Das teuerste Edelmetall der Olympischen Spiele

Dass die saudischen Springreiter den Schweizern im olympischen Nationenpreis die Bronzemedaille wegschnappten, ist alles andere als Zufall. Das Königshaus steckt enorme Mittel in die Entwicklung des Sports.

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Die Auftritte der Springreiter aus Saudiarabien erstaunen weiter. Nach Olympia-Bronze von Khaled al Eid 2000 in Sydney und WM-Silber von Abdullah Sharbatly an der WM 2010 in Lexington sicherten sich die Reiter aus der Golfregion Team-Bronze in London. «Wir danken Gott und dem König», sagte Sharbatly an der Medienkonferenz in Greenwich stolz. «Das gibt der ganzen Region neuen Schub im Reitsport», ergänzte sein Teamkollege Kamal Bahamdan. Ihr bislang bester Repräsentant, Prinz Abdullah al Saud, der seit drei Monaten bei Paul Schockemöhle in Deutschland trainiert, verblüffte mit dem Zangersheide-Wallach Davos als Vierter der Qualifikation. Der Prinz, ein Enkel von König Abdullah, ist wie seine Landsleute Ramzy al Duhami und Bahamdan ein Kandidat für eine Einzelmedaille.

Die guten und lernwilligen Reiter aus dem Orient ritten mit sündhaft teuren und erstklassigen Pferden erneut mitten in die Weltelite. «Seit zwei Jahren ordnen wir im Olympia alles unter. Unser grosses Ziel war eine Medaille. Das haben wir geschafft. Alle sind glücklich», sagte Equipenchef Rogier van Iersel. Der Holländer ist seit sechs Jahren in Diensten der wohlhabenden Scheichs aus dem Orient, die das Basislager ihrer Elitereiter in der Nähe von Brüssel aufgeschlagen haben. Saudi Equestrian, diese Saison auch auch Geldgeber der Superliga im Springreiten, unterstützt das Projekt mit Unmengen an Geld. Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass die bronzene Auszeichnung der saudischen Springreiter die teuerste Medaille in der Historie der Olympischen Spiele ist.

Sie leben streng nach dem Koran

Was notwendig und erhältlich ist, kaufen die Saudis. Zwölf Spitzenpferde stehen den sechs Reitern zur Verfügung, die seit 2010 vom Belgier Stanny van Paesschen trainiert werden. «Über Geld wird nicht geredet», erklärt Van Iersel. «Nur der Managing Direktor weiss, wie viel ausgegeben wird. Alles ist wie ein Betrieb profimässig organisiert. » Der Staff rund um die Reiter ist gross. Neben Trainer und Equipenchef kümmern sich ein Office- und ein Stall-Manager, zwei festangestellte Tierärzte, ein Sportpsychologe, ein Übersetzer und zahlreiche Pferdepfleger um alles rund um die Pferde. Die Reiter logieren in Greenwich mit ihren Familien in einem vornehmen Hotel, keine 100 Meter vom Turniergelände entfernt. Der Respekt untereinander ist gross. Die Sportler leben zurückgezogen und streng nach dem Koran.

Seit Kentucky 2010 haben die Saudis eine ganze Reihe von Weltklassepferden für siebenstellige Summen erworben: Davos von der amerikanischen WM-Reiterin Candice King, Noblesse des Tess von Jan Tops, Bayard van de Villa von der belgischen Amazone Fabienne Lange oder Sultan vom nationalen britischen Reiter Bruce Menzies. Equipenchef Van Iersel will dennoch nicht von gekauften Erfolgen sprechen. «Es braucht nicht nur viel Geld, um an die Weltspitze vorzustossen, sondern auch Talent, Einsatz, Willen und viel Training. Meine Reiter sind sehr lernfähig und lernbegierig», führt er aus. (si)

Erstellt: 07.08.2012, 07:23 Uhr

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