Rentenalter. Ihr Vertreter ist der Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer. Er tritt an gegen die Juristen der Credit Suisse.

Gut 5 Millionen Franken will Fischer für seine Klienten einfordern. Er wirft der Bank Fehler bei der Beratung ihrer Kunden vor. In den meisten Fällen seien sie aktiv auf die Kunden zugegangen und hätten den in Finanzfragen wenig bewanderten Leuten den Kauf der Lehman-Anlagen nahegelegt.

Stellvertretend seien folgende Fälle skizziert:

    Eine 65-jährige Sekretärin liess sich ihr Pensionskassengeld auszahlen. 150 000 von total 600 000 Franken investierte sie in ein Lehman-Produkt.

  • Eine 50-jährige alleinerziehende Mutter, die als Therapeutin arbeitet, steckte 60 000 von 240 000 Franken in ein Lehman-Papier.

  • Eine 65-Jährige, die ein Leben lang als Telefonistin gearbeitet hatte, legte 30 000 von 200 000 Franken Erspartem in Lehman an.

  • Ein 67-jähriger Maschinenschlosser liess sich das Pensionskassengeld auszahlen. 150 000 von 500 000 Franken flossen in ein Lehman-Produkt.

  • Ein 34-jähriger Mann steckte 150 000 Franken in ein Lehman-Papier. Sein Vermögen von 2,4 Millionen Franken ist eine Versicherungsleistung. Der Mann hatte 1994 einen schweren Unfall. Er ist vollinvalid und arbeitsunfähig.

«Ich verstehe nicht», sagt Fischer, «warum die CS bei diesen Fällen auf stur schaltet.» Er vermutet, dass die Bank ihre Macht ausspielt. Sie wisse um die Angst der Anleger, gegen die Grossbank zu klagen. Seine Klienten wüssten um das Risiko, einen Prozess zu verlieren. «Diese Leute», sagt Fischer, «haben schon einmal Geld verloren.»

Für die CS keine Härtefälle

Der verantwortliche Mann bei der Credit Suisse ist Chefjurist Romeo Cerutti, der sich in der Sache aber nicht exponieren will. Sprecher Andrés Luther weist darauf hin, dass die Bank seit dem Lehman-Konkurs alles versucht habe, grosszügige Lösungen zu finden. Über 3700 betroffenen Kunden habe man Entschädigungsangebote gemacht. Bis auf einige wenige seien diese angenommen worden.

Zu den 50 Fällen, die seit gestern beim Friedensrichter liegen, sagt Luther: «Auf diese Fälle treffen weder die mit Konsumentenschutzorganisationen vereinbarten objektiven Kriterien zu noch handelt es sich aus unserer Sicht um Härtefälle.» Er sei sich bewusst, dass diese Leute enttäuscht seien. Man habe jetzt aber einen Punkt erreicht, wo man nicht weiter entgegenkommen könne. «Wenn Herr Fischer dies anfechten will, muss man das vor Gericht anfechten. Dafür sind Gerichte da.»

Fischer wirft Cerutti vor, dass dieser mehrfach Lösungen auch für die verbliebenen 50 Fälle in Aussicht gestellt habe. Vermutlich sei er von der Konzernleitung zurückgepfiffen worden. Cerutti hält demgegenüber fest, dass er selbst entschieden habe, in diesen Fällen keine Entschädigungen zu leisten.

Eine Formsache

Zum Fall des invaliden Mannes sagt Luther: «Wenn Herr Fischer uns zeigt, dass Einzelne, zum Beispiel dieser Kunde, durch unseren Raster gefallen sind, schauen wir uns das gern noch einmal an. Man muss aber bedenken, dass für Anleger kein Recht darauf besteht, in jedem Fall entschädigt zu werden.»

Die Treffen vor dem Friedensrichter sind eine Formsache. Der Gesetzgeber wollte mit dieser Stufe die Möglichkeit einbauen, sich vor einem Prozess noch zu einigen. Ob die Lehman-Opfer gegen die CS klagen wollen, müssen sie in den nächsten 90 Tagen entscheiden.

Kontrahent Fischer ärgert, dass die Grossbank eben wieder Millionen aus ihrem sogenannten PIP-Programm an ihre Manager ausgeschüttet hat, aber die geforderten 5 Millionen für die Lehman-Opfer verweigert. «Die CS muss Prozesse führen, um damit die Millionen für Brady Dougans Bonus bezahlen zu können», spöttelt er. Und er rechnet vor, dass man mit dem 18. Teil von Dougans 71-Millionen-Bonus die verbliebenen Lehman-Geschädigten zufriedenstellen könnte. Die CS will sich zu diesem Aspekt offiziell nicht äussern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.04.2010, 10:54 Uhr

Lehman Brothers

Tausende Kleinanleger betroffen

Das Ende der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers kam im September 2008. Zuerst weigerte sich die englische Barclays-Bank, dem Wunsch der amerikanischen Regierung zu entsprechen und sich an der angeschlagenen Konkurrentin zu beteiligen. Darauf entschied die Regierung, Lehman fallenzulassen. Am 15. September meldete diese Insolvenz an. Davon betroffen war auch eine grosse Zahl von Kleinanlegern. Viele von ihnen hatten über ihre Hausbank sogenannt kapitalgeschützte Finanzprodukte von Lehman gekauft. In der Schweiz waren vor allem Kunden der Credit Suisse und ihrer Bankentöchter betroffen. Unter dem öffentlichen Druck entschädigte die CS in der Folge gegen 4000 Betroffene mit insgesamt 150 Millionen Franken. Über die Gesamtzahl der geschädigten Kunden schweigt sich die CS bis heute aus. (bsi)

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