Deutschland, Deutschland über alle Gegensätze

Seit 25 Jahren ist Deutschland politisch wieder eins. Doch noch immer gibt es entlang der ehemaligen Grenze drastische Unterschiede.

Grenzen ohne Zoll: Noch immer findet man entlang der alten Trennungslinie Unterschiede.

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Morgen jährt sich der Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland zum 25. Mal. Während mit der Wiedervereinigung die geografische Grenze endgültig verschwunden sein mag, hinterlassen die Jahre der Teilung auch eine Generation später ihre Spuren. Noch immer bestehen in vielen Bereichen erhebliche Unterschiede zwischen Ost und West.

So verdienen Ostdeutsche nur rund drei Viertel des Durchschnittseinkommens von Westdeutschen. Auch arbeiten sie im Jahresdurchschnitt länger, weisen aber dennoch eine geringere Produktivität aus. Dies sind die Ergebnisse einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung.

Gegenläufige Bevölkerungsentwicklung

Weitere Unterschiede offenbaren sich in Bezug auf die Bevölkerungsentwicklung. Die fünf ostdeutschen Bundesländer haben seit der Wiedervereinigung massiv an Bevölkerung verloren. Grund dafür ist die Abwanderung vieler Einwohner in die wirtschaftlich stärkeren Gebiete im Westen. Vor allem durch diese Zuwanderung hat Westdeutschland im gleichen Zeitraum einen Bevölkerungszuwachs erfahren. Eine Entwicklung, die sich gemäss der Studie bis 2035 weiterziehen soll.

Es gilt festzuhalten, dass der Osten bei diesen Vergleichen nicht immer schlechter wegkommt. So schneiden die ostdeutschen Bundesländer gemeinsam mit Bayern in der deutschen Erweiterung der Pisa-Studie am besten ab. Gleichzeitig liegt der Westen in Sachen Kinderbetreuung und Erwerbsbeteiligung von Frauen noch weit unter dem Ostniveau.

Noch mindestens eine Generation

Die meisten Unterschiede, die sich heute noch finden lassen, gehen gemäss den Forschern auf die unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systeme während der Jahre der Teilung zurück. Zusätzlich hätten nach dem Mauerfall auch die gewaltigen Umbrüche in Ostdeutschland dazu beigetragen.

Trotz der Differenzen kann bei der Wiedervereinigung jedoch nicht von einem gescheiterten Projekt gesprochen werden. Über die Jahre sind sich Ost und West in vielen Bereichen auch ähnlicher geworden. Angenähert hat man sich insbesondere in Bezug auf die Konsumgewohnheiten, die Lebenserwartung, die Bildungsabschlüsse oder die Kinderzahl. Gemäss den Forschern sei Einheit jedoch ein Willensakt, «der noch mindestens eine Generation dauert». (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.10.2015, 12:18 Uhr

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