Flugzeugabsturz in Dittingen – Ursache weiterhin unklar

Bei den Flugtagen in Dittingen BL sind zwei Flugzeuge zusammengestossen. Ein Pilot kam ums Leben, ein zweiter konnte sich per Fallschirm retten. Noch ist nicht klar, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Die Piloten galten als erfahren und waren ein eingespieltes Team.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bei den Dittinger Flugtagen sind kurz vor 11.30 Uhr zwei Ultraleichtflugzeuge der deutschen Fliegerstaffel Grasshoppers zusammengestossen. Dabei kam ein 50-jähriger Pilot ums Leben, wie die Kantonspolizei Basel-Landschaft mitteilte. Die Veranstaltung wurde abgebrochen. Die Absturzstelle konnte noch nicht begangen werden, weil die Spurensicherung noch in Aktion war. Die Unfallursache sei noch offen. Sie sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen der Schweizerischen Sicherheits-Untersuchungsstelle und der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft.

Augenzeugen berichten

Anwesende vor Ort schildern die Kollision wiefolgt: Die drei Flugzeuge seien übereinander geflogen. Sie hätten nach oben wegziehen wollen. Das unterste der Flugzeuge sei jedoch stärker nach oben gezogen als die anderen beiden. Von unten habe das erste Flugzeug das Heck des über ihm fliegenden gerammt, sei sofort gekippt und mit der Schnauze voran wie ein Stein nach unten gestürzt. Das gerammte Flugzeug habe den Fallschirm ausgelöst. Den Fallschirm des stürzenden Flugzeugs hätten die Beobachter zwar gesehen, doch sei er nicht geöffnet worden. Vielleicht, so vermuteten die Zeugen, sei der Pilot bewusstlos gewesen und habe deshalb den Fallschirm nicht mehr korrekt betätigen können. Der nicht abgestürzte Pilot soll noch zehn Minuten in der Luft geblieben und um die Absturzstelle gekreist sein. Mehrere Kinder seien spontan in Tränen ausgebrochen. Grausam muss der Anblick für die Partnerinnen der beiden Piloten gewesen sein. Sie sollen das Unglück vom VIP-Zelt aus mitverfolgt haben.

Von unten erlebte der Zeglinger Künstler und Illustrator Jacques Mader das Unglück. Er wollte in Dittingen jemanden besuchen, als er sah, wie die Flugzeuge vom Himmel fielen. «Ich fuhr hin, wollte helfen», sagte Mader, «als ich ankam, sass der eine Pilot bereits auf einer Mauer und wurde betreut.» Über den genauen Gesundheitszustand des Überlebenden wurde an der Medienkonferenz nichts bekannt. Allerdings wurde gesagt, er habe selbst aus dem Flugzeug aussteigen können. Meinrad Stöcklin, Mediensprecher der Baselbieter Polizei, sprach davon, dass der überlebende Pilot eine Stunde nach dem Absturz wieder auf dem Fluggelände anzutreffen gewesen sei. Er werde nun zum Hergang befragt.

Bilder aus dem Dorf zeigen eine vollständig zerstörte Scheune, aus der Flammen und Rauch aufsteigen, sowie mehrere verteilte Flugzeug-Trümmerteile. Die Fotos zeigen auch den Einsatz der Rettungskräfte, unter anderem der Feuerwehr. Die Veranstalter informierten um 15 Uhr an einer Medienkonferenz. Zu diesem Zeitpunkt stieg nach wie vor Rauch von der Unglücksstelle auf, wie der baz.ch/Newsnet-Reporter berichtete.

Formation nicht überfordert

Bei der verunglückten Fliegerstaffel handelt es sich um ein Team mit drei Piloten aus dem deutschen Baden-Württemberg. Laut ihrer Facebook-Seite wollte die im August 2011 gegründete Staffel in ihrem etwa zehnminütigen Programm «die gesamte Bandbreite» der Ultraleicht-Fliegerei vorführen. Sie ging mit zweisitzigen Leichtflugzeugen vom Typ Ikarus C42 an den Start.

Beobachter, die die GrassHoppers bereits am Samstag gesehen haben, wollen Unsicherheiten der Dreierformation ausgemacht haben. Dem widersprach Dieter Haldemann vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) entschieden. «Sie musste ihr Programm am Freitag vorführen. Es gab nichts zu beanstanden.» Während der Vorführungen würden alle Formation aus zwei verschiedenen Blickwinkeln beobachtet. Dabei gehe es darum, zu kontrollieren, ob die Programmpunkte wie vereinbart eingehalten werden und die Piloten auch in der Lage dazu sind. «Hätten wir am Samstag festgestellt, dass die Formation überfordert ist», so Haldemann, «wäre sie heute ganz sicher nicht mehr aufgestiegen.» Die Leichtflugzeuge wirkten schnell instabil, deshalb würden sie auch geflogen, wenn es möglichst windstill sei. «Das sind alles Leute mit grosser Erfahrung.» Allen Flugshows liege ein Pflichtenheft des Bazl zugrunde.

