So werden Mörder zu Stars

In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit steht nur noch der Mörder, die Opfer werden kaum thematisiert.

Die Medien schenken dem Angeklagten viel zu viel Aufmerksamkeit.

Die Medien schenken dem Angeklagten viel zu viel Aufmerksamkeit.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Regelmässige Push-Meldungen, Live-Ticker, mobile Fernseh- und Radio-Studios, Gerichtszeichner, die im Schnellverfahren Szenen von der ersten Einvernahme anfertigen, um sie anschliessend elektronisch weiterzuverbreiten: Die Einsatzzentrale der mobilen Polizei im aargauischen Schafisheim ist seit Mittwoch das mediale Zentrum der Schweiz.

Der Vierfachmord von Rupperswil, begangen am 21. Dezember 2015, ist ein Ereignis am Kulminationspunkt. Von den 100 Zuschauern des Prozesses sind 65 Medienvertreter. Mehr geht nicht. Mehr geht irgendwie immer, ist man versucht zu sagen, um das grosse Publikum teilhaben zu lassen an einem der brutalsten Morde der Schweiz.

Im Mittelpunkt steht Thomas N. (34), ein Mama-Söhnchen, Fussball-Juniorentrainer, nach eigenen Angaben ein Pädophiler und ein ewiger Student, der zugibt, einen Knaben sexuell missbraucht zu haben, um ihm anschliessend die Kehle durchzuschneiden, wie zuvor schon seiner Mutter, dem älteren Bruder sowie dessen Freundin.

Konsequent wäre es, den Medien diesen grossen Auftritt zu verwehren und den Prozess live über das Internet zu übertragen

So abscheulich die Tat ist, so verklärend wird sie in der medialen Darstellung. Wenn nicht hier, dann wo, darf beklagt werden, dass ein Verbrecher die uneingeschränkte Aufmerksamkeit erhält, ja gewissermassen zum Star hochstilisiert wird, während die bedauernswerten Opfer aus der Wahrnehmung der Öffentlichkeit verschwinden, nebensächlich werden. Konsequent wäre es, den Medien diesen grossen Auftritt zu verwehren und den Prozess live über das Internet zu übertragen – kommentarlos, aber im O-Ton des Gerichts. Sollte nämlich das öffentliche Interesse tatsächlich so gross sein an Thomas N., wie uns dies die Medien in diesen Tagen vermitteln, dann wäre dies nur konsequent.

Ich bin davon überzeugt, dass nach einem solchen Entscheid die Quote rasch einbrechen würde und Thomas N. jene Strafe erhalten würde, die er verdient: Null Interesse an einer Person, die nie etwas anderes war als ein schrecklicher Vierfachmörder, der für immer weggesperrt wurde. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.03.2018, 14:47 Uhr

Artikel zum Thema

Einblicke in das Seelenleben eines Täters

Wie Psychiater und Anwälte versuchen, die Motive des Mörders von Rupperswil zu ergründen. Mehr...

Thomas N. wird verwahrt

Vierfachmord in Rupperswil: Der 34-jährige Schweizer ist zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe mit ordentlicher Verwahrung verurteilt worden. Mehr...

Kommentare

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Gross ist die Hoffnung: In Kashmir sucht ein indisches Mädchen am letzten Tag von Navratri, einem der wichtigsten Feste im Hinduismus, nach versenkten Münzen. (17. Oktober 2018)
(Bild: EPA/Jaipal Singh) Mehr...