Benjamin H. Paddock

Der Vater des Killers von Las Vegas hat eine dunkle Vergangenheit.

Wanted by FBI: Benjamin Hoskins Paddock; Autoverkäufer, Bankräuber, Bingo-Center-Besitzer.

Wanted by FBI: Benjamin Hoskins Paddock; Autoverkäufer, Bankräuber, Bingo-Center-Besitzer. Bild: Keystone

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Die Leichen auf dem Festival-Areal liegen noch herum, die Leiche des Massenmörders liegt noch in einem Hotelzimmer im 32. Stock des «Mandalay Bay», und in die Tränen, die Wut und das Entsetzen mischte sich eine Ratlosigkeit, die mit einer Frage auskommt: «Warum?»

Stephen Paddock (64) schien kein Motiv zu haben, sondern nur eine geglückte All-American-Mittelschichts-Lebensgeschichte: gefülltes Bankkonto, sicherer Job, ab und an tötet er auf der Jagd einen Hirsch oder fliegt ein Kleinflugzeug, keine Vorstrafen, ein bisschen Bier, ein wenig Baseball am Wochenende.

Da ist ein Bruder, Eric, der nach Worten ringt und auch nicht weiss. Da scheint nichts in dieser Biografie, das eine schnelle Antwort geben könnte, da ist kein «Darum». Da ist nur eine dunkle Stelle in Paddocks Leben, auf die sich jetzt alle stürzen, weil es sonst nichts gibt, aber es ist kaum ein «Vielleicht». Er war acht Jahre alt, und er sah damals seinen Vater zum letzten Mal.

Sein Vater Benjamin, Jahrgang 1926, ein Zweiter-Weltkriegs-Veteran, danach ein Autohändler und Verkäufer von Sanitärmaterial, spülte sein altes Leben hinunter, um ein neues als Bankräuber zu beginnen. Zwischen 1959 und 1960 raubte er drei Banken in der Umgebung aus, erbeutete rund 30'000 Dollar, kam aber abends noch zum Essen nach Hause. Einen Überfall konnte ihm die Polizei nachweisen. 20 Jahre Gefängnis bekam er dafür. Draussen war 1961.

Ob sein Sohn je nochmals in seine Nähe kam, ist so unklar wie das Motiv.

Sieben Jahre später gelang Paddock am Silvesterabend 1968 eine unspektakuläre Flucht. Er schlug sich von Texas durch nach San Francisco, raubte 1969 am amerikanischen Nationalfeiertag eine Bank aus, was keine gross beachtete Geschichte wurde, weil am selben Tag der Zodiac-Killer, ein Serienmörder, in derselben Stadt zwei Frauen umbrachte.

Paddock machte sich in die Abgeschiedenheit Oregons davon, schnitt sich die Haare ab, liess sich einen Bart wachsen und nannte sich Bruce Werner Ericson. Das FBI suchte ihn, er war im Klub der zehn meistgesuchten Verbrecher der USA. Vorsicht sei geboten, stand auf den Fahndungsplakaten, Paddock sei ein diagnostizierter Psychopath, bewaffnet und leide unter «suicidal tendences».

Aber er lebte offenbar lieber, als dass er sich umbrachte, lebte irgendwo unbeachtet im Oregoner Nirgendwo für eine Weile. Ende der 1970er-Jahre lieh er sich zur Abwechslung ein paar Tausend Dollar und eröffnete ein Bingo Center in Springfield, das erste des Staates. Man nannte ihn jetzt «Bingo Bruce». Es lief gut für Bingo Bruce, er hatte Freunde, die Leute mochten ihn, er mochte die Leute, er hatte genug Geld, um keine Bank ausrauben zu müssen.

1978 fand ihn das FBI, aber zwei Jahre später wurde er unter Auflagen frei gelassen. Er geht zurück nach Oregon, man hat ihn vermisst dort. In den 1980er-Jahren wird er wegen Erpressung angeklagt, kauft sich aber mit 623'000 Dollar unbekannten Ursprungs frei. Er zieht nach Texas und stirbt dort 1998. Ob sein Sohn je nochmals in seine Nähe kam, ist so unklar wie das Motiv. (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.10.2017, 10:52 Uhr

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