«In der Hölle sollen sie schmoren»

Der deutsche Polizeigewerkschaftschef Rainer Wendt steht in der Kritik wegen seinen Äusserungen zu Verdächtigen im Mordfall Susanna.

Er habe Furcht «wenn ich daran denke, welche Bestien da noch unterwegs sind», sagte Rainer Wendt, Bundeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Er habe Furcht «wenn ich daran denke, welche Bestien da noch unterwegs sind», sagte Rainer Wendt, Bundeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft. Bild: Keystone

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Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat den Polizeigewerkschafter Rainer Wendt für Äusserungen zum Mordfall Susanna kritisiert. Die Wortwahl des Bundeschefs der Deutschen Polizeigewerkschaft scharf (DPolG) in einem Beitrag im sozialen Netzwerk Facebook sei für einen Mann in seiner Position und einen Polizisten, der dem Rechtsstaat verpflichtet sei, «völlig verfehlt», sagte Pistorius der «Neuen Osnabrücker Zeitung» vom Donnerstag.

Wendt hatte sich in seinem Beitrag vom 7. Juni unter anderem verächtlich über Gerichtsverfahren gegen den Verdächtigen und andere Täter geäussert. Er schrieb: «Will ich wirklich erleben, wie Gutachter und Anwälte relativieren, verharmlosen und zu erklären versuchen, was nicht erklärbar ist? In der Hölle sollen sie schmoren. Das will ich.»

Ferner erklärte der Gewerkschafter, er habe Furcht «wenn ich daran denke, welche Bestien da noch unterwegs sind, jederzeit bereit, zu töten, zu quälen und ihrer menschenverachtenden Brutalität freien Lauf zu lassen». Ausserdem äusserte Wendt die Befürchtung, Demokratie und Rechtsstaat könnten nicht mehr funktionieren: «Was wird aus unserer Demokratie, wenn diejenigen, die gewählt sind, den Willen derjenigen beharrlich ignorieren, die ihnen Macht übertragen haben?»

CDU soll sich von SPD fernhalten

Pistorius betonte, Wendt vertrete als Gewerkschafter die Position von etwa 100'000 deutschen Polizisten. «In dieser Position darf er sich nach meinem Verständnis solche Aussagen nicht leisten.» Das gelte erst recht in Zeiten «einer durch die Wut des rechten und rechtspopulistischen Spektrums aufgeladenen Sprache», sagte er. Die 14-jährige Susanna aus Mainz war vergewaltigt und getötet worden. Verdächtig ist ein junger Mann aus dem Irak. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Der Fall sorgt für hitzige Debatten.

Wendt, der CDU-Mitglied ist, äussert sich in seinen Facebook-Beiträgen öfter in deutlichen Worten. So nannte er Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz in einer Wortmeldung vom 8. Juni «einen der fähigsten Politiker in Europa». Dieser mache vor, «wie es gemacht wird, wenn man wirklich Schäden vom Volk abwenden will», schrieb Wendt.

Die Führung seiner eigenen Partei warnte er in demselben Beitrag, die CDU dürfe sich «nach der nächsten verlorenen Wahl» nicht erneut «irgendeine Koalition zurechtzimmern und Euch mit denjenigen ins politische Lotterbett legen, die mit unserem Land nichts Gutes im Sinn haben». CDU und CSU regieren in Berlin gemeinsam mit der SPD. Kurz von der konservativen österreichischen ÖVP amtiert in Wien derzeit an der Spitze einer Parteienbündnisses mit der rechtspopulistischen FPÖ. (kha/AFP)

Erstellt: 14.06.2018, 11:35 Uhr

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