Die Grasshoppers gelten als eingespieltes Team. Die drei Piloten der Ultraleicht-Flugzeuge haben schon 50 Stunden im Formationsflug verbracht und üben bis zu zwei Mal wöchentlich. Laut einem Vertreter des Bundesamts für Zivilluftfahrt Bazl flogen sie zum ersten Mal in der Schweiz. Auftritte der drei habe es aber schon in Deutschland, so etwa in Berlin, an anderen Flugshows gegeben. Vor dem Erteilen der Bewilligung durch das Bazl seien die Piloten zudem einem speziellen Briefing unterzogen worden.

Tödlicher Unfall vor 10 Jahren

Sichtlich geschockt zeigte sich OK-Präsidentin Regina Weibel an der Medienkonferenz. Sie musste zwischenzeitlich von Sabine Pegoraro getröstet werden. «Die Dittinger Flugtage sind ein Anlass mit hohem Risiko», sagte sie, «wir sind uns dessen bewusst.» Ob es weitere Flugtage geben wird, wollte Weibel offen lassen. Wichtig war Weibel, den direkt Betroffenen Beileid auszusprechen. Die übrigen Anwesenden folgten ihr.

Mediensprecher Urs Winkelmann meinte, es bestehe nicht der geringste Grund, innert kurzer Zeit die nächsten Schritte zu beschliessen. «Wir werden zuerst darüber nachdenken», sagte er, zum Beispiel, ob Zusammenhänge zum Absturz vor zehn Jahren bestehen würden. «Damals kamen wir zum Schluss, dass wir uns keine Vorwürfe machen müssen», resümierte Winkelmann, «das Problem lag im Zusammenspiel von Pilot und Flugzeug.» 2005 starb der 39-jährige Pilot einer Spitfire MJ-10 nach einem Absturz.

Der schreckliche Unfall ereignete sich genau während des Apéros für die Ehrengäste und während OK-Präsidentin Regina Weibel eine Ansprache hielt. Natürlich wurde der Event umgehend gestoppt. Über die Lautsprecheranlage wurden die Zuschauer orientiert. Eine Schweigeminute folgte. Im Einsatz standen insgesamt 65 Personen aus der Stützpunkt-Feuerwehr Laufental, dem Feuerwehr-Inspektorat Basel-Landschaft, der Sanität Paramedic und der Rega sowie ein kantonales Careteam und die Baselbieter Polizei.

Die internationalen Dittinger Flugtage haben mehr als 60 Jahre Geschichte. Durchgeführt werden sie von der Segelfluggruppe des Laufentaler Ortes mit dem einzigen Baselbieter Flugplatz. Sie ziehen inzwischen laut den Organisatoren Hunderte Flugfans aus dem In- und Ausland an. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.08.2015, 16:33 Uhr

50 Stunden gemeinsam trainiert


Die gestern an den Dittinger Flugtagen verunfallte Formation GrassHoppers wurde im August 2011 von drei Piloten aus Eschbach bei Freiburg (D) gegründet. Die Amateurmannschaft flog windempfindliche Ultraleicht-Flugzeuge des Typ C42 des Herstellers Comco Ikarus. Das Trio hatte die verschiedenen Formationsfiguren rund 50 Stunden lang gemeinsam trainiert. Vor ihrem Auftritt im Baselbiet sind die GrassHoppers bereits auf der internationalen Luftfahrtschau in Berlin und weiteren hochkarätigen Air­shows aufgetreten. Zur Flugvorführung bei den Dittinger Flugtagen gehörten verschiedene Figuren und Übergänge wie Dreieck-Formation. Geflogen wurde normalerweise etwa 150 Meter über dem Erdboden. Während ihrer Vorführung kommunizieren die Piloten über Funk miteinander. dis (Bild: Archiv BaZ)

Artikel zum Thema

Zwei Tote bei Flugzeugabsturz an französischer Grenze

Das zweisitzige Flugzeug ist im französisch-schweizerischen Grenzgebiet beim Fluss Doubs abgestürzt. Die Maschine war in Lausanne gestartet. Mehr...

Flugzeugabsturz in Zweisimmen

Ein Kleinflugzeug ist bei einem Flugfeld im Berner Oberland in einen Fluss gestürzt. Mehr...

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Kommentare

Blogs

Welttheater Splitter

Die Welt in Bildern

#covfefe? Angela Merkel bedient das fedidwgugl-Haus in Berlin - und wir schütteln den Kopf ab dem sonderbaren Wahlslogan #fedidwgugl: Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben (18. August 2017).
(Bild: Michael Kappeler) Mehr...