Zu Fuss und Brett in den Bergen

Morgen läuft im Kino Rex mit «Steps» der erste grüne Skifilm – es wurde bei der Produktion auf Helikopter und Schneemobil verzichtet. Ob das trotzdem spektakulär ist?

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Es ist leicht, in diesem Business den grossen Widerspruch zu sehen: Kein Skifilm, in dem nicht der federleichte Pulver gepriesen wird. Doch wird genau dieser durch die wärmeren Winter immer mehr bedroht, was letztlich eine direkte Folge von menschlichem Tun ist. Und beim unnötigen CO2-Ausstoss mischen die Skifilmer normalerweise gerne an vorderster Front mit, die Szene bedient sich oft dem Helikopter. Man macht damit atemberaubende Luftaufnahmen und setzt den Skifahrer oder Snowboarder mal schnell auf dem verwegendsten Gipfel ab, den zu ersteigen eine Angelegenheit von zwei Tagen wäre. Für das Filmen einer «Line» werden gerne gleich mehrere Helikopter für verschiedene Perspektiven verwendet.

Doch mit Solchem haben die Macher von «Steps» überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil: sie brachen die Regel und machten einen ansprechenden Film – ohne Helikopter oder Schneemobil, sondern zu Fuss.

Keine Handycam

Welche Herkulesaufgabe das darstellt, weiss jeder, der schon einmal neben der Piste zu Fuss unterwegs war. Es sind die Strapazen, von denen Sten Smola, Protagonist und Snowboarder mit Leib und Seele, eingangs des Films redet: knietiefes Einsinken an steilen Hängen, schwitzen bei Kälte, Hunger, Durst, Wind machen einen Aufstieg zur stundenlangen Herausforderung, während die Abfahrt nur einen Bruchteil davon dauert. Und was es heisst, einen ganzen Film so zu bestreiten, wird spätestens deutlich, wenn man mitte Film einen Skifahrer am Hang auf der gegenüberliegenden Talseite fahren sieht. Kameramann und Skifahrer trennen kilometerweite Distanzen, welche zu Fuss meistern, den Tag ausfüllt. Dazu kommt, dass die Aufnahmen sehr aufwendig und qualitativ hochwertig sind – hier wurde nicht einfach die Handycam in den Jackensack gesteckt und abmarschiert, sondern schwer geschleppt, an richtigem Film-Equipment für Bild und Ton.

Der Film überzeugt. Etwa mit perfekt getimten Aufnahmen von Snowboardern, die zwischen Eisabbrüchen jeden erdenklichen Schneefleck nutzen. Dazu kommen gesellschaftskritische Intermezzi, wenn städtische Logistik im Zeitraffer und passendem Sound eingespielt wird. Die einzelnen Protagonisten werden dafür eher zu kurz angeschnitten. So kommt zwar ETH-Klimawissenschaftler Reto Knutti zu Wort, erzählt aber nichts Neues. Auch die minergetische Monte-Rosa-Hütte wird kurz gezeigt, dazu Ingenieur René Estermann, jedoch ohne näher darauf einzugehen.

Minimal und maximal

Sten Smolas Botschaft: Snowboarden in freier Natur, ohne nachhaltig negative Spuren zu hinterlassen. Er führt per Voiceover durch den Film und zeigt, wie er das macht und wie andere Protagonisten seinen Stil teilen. Sein langsamer Berner Dialekt harmoniert mit dem Prozess, Schritt für Schritt einen Berg zu erklimmen. Wenn man sich zuweilen wünscht, es würde ein wenig vorwärts gehen – weil oft Slowmotions und stimmungsvolle Landschaftsbilder gezeigt werden – dann weckt das die Vermutung, dass die Macher mit solchen Stilmitteln den bedächtlichen Lebensstil preisen wollen, den es erfordert, um unserer Konsumgesellschaft mit Vorbehalt zu begegnen.

So sehen wir Smola und seine Jünger am Simplonpass campieren. Die Gruppe macht tagsüber Touren und trifft sich abends bei den warm leuchtenden Zelten zum Käsefondue, pünktlich zur hinter dem Glishorn abtauchenden Sonne. Ein Aufenthalt minimal an Energieverbrauch und Konsumgütern, maximal an Erlebniswert und Auseinandersetzung mit der Natur. Die Harmonie, welche die Bilder überbringen, scheint nicht gestellt. Mit einer handbetriebenen Taschenlampe zum Zubereiten des Fondues wird das Energiebewusstsein zwar auf die Spitze getrieben und leicht ins Absurde gezogen, aber die Botschaft verhält dennoch: «Es braucht wenig, um glücklich zu sein», oder «weniger ist mehr». Weise Erkenntnisse, welche die Menschheit eigentlich schon lange kennt. Auf einen sinnlichen Skifilm extrapoliert.

Der Film läuft am 20. November 2013 um 20 Uhr im Kino Rex. Tickets gibts hier. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.11.2013, 12:15 Uhr

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Der Film läuft am 20. November 2013 um 20 Uhr im Kino Rex. Tickets gibts hier.

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