Die Li(e)berale

Sie gehört zu den einflussreichsten und politisch erfolgreichsten Frauen Basels – Patricia von Falkenstein.

«Man muss lernen, unabhängig von anderen zufrieden zu sein.» Patricia von Falkenstein feiert als Präsidentin der LDP grosse Erfolge.

«Man muss lernen, unabhängig von anderen zufrieden zu sein.» Patricia von Falkenstein feiert als Präsidentin der LDP grosse Erfolge. Bild: Christian Jaeggi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist Sonntag, der Abend nach den Wahlen. Patricia von Falkenstein setzt sich kurz vor Mitternacht an ihren Laptop. In einer Mail dankt die Präsidentin der Basler Liberalen allen, die sich im Wahlkampf eingesetzt haben. Obwohl die LDP mit einem Regierungsratsmandat und vier gewonnenen Grossratssitzen die Siegerin des Abends ist, ist von Falkenstein nicht nur zum Feiern zumute. Sie denkt auch an jene LDP-Kandidaten, die sich mehr erhofft hatten. Tröstend erinnert sie daran, dass jede einzelne Stimme für das gute Abschneiden der Partei wichtig war.

Zwei Tage später besucht die BaZ die Frau der Stunde. Neben dem Eingang hängt eine goldene Plakette. «Von Falkenstein» ist eingraviert. Die alte Stadtvilla im Gellert ist das Zuhause von Patricia von Falkenstein und ihrem Sohn Benjamin. An den Wochenenden ist auch Tochter Annina hier daheim. Kurz nach dem Klingeln erscheint die Politikerin an der Tür.

Von Falkenstein passt in die grosszügige Eleganz, in der sie lebt. Gekleidet ist die 55-Jährige in eine zarte Bluse und einen Schal in rosa Pudertönen, dazu trägt sie eine schwarze Hose und Ballerinas. «Guten Morgen» – von Falkenstein lächelt breit. Ihr Gesicht wirkt offen, sie schaut einem direkt in die Augen. Sie ist attraktiv, das ist ihr bewusst. Gutes Aussehen mache vieles einfacher; es reiche jedoch alleine nicht aus. «Ausser natürlich bei Models», sagt sie lachend. «Eine solche Schönheit bin ich aber nicht; dafür ist meine Nase zu gross»; sie fasst sich ins Gesicht. «Darf ich Ihnen die Milch zum Kaffee grad so geben?», fragt von Falkenstein und überreicht die Milch im Tetrapak. Eine simple Geste; im edlen Ambiente ihres Hauses wird daraus ein Stück Bodenständigkeit.

Die studierte Juristin ist entspannt. Sie hat allen Grund dazu. Zumindest politisch läuft es hervorragend. Einen Erfolg wie am Sonntag hatte sie gar nicht erwartet. Sie gehört nicht zu den Menschen, die es wagen, mit einem Triumph zu rechnen. «Ich bin eine Optimistin. Aber ich bin auch gern darauf vorbereitet, falls etwas schief geht.» Grundsätzlich scheint sie ungern überrascht zu werden. «Ich habe Mühe, Kontrolle abzugeben.» Ob sie manchmal gerne anders wäre, verantwortungslos, hedonistisch? Das weiss sie nicht. «Ich kann es mir gar nicht vorstellen.»

«Ich wollte immer Kinder»

An einen Kontrollverlust erinnert sie sich noch gut. Als von Falkenstein, die in den USA, Rom und Basel aufgewachsen ist, im ersten Anlauf durch die Matur rasselte. «Das war schlimm.» Im zweiten Anlauf wurde aus einem Dreier in Latein ein Sechser und es klappte doch noch. Darauf folgte ein Jurastudium. Nicht aus purem Interesse. Eigentlich hätte die Tochter eines Chemikers und einer Hausfrau lieber die Hotelfachschule besucht. Doch sie wollte nicht weg von daheim. Dass ihre 20-jährige Tochter jetzt diesen Weg geht, freut die Mutter. Nach dem Abschluss in Jura widmete sich von Falkenstein einem anderen grossen Inte-resse und studierte zwei Jahre lang Kunstgeschichte. Es folgten Anstellungen unter anderem beim Bankverein und als Kommunikationsleiterin für die Baselworld.

Da war von Falkenstein 35 Jahre alt – und wurde schwanger. «Ich wollte immer Kinder und wusste, dass es langsam Zeit wurde», sagt sie. Sie erlebte nicht die klassische Verliebt-verlobt-verheiratet-Geschichte. Vater ihrer Tochter und auch des vier Jahre später geborenen Sohnes ist der abtretende Regierungsrat Christoph Eymann. Über ihre gemeinsame Zeit möchte sie nicht weiter sprechen. «Vieles ist bekannt. Der Rest soll privat bleiben.» Bekannt ist Folgendes: Als von Falkenstein zum ersten Mal schwanger wurde, war der Politiker noch verheiratet. «Ey Mann! Ein Kind von einer anderen», titelte der Blick. Eymann liess sich scheiden, er und von Falkenstein heirateten aber nicht. Vier Jahre später bekamen die beiden noch einen Sohn. Als Familie gelebt haben sie dennoch nicht. «Ich war eigentlich immer alleinerziehend», sagt von Falkenstein. Gerne hätte sie noch mehr Kinder gehabt. «Doch es hat sich nicht ergeben.»

Eymann hat wieder geheiratet. Das Verhältnis zwischen ihm und von Falkenstein blieb freundschaftlich. «Wir kamen immer gut aus», sagt sie. Und lacht. «Mit einzelnen Ausnahmen.» Heute lebt von Falkenstein als Single. Als diese private Frage gestellt wird, schauen ihre Augen kurz ernst. Die Lippen aber lächeln bereits wieder. «Es ist für mich gerade sehr gut so. Man muss lernen, von anderen unabhängig zufrieden zu sein. Das kann ich sehr gut.» Nähe findet sie bei ihrer Familie, die für sie das Wichtigste ist, und Freunden.

Die Charity Lady

Als ihre Tochter Annina geboren wurde, hörte von Falkenstein auf zu arbeiten. «Ich wollte meine Kinder aufwachsen sehen», erklärt sie sich. Und ärgert sich gleich darüber. «Es ist wichtig, dass Frauen so entscheiden können, ohne auf dem Spielplatz ständig gefragt zu werden: Und, was machst du sonst noch?» Nach einem Jahr Babypause wurde sie von der LDP für das Amt einer Richterin am Strafgericht angefragt und vom Volk gewählt.

Heute ist von Falkenstein das, was man eine Charity Lady nennt. «Einen eigentlichen Job habe ich nicht», sagt sie und lehnt sich kurz zurück. Finanziell ist sie dank des Wohlstands ihrer Familie abgesichert. «Mir geht es gut, dafür bin ich dankbar.» Neben ehrenamtlichen Tätigkeiten wie dem Präsidium des Vereins für Kinderbetreuung oder bei Pro Senectute gilt ihr Engagement der LDP. Jene Partei, die im Rest der Schweiz von der Bildfläche verschwunden ist, in Basel aber erfolgreich besteht. Bekannt wurde die LDP als Partei des Daigs. Heute stellt sie das Gewerbe ins Zentrum.

Von Falkensteins politischer Start war der Ständeratswahlkampf von Ueli Vischer, den sie administrativ verantwortete. Heute ist sie Grossrätin und führt die Partei. Dabei ist sie CEO, gute Seele und Sekretärin zugleich. «Ich kann mich behaupten, kümmere mich aber auch um die Leute.» Den Erfolg will sie sich nicht alleine anrechnen. «Wir haben sehr gute Leute. Meine Stärke ist unter anderem, diese zu motivieren und zu koordinieren.»

Als Grossrätin kann von Falkenstein noch eine Legislatur bleiben. «Dann bin ich sechzig. O mein Gott, schon 60, das kommt mir so weit weg vor.» Und dann? Eine Galerie in New York ist ein Traum von ihr. Aber einer, den sie sich nie erfüllen wird. Was ist mit der Politik? Auch wenn sie aus familiären Gründen nicht für den Regierungsrat kandidieren wollte, schliesst sie weitere Ämter nicht aus. «Ständerätin vielleicht?», fragt sie in den Raum.

Umfrage

Unter Patricia von Falkenstein legt die LDP erneut zu. Hat die Partei die Erfolge ihrer Präsidentin zu verdanken?

Ja

 
65.2%

Nein

 
34.8%

1174 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 26.10.2016, 06:48 Uhr

Artikel zum Thema

Welche Parteien in den Kantonen zulegen

Infografik Die Zwischenbilanz der kantonalen Wahlen 2016 zeigt keinen Linksrutsch – dafür einen anderen nationalen Trend. Mehr...

Rennen zwischen Cramer und von Falkenstein völlig offen

Die Parteibasis der LDP muss sich nächste Woche zwischen dem ewigen Hoffnungsträger Conradin Cramer und der Parteipräsidentin Patricia von Falkenstein entscheiden. Mehr...

Patricia von Falkenstein präsidiert Basler LDP

An der Parteiversammlung wählte die Basel-Städtische LDP ein neues Spitzenduo: Präsidentin wird Patricia von Falkenstein, Vizepräsident Philip Schotland. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Kommentare

Die Welt in Bildern

Nichts für schwache Arme: Chinesische Arbeiter formen ein Tonfass in einer Porzellanfabrik in Jingdezhen (23. September 2017).
Mehr